Arbeit und Soziales

Weniger empfangen Sozialhilfe – mehr stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung

Weniger empfangen Sozialhilfe – mehr stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung

Weniger empfangen Sozialhilfe – mehr stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung

hee/pl
Kopenhagen
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Troels Lund Poulsen
Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen. Foto: Scanpix

In Dänemark beziehen weit weniger Menschen als im Vorjahr Sozialhilfe. Zugleich stehen mehr Menschen denn je dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Weitere Steuerreformen seien deshalb nicht nötig, meint ein Finanzexperte – und widerspricht damit dem Wirtschaftsminister.

Die Zahl der Personen, die Sozialhilfe in Form von Bargeldhilfe („Kontanthjælp“) beziehen, hat sich binnen eines Jahres von April 2016 bis Mai 2017 um 10.800 auf 150.900 vermindert.

Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) reagiert erfreut auf die Entwicklung. „Es ist sehr positiv, dass die Zahl der Personen im System der Bargeldhilfe im 14. Monate in Folge zurückgegangen ist“, erklärt er. Auch seien die Betroffenen nicht in andere Formen von Sozialhilfe abgewandert. „Hintergrund ist die gute Lage auf dem dänischen Arbeitsmarkt“, so der Minister und fügt hinzu: „Die Beschäftigung steigt und steigt, doch habe ich auch keinen Zweifel, dass Neuerungen bei der Gewährung der Sozialhilfe eine Rolle spielen.“

Er spielt damit auf die 225-Stunden-Regel an, die bei alleinstehenden Personen eine Verringerung der Sozialhilfe um monatlich 500 bis 1.000 Kronen vorsieht, wenn nicht innerhalb eines Jahres 225 Stunden gearbeitet worden ist. Ein Viertel der Sozialhilfeempfänger war davon berührt.

Noch nie so viele Arbeitskräfte

Seit 2013 ist der dänische Arbeitsmarkt zugleich explosiv gewachsen. Mehr als das während der Finanzkrise Verlorene sei eingeholt worden, und Experten sehen für die kommenden Jahre ein kräftiges Wachstum voraus. Wegen der Krise ging die Zahl der Arbeitskräfte um 114.000 zurück – nun ist sie seit 2013 um 126.000 angestiegen, so Jyske Bank.

Mehr als drei Millionen stehen dem dänischen Arbeitsmarkt laut Bank-Analyse aktuell zur Verfügung, und das sind etwas mehr als die Rekordzahl von knapp drei Millionen aus dem Jahre 2008.Doch es seien weitere Arbeitsmarktreformen nötig, um genug Arbeitskräfte für die Zukunft zu sichern, so Experten. Beschlossene Pensions- und Ausbildungsreformen würden die Zahl der Kräfte bis 2025 allerdings schon um rund 150.000 erhöhen.

Es kommen auch immer mehr ausländische Arbeitskräfte. Im Juli betrug deren Zahl 242.000 – und das ist neuer Rekord, so Jyllands-Posten. Nordea-Experte Helge Pedersen zweifelt allerdings daran, dass beispielsweise eine kostenintensive Steuerreform nötig ist, denn der flexible Arbeitsmarkt könne so einiges auch selbst regulieren. Innen- und Wirtschaftsminister Simon Emil Ammitzbøll (Liberale Allianz) will das Reformtempo dennoch nicht bremsen. Man müsse sichern, dass es weiter Arbeitskräfte genug gibt.

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