Region Süddänemark

Treffen mit Spoorendonk war Teil der Polizeiermittlungen gegen Holst

Treffen mit Spoorendonk war Teil der Polizeiermittlungen gegen Holst

Treffen mit Spoorendonk war Teil der Polizeiermittlungen gegen Holst

Apenrade/Aabenraa
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Carl Holst Foto: Scanpix

Nicht nur seine Rede beim Deutschen Tag, sondern auch ein Treffen mit der schleswig-holsteinischen Europaministerin Anke Spoorendonk standen auf dem Ermittlungsplan der Beamten gegen Carl Holst. Sehr zur Verwunderung des ehemaligen Regionsratsvorsitzenden.

Es ist Donnerstag, der 4. Juni 2015. Die Sonne scheint und es ist mitten im Wahlkampf. In 14 Tagen wird in Dänemark das neue Folketing gewählt. Unter den Kandidaten ist auch Venstres Carl Holst. Noch ist er allerdings amtierender Vorsitzender der Region Süddänemark und in dieser Funktion trifft er sich im Schloss Brundlund in Apenrade mit der schleswig-holsteinischen Europaministerin Anke Spoorendonk. Die beiden unterzeichnen den Jahresplan 2015/16 für die Zusammenarbeit zwischen der Region und Schleswig-Holstein.

Kurze Zeit später wird Carl Holst unterstellt, dass eben diese Zusammenkunft ein Teil seines Wahlkampfes sei – und nichts mit seiner Funktion als Regionsratsvorsitzender zu tun habe. „Ich kann mich nur wundern. Es zeugt doch von totaler Unwissenheit auf dem Gebiet der deutsch-dänischen Zusammenarbeit“, sagt Carl Holst.

Er ist längst nicht mehr Regionsratsvorsitzender, denn im Juni 15 wurde er ins Folketing gewählt und wurde in der Løkke-Regierung sogar zum Verteidigungsminister ernannt. Nur drei Monate später muss Holst allerdings zurücktreten:

In seiner kurzen Ministerzeit wird er zur Zielscheibe der Opposition im Folketing, und gleichzeitig wird ihm Amtsmissbrauch in seiner früheren Funktion als Regionsratsvorsitzender vorgeworfen: Unter anderem soll Holst einen Angestellten in der Regionsverwaltung genutzt haben, um in der Arbeitszeit seinen persönlichen Wahlkampf zu führen. Dies hat Holst stets abgestritten und inzwischen sind die Anklagen von der Polizei in Südostjütland untersucht und ad acta gelegt worden.

Rede zum Deutschen Tag in Tingleff

Doch Holst wundert sich: Wie Der Nordschleswiger bereits früher berichtet hat, untersuchte die Polizei unter anderem auch eine Rede des Regionsvorsitzenden in Tingleff zum Deutschen Tag der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Auch diese wurde bei den Ermittlungen hinterfragt.

Warum zwei offensichtliche Aufgaben des Regionsratsvorsitzenden als Teil der Ermittlungen gegen Holst gebraucht wurden, kann sich der Venstremann nicht erklären. „Ich hatte das Gefühl, dass die ermittelnden Behörden nicht wussten, welche Aufgaben zur Arbeit des Regionsvorsitzenden gehörten und ebenfalls ein Gefühl, dass es ein schlechtes Zeichen für das Verständnis der deutsch-dänischen Zusammenarbeit sei“, sagt Carl Holst.

Er selbst, so Holst, habe es bei der Transformation vom früheren Sønderjyllands Amt zur Region Süddänemark als eine seiner Hauptaufgaben gesehen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der neuen Kommunalstruktur zu verankern.

„Wir wollten an diesen Werten in der Zusammenarbeit festhalten und deswegen haben wir einen Vertrag mit Schleswig-Holstein gemacht. Ein Vertrag, der den Bürgern etwas nutzte – Rettungshubschrauber und Behandlung in Flensburg – aber auch eine Absprache, die einen symbolischen Wert hat und die deutsch-dänische Grenzregion als Musterregion darstellte“, erklärt Holst.

Das dies gegen ihn benutzt wurde, überrascht ihn heute immer noch: „Ich musste sogar selbst die Beweise dafür finden, dass diese Aufgaben Teil meiner Funktion waren“, so Carl Holst, der sich inzwischen wieder „voll und ganz“ auf seine Funktion als Folketingsmitglied konzentrieren kann.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Einseitige Grenzöffnung“