Leitartikel

„Klimacontenance“

Klimacontenance

Klimacontenance

Apenrade/Aabenraa
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Die Klimadebatte läuft gelegentlich aus der Spur. Wenn sich schon Wissenschaftler untereinander nicht benehmen können, dann gehe das zu weit, meint Helge Möller. Wir sollten etwas gelassener sein, andere Meinungen zulassen und unsere kritisch hinterfragen.

Das hat gesessen: „Das ist ein pensionierter Professor im Herbst seiner Karriere, der als Experte in einem Fachgebiet auftritt, in dem er kein Experte ist.“ So lautet das Zitat Sebastian Mernilds in videnskab.dk. Mernild ist Direktor am Nansen Zentrum in Norwegen, in dem das Klima erforscht wird. Gerichtet ist der Ausspruch an den Geologen Jens Morten Hansen, pensionierter Meeresgeologe, ehemals am Nationalen Geologischen Amt (GEUS) beschäftigt.

Hansen hatte sich vor dem verbalen Tritt in die Magengrube kritisch zur menschengemachten Erwärmung geäußert. Im Sender Radio 24Syv sagte er, er glaube nicht, dass der menschliche Beitrag zum Klimawandel wesentlich sei. Er und sein Berufkollege Johannes Krüger, emeritierter Professor an der Universität von Kopenhagen, ebenso Geologe, widersprechen der gängigen Meinung, der Klimawandel sei menschengemacht.

Wahrscheinlich liegen die beiden Geologen falsch, doch ist es die Art und Weise, wie an ihnen Kritik geübt wird, die auffällt und das im negativen Sinn.

Zwei Geologen mit langjähriger Erfahrung wird komplett der Sachverstand abgesprochen und das auf eine unsachliche und unfaire Weise von einem Kollegen – ein Hinweis darauf, dass die Debatte um den Klimawandel und die globale Erwärmung zunehmend hitziger, kompromissloser und ungerechter geführt wird. Das ist sehr bedauerlich und beschädigt das Anliegen. Der Mensch muss erkennen, dass er das System Erde beeinflusst und muss so handeln, dass dieser Einfluss so gering wie möglich ausfällt.

Es wäre klüger und schöner gewesen, die Standpunkte der beiden fachlich zu widerlegen, was normalerweise auch Standard in der Wissenschaft ist. Tatsache ist, die CO2-Konzentration steigt mit jedem Jahr, das Gas ist ein Treibhausgas, und die gemessenen Temperaturen steigen.

Andererseits kann man Geologen, die mit spannenden Methoden die Klimageschichte der Vorzeit entschlüsseln , vielleicht auch ein Wort des Widerrufs und der Kritik an einem System, das sich immerfort selbst vergewissert, gönnen. Denn was Klimaschützer auch gern einmal übergehen: Es gibt Klimaschwankungen, ohne dass der Mensch dafür Verantwortung trägt. Das macht die Verantwortung der Menschheit nicht kleiner. Doch während immer wüster Kritik geübt wird, verkaufen sich schwere Autos besser denn je, mit denen die Kinder zur Schule gebracht werden, damit sie nicht mehr Fahrrad fahren müssen, und die Flugreise in den Urlaub ist so selbstverständlich wie nie. Wir sollten etwas gelassener sein, andere Meinungen zulassen und unsere kritisch hinterfragen. Wir haben es selbst in der Hand.

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