Brexit

Abkommen mit Großbritannien sorgt in Dänemark für gemischte Gefühle

Abkommen mit Großbritannien sorgt in Dänemark für gemischte Gefühle

Abkommen mit Großbritannien sorgt für gemischte Gefühle

dodo/Ritzau
Kopenhagen
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Die EU konnte mit den Briten eine Einigung für ein Handelsabkommen erzielen. Die Reaktionen in Dänemark darauf fallen unterschiedlich aus. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Das Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien steht. Während die dänische Industrie sich freut, herrscht bei den Fischern im Land Ernüchterung. Eine EU-Expertin hält das Abkommen für „sehr dünn“ und rechnet mit vielen weiteren Verhandlungen.

Die Europäische Union und Großbritannien haben sich am Donnerstagabend auf ein Handelskommen geeinigt und damit kurz vor der Deadline am 1. Januar einen sogenannten harten Brexit abgewendet.

In Dänemark löst das neue Abkommen gemischte Gefühle aus. Freude herrscht unter anderem beim dänischen Branchenverband „Dansk Industri (DI)“: „Ich bin sehr erleichtert. Es ist ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk, das wir hier für die europäische und dänische Geschäftswelt erhalten haben. Für die vielen dänischen Unternehmen und 67.000 dänischen Arbeitsplätze, die direkt von Exporten nach Großbritannien abhängig sind, ist es äußerst wichtig, dass das Abkommen zustande gekommen ist“, sagt der Direktor von DI, Lars Sandahl Sørensen.

Auch der Chef der dänischen Handelskammer „Dansk Erhverv“, Brian Mikkelsen, ist zufrieden.

„Endlich ist Licht ins Dunkel gekommen, das war notwendig. Wir hatten sowohl mit Corona als auch dem Brexit zu tun. Dieses Abkommen ist ein großer Schritt für die dänische Geschäftswelt“, sagt Mikkelsen.

Fischereiverband ist enttäuscht

Weniger Begeisterung herrscht hingegen bei den dänischen Fischern. Die EU zahle einen zu hohen preis dafür, um die Erlaubnis zu bekommen, in britischen Gewässern fischen zu dürfen, meint der Direktor des dänischen Fischereiverbandes „Danmarks Fiskeriforening“, Kenn Skau Fischer.

„Wir haben Zugang zu britischen Gewässern, aber der Preis dafür ist zu hoch. Dies liegt unter anderem daran, dass es sich um eine Vereinbarung mit einer begrenzten Laufzeit von 5,5 Jahren handelt“, so Skau Fischer. Laut des Direktors bedeute dies, dass die dänischen Fischer ab dem 1. Januar ein Viertel der bisherigen Fangquoten in den britischen Gewässern abgeben müssen. Er rechnet damit, dass dies in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze in der dänischen Fischindustrie kosten werde.

Expertin erwartet viele weitere Verhandlungen

Auch Professorin Marlene Wind vom Zentrum für Europäische Politik an der Universität Kopenhagen sieht in dem geschlossenen Abkommen keine wirkliche Abwendung eines harten Brexits.

„Wenn man etwas nettes über diesen Deal sagen möchte, dann das, dass es besser als gar kein Deal ist. Dennoch ist das Abkommen sehr dünn. Es ist immer noch ein harter Brexit, den beide Seiten erleben werden“, sagt Wind.

Es gebe viele Details, die immer noch nicht geklärt seien und die viele weitere Verhandlungen verursachen werden, sagt sie.

„Dies wird nicht das letzte sein, was wir vom Brexit sehen. Es wird viele weitere Verhandlungen geben. Einige Experten erwarten 50 weitere Jahre Verhandlungen, auf denen neue Dinge aufgebaut werden“, so Wind.

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