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Diese Covid-19-Impfstoffe könnten bald kommen

Diese Covid-19-Impfstoffe könnten bald kommen

Diese Covid-19-Impfstoffe könnten bald kommen

Joshua Muraszewski/shz.de
Berlin
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Corona-Impfstoffe
Zu den schon etablierten Impfstoffen könnten weitere die Zulassung erlangen. Foto: dpa/Marcus Brandt

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Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson – diese vier Impfstoffen werden in Deutschland eingesetzt. Bald könnten neue dazu kommen. Eine Übersicht.

Jeder Impfstoff, der in der EU zugelassen wird, muss folgende Schritte durchlaufen: Zuerst wird er im Labor getestet. Dann kommen verschiedene Phasen klinischer Studien, in denen der Impfstoff an Freiwilligen getestet wird. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA bewertet die gesammelten Daten. Auf Grundlage dieser Bewertung erteilt die Europäische Kommission eine Zulassung. Einzelne Staaten können jedoch Impfstoffe auch frühzeitig auf nationaler Ebene zulassen.

Insgesamt haben bisher vier Impfstoffe diesen Prozess erfolgreich durchgestanden: Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna und Johnson und Johnson. Bei der WHO sind allerdings 289 Impfstoffe angemeldet, wovon mehr als die Hälfte noch in der Entwicklung ist. Hier ist eine Auswahl der potenziellen Neuzulassungen:

Gamaley Institut: Sputnik V

Der russische Impfstoff wird gerade von der EMA bewertet. Sputnik V ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Das bedeutet, dass Teile des Covid-19 Erregers in harmlose Trägerviren eingebaut werden, auf die der Körper mit Antigenen reagiert.

Über das laufende Verfahren sagte die EMA auf Anfrage des MDR im März: "EMA wird dabei aufgrund der Datenlage entscheiden, ob die Vorteile größer als die Nachteile sind. Wir warten noch auf mehr Daten. Danach können wir besser zeitliche Aussagen darüber treffen, wann Sputnik V zugelassen werden könnte." Der Impfstoff könnte damit schon bald auch in Deutschland gespritzt werden. Der "Rheinischen Post" sagte der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass er Sputnik V für einen guten Impfstoff halte, da die russischen Forscher sehr erfahren mit Impfungen seien und der Impfstoff "clever gebaut" sei.

Sinopharm: BBIBP-CorV

BBIBP-CorV wurde von dem chinesischen Staatskonzern Sinopharm hergestellt. Es handelt sich um einen Totimpfstoff. Bei dieser Impfstoffart werden tote Covid-19-Erreger geimpft. Diese Art der Impfung kann dadurch einen höheren Allgemeinschutz gegen das Virus bieten, der sogar auf verwandte Viren wirken kann. Denn dem Körper liegt das gesamte Virus vor und nicht nur ein bestimmter Teil. Aufgrund der aufwendigen Herstellung ist eine Massenproduktion jedoch schwieriger. Erreger müssen nämlich aufgezüchtet, gereinigt, getötet und mit Zusätzen versetzt werden.

Der Impfstoff ist bereits in Serbien und Ungarn zugelassen. Die WHO ist sich über die Wirkung des Impfstoffes bei 18- bis 59-Jährigen sehr sicher. Zur Wirkung des Impfstoffes bei Über-60-Jährigen und den Nebenwirkungen ist die Datenlage noch schlecht. Gegen die südafrikanische Beta-Variante zeigte der Impfstoff eine verringerte Wirkung.

Sinovac: CoronaVac

Der Totimpfstoff des chinesischen Herstellers Sinovac wurde 2020 entwickelt und ist unter anderem in der Türkei, China und Brasilien zugelassen.

frischproduzierte Palette CoronaVac
Eine frischproduzierte Palette CoronaVac für die Impfkampagne in Brasilien. Foto: imago images/ Roberto Casimiro

Im März führte die Hacettepe-Universität in Ankara eine Studie mit 10.216 Teilnehmern durch und ermittelte eine Wirksamkeit von 83,5 Prozent. Eine brasilianische Studie in Manaus, in der die Gammavariante des Covid-19-Erregers verbreitet ist, kam hingegen nur auf eine Wirksamkeit von 50,4 Prozent. Am 4. Mai hat die EMA ihre Bewertung gestartet.

CureVac: CVnCoV

Die Firma mit Sitz in Tübingen ist einer der Vorreiter der mRNA-Technologie und die zweite deutsche Firma, die einen Impfstoff dieser neuen Generation entwickelte. Anders als bei Tot- oder Vektorimpfstoffen wird hier nur die Information, die der Körper für die Erkennung des Covid-19 Erregers braucht, geimpft.

Am 30. Juli gab das Unternehmen das Ergebnis seiner Phase-3-Studie bekannt: 48 Prozent Schutz gegen eine Erkrankung. Anders als die Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna benutze das Tübinger Unternehmen unmodifizierte mRNA. Zur Zeit steht das Unternehmen im Austausch mit der EMA für die Fortsetzung des Zulassungsverfahrens.

Sanofi/GSK: VAT00002

Die französische Firma Sanofi und der britische Partner GlaxoSmithKline entwickelten den Protein-Untereinheiten-Impfstoff VAT00002. Impfstoffe dieser Art lösen mit Proteinteilen des Erregers eine Impfreaktion aus. Der französische Staat setzt große Hoffnung auf den hauseigenen Impfstoff und bestellte bereits vergangenen Sommer 45 Millionen Dosen.

Symbolbild Impfung
Das Unternehmen Sanofi stellte bereits den Influenza-Impfstoff Vaxigrip Tetra mit der Protein-Untereinheitstechnik her. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Phase-2-Studie des Impfstoffes verzögerte sich im Dezember 2020, da der Impfstoff nicht die gewünschte Immunreaktion bei über 50-Jährigen brachte. GSK und Sanofi sahen das Problem in einer zu geringen Antigenkonzentration in ihrem Impfstoff.

Novavax: NVX-CoV2373

Der Protein-Untereinheiten-Impfstoff NVX-CoV2373 von US-amerikanischen Unternehmen Novavax wurde mit Zusammenarbeit der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) entwickelt, einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen Regierungen, der WHO, der EU-Kommissionen und privaten Geldgebern.

Der Impfstoff unterscheidet sich von allen bisher zugelassenen und vorgestellten Präparaten. Das Spike-Protein des Covid-19-Erregers ist hier in einen virusähnlichen Partikel eingebettet. Anfang Februar begann die EMA mit ihrer Bewertung des Impfstoffes. In der Phase-3-Studie erreichte der Impfstoff einen Schutz von 100 Prozent gegen schwere und moderate Krankheitsverläufe. Insgesamt erreichte der Impfstoff laut Novavax eine Schutzwirkung von 93,2 Prozent gegen Corona-Varianten. Er kann bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

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