Leitartikel

Betrug am Fußball-Fan

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: AP Photo/Ronald Zak

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich ja fast schon amüsieren, denkt Nordschleswiger-Redakteur Peter Lassen und hat dabei die Entsendung der „alternativen" dänischen Fußballnationalmannschaft im Blick.

Selten hat ein Testspiel – auch Freundschaftspiel genannt – bei den dänischen Fußballanhängern so viel Interesse und so starke Emotionen erzeugt, wie die ehrenvolle 3:0-Niederlage gegen die Slowakei. Die dänische D-Mannschaft behauptete sich und schoss nur ein Eigentor.

Dafür gab es in den Rechte- und Honorarverhandlungen zwischen Spielergewerkschaft und dem dänischen Fußballverband DBU in den Wochen und Monaten davor jede Menge – ohne Gewinn(er).

Im Elite-Fußball geht es mittlerweile ja fast immer ums Geld, und da dürfen sich Starkicker und DBU-Bosse zumindest über die enorme Gratis-Reklame „freuen“, die das einst so gefeierte rot-weiße Dynamit in den internationalen Medien bekam. Die Entsendung des alternativen Teams um John Faxe Jensen konnte sogar im sogenannten Mutterland des Fußballs Schlagzeilen erzeugen.
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich ja fast schon amüsieren. Aber wenn man eine Nationalmannschaft entsendet, sollten auch die elf besten Spieler auf dem Rasen stehen.

Ob man nun in diesem Poker auf der Seite des DBU-Apparates steht oder auf der der Spieler-Millionäre und ihrer Gewerkschaft – die Angeschmierten in diesem Theater sind die Fans, die letztendlich und im wahrsten Sinne des Wortes die Zeche zahlen.

Egal, ob es noch gelingt, für das Nations-League-Spiel am Sonntag in Aarhus gegen Bale & Co. die beste Truppe zurückzuholen – der aktuelle Zustand muss Folgen haben. Da denkt man nicht nur an Auswechslungen hier wie dort, sondern an wirkliche Änderungen, die das Miteinander von Profi- und häufig amarteurhaft agierender Verbandswelt für die Zukunft regeln. Man kann mit vollem Recht fragen, wieso Millionäre wie Eriksen, Schmeichel oder Delaney überhaupt ein Honorar haben sollen, um für ihr Land zu spielen. Sie werden ja von ihren Arbeitgebern bezahlt. Und eine Berufung ins Nationalteam kommt auch den jeweiligen Klubs zugute.

Umgekehrt kann man sich fragen, wieso DBU die Professionellen Spieler in eigener Sache einsetzen soll – nur um für Carlsberg, Hummel oder Danske Spil zu werben? DBU soll nicht primär eine Geldmaschine betreiben, die frei über das Branding der Berufsspieler verfügen will. Es müsste an sich genug sein, dass Millionen die Spiele verfolgen. Das schon ist ein Kapital, dass DBU für den Breitensport nutzen kann.

Gerade diese Millionen fieberten Mittwochabend mit der D-Mannschaft, die für Dänemark spielte – und weniger für DBU oder die Stars. „Die beste Niederlage meines Lebens“, freut sich nach dem Spiel einer der wahrlich einmaligen neuen Nationalspieler. Aber es geht im Fußball ja auch ums Gewinnen, und daher sollten sich DBU-Apparat und Spielergewerkschaft schnellstens besinnen und Nägel mit Köpfen machen. Für DBU-Boss Jesper Møller geht es um Prinzipien. Er verhandelt nicht, so lange Fußball gespielt wird etc.
Es wird aber immer irgendwo auf der Welt gespielt – mit oder ohne Dänemark. Nach dem Hickhack um die Nationalmannschaft der Frauen sollte man endlich dafür sorgen, dass Rot-Weiß wieder sportlich Schlagzeilen macht.

Wie aktuell agiert wird – das demonstriert von beiden Seiten fehlenden Respekt vor Gegner, Zuschauer und auch vor den Sponsoren, die ja offenbar so spielentscheidend sind. Man hält/hielt eine Fußnallnation als Geisel.
Vielleicht hat Dänemark einen Platz auf der UEFA-Auswechselbank verdient, um sich zu besinnen und neu aufzustellen. Denn wenn man auch bei Spielen, wo es wirklich um etwas geht, nicht mit der stärksten Elf antritt, ist das wettbewerbsverzerrend und nicht nur Betrug am Fan…

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