Leitartikel

Hut ab

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Brandbekämpung in einem schwedischen Wald Foto: Johan Nilsson/TT/Scanpix

Cornelius von Tiedemann zieht den Hut vor den Menschen, die die vielen Feuer bekämpfen – kein einfacher Job, der nicht dadurch leichter wird, wenn man in der Heimat für seinen Einsatz noch angepöbelt wird.

Es ist schon eine außergewöhnliche Zeit, in der wir leben. Und ich spreche nicht von der politischen Weltlage, ich spreche vom Wetter. So einen dauerhaft heißen Sommer hat es schon lange nicht mehr gegeben, vielleicht noch nie – wir wissen ja nicht genau, wie es noch weitergeht. Viele leiden schwer unter der Hitze und dem andauernden Hochdruck – vor allem Senioren.

Und auch die Natur leidet. In Schweden brennen die Wälder und in Dänemark die Felder. Zum Glück ist es nicht so, wie in Griechenland, wo in dicht besiedelten Gebieten die Flammen wüteten und Menschenleben forderten. Doch auch in Skandinavien gibt es Opfer. Es verbrennen viele Tiere – und viele Werte. Wir sehen es mit Grauen und auch ein wenig Faszination im Fernsehen und im Netz und sind froh, dabei im Schatten zu sitzen.

Doch einige von uns sind da, sind dort, wo es brennt, und helfen. Hunderte Frauen und Männer dänischer, deutscher, polnischer, italienischer, französischer, norwegischer, österreichischer und sogar portugiesischer Feuerwehren retten in Schweden, was zu retten ist, kämpfen Seite an Seite gemeinsam gegen die Flammen. Und auch in Dänemark wird den Teams das Letzte abverlangt – und das in dieser Hitze.

Hut ab vor den Menschen, die diese wichtige Arbeit wählen und alles geben, um uns zu schützen. Und Hut ab vor allem vor jenen, die dem Zeitgeist trotzen und die sich in guter nordschleswigscher Tradition in den Freiwilligen Feuerwehren engagieren. Sie sind da, wenn es brennt, ganz egal, wann, wo, wieso, weshalb, warum – und bei wem.

Kürzlich haben wir an dieser Stelle die Initiative hervorgehoben, Jugendlichen aus Problemvierteln durch eine Grundausbildung bei der Feuerwehr Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn zu vermitteln. Und gerade dieser Tage wird deutlich, welch integrative Kraft darin liegt, sich als Retter in der Not zu engagieren.

Zu Hause werden wir bei Einsätzen bepöbelt, sagte ein Feuerwehrmann aus Niedersachsen neulich sinngemäß in der deutschen Presse – und hier in Schweden werden wir als Helden gefeiert. Ein Hochgefühl, das sich die Frauen und Männer verdient haben und das sie hoffentlich immer dann wieder motiviert, wenn sie sich im Arbeitsalltag zu Hause in Deutschland, Polen oder Dänemark nicht wertgeschätzt fühlen und sich fragen „warum tue ich mir das nur an?“.

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