Coronavirus

Ausländische Arbeitskraft ein Corona-Problem – aber nicht im Grenzland

Ausländische Arbeitskraft ein Corona-Problem – aber nicht im Grenzland

Ausländische Arbeiter ein Problem – aber nicht im Grenzland

Kopenhagen/København
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Das neue Krankenhaus bei Herning beschäftigt unter anderem ausländische Bauarbeiter. (Archivfoto) Foto: Henning Bagger, Ritzau Scanpix

Während dänische Touristen sich nach einem Auslandsaufenthalt in Quarantäne begeben müssen, reisen ausländische Arbeiter in Dänemark ein und aus. Das deutsch-dänische Grenzland ist aber nicht das Problem, sagt ein SF-Politiker.

Dänen, die aus dem Ausland zurück nach Dänemark kommen, müssen sich in einigen Fällen zu Hause in die freiwillige Quarantäne begeben, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Doch für ausländische Arbeitskraft gibt es keine derartigen Regeln. Das kritisieren die Folketingsmitglieder Karsten Hønge von den Volkssozialisten SF und Peter Skaarup von der Dänischen Volkspartei.

Laut Karsten Hønge dreht es sich dabei nicht um Mitarbeiter, die im deutsch-dänischen Grenzland zur Arbeit pendeln. Das bestätigte er auf Anfrage dem „Nordschleswiger".

„Das ist für uns keine Problematik. Die Leute hier fahren von zu Hause zur Arbeit und zurück. Falls sie krank werden, können sie sich zu Hause in Quarantäne begeben. Das ist für einen Arbeiter aus Italien oder Rumänien aber nicht möglich", stellt Hønge fest.

Auch eine Quarantäne bei der Ankunft in Dänemark hält er für eher unrealistisch.

„Daher müssen wir die ausländischen Arbeiter testen. Wir können keine Verbreitung des Virus über unsere Baustellen riskieren", sagt das SF-Folketingsmitglied.

17.000 Arbeiter aus dem Ausland

Es dreht sich um etwa 17.000 Arbeiter aus dem Ausland, die zum Teil an großen Projekten in Dänemark arbeiten, zum Beispiel am neuen Krankenhaus in Herning. Ausländische Firmen, die in Dänemark arbeiten, müssen sich in dem sogenannten RUT-Register anmelden. Seit der Grenzschließung am 15. März haben sich 422 ausländische Unternehmen dort angemeldet.

187 Firmen kommen aus Polen, 100 aus Deutschland und 35 aus Litauen. Aber es kommen auch Arbeiter von Firmen aus Italien (6) und Spanien (3), die zu den Ländern gehören, in denen der Coronavirus am meisten verbreitet ist.

„Der Virus respektiert nicht, ob man dänischer Tourist oder ausländischer Arbeiter ist. Es müssten die gleichen Regeln gelten", meint der Virologe Allan Randrup Thomsen gegenüber DR Nyheder.

Hønge: „Unverantwortlich"

Sowohl SF als auch DF fordern den dänischen Beschäftigungsminister auf, eine Lösung zu finden.

„Die Situation ist unverantwortlich. Wir müssen auf diese Arbeiter mit einem Test oder einer Quarantäne zukommen", meint Karsten Hønge von SF. „Es ist naiv zu glauben, dass ausländische Arbeiter nicht mit dem Coronavirus infiziert sind, und daher muss es klare Regeln geben", sagt er zu DR Nyheder.

Dadurch würden vielleicht Handwerker ausfallen, die bei den Projekten in Dänemark benötigt würden, „doch das gilt gerade für alle Arbeitsplätze in Dänemark. Es ist eine ganz besondere Situation", unterstreicht Karsten Hønge gegenüber dem „Nordschleswiger".

Minister lädt zu Treffen ein

Beschäftigungsminister Peter Hummelgaard (Soz.) will Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie seine Ministerkollegen zu einem Treffen einladen, um das Problem anzusprechen.

„Wir wollen uns die Vorschläge anhören, und ich kann nicht von der Hand weisen, dass es strengere Einreisekontrollen geben wird. Aber wir müssen Rücksicht auf den Transport von Waren und Personen nehmen, denn beides ist für die Versorgungssicherheit im Lande entscheidend", sagt Hummelgaard zu DR Nyheder.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„21 Sekunden für eine bessere Welt“