Leitartikel

„Lars locker Rasmussen“

Lars locker Rasmussen

Lars locker Rasmussen

Apenrade/Aabenraa
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Cornelius von Tiedemann thematisiert in seinem Leitartikel die – wie er meint – weit aufgerissene Wahlversprechen-Tür bei Regierungschef Lars Løkke Rasmussen.

Er war schon immer als geselliger Typ bekannt. Manch einem auch zu sehr. Im nüchternen Schweden, munkeln sie, hätte ein Politiker wie Lars Løkke Rasmussen, der nicht nur gerne mal ein Bierchen trinkt, sondern dazu auch noch öffentlich steht, schon längst abmustern müssen.

In Dänemark wird zwar hier und da gespöttelt, und immer wieder gab es in der Vergangenheit Schlagzeilen über zahlreiche Fälle, in denen Løkke Steuer- oder Parteigelder dafür ausgab oder ausgegeben haben soll, sich privat zu vergnügen oder zu versorgen – bei Essen, Konzerten oder Reisen. Doch so richtig unmöglich hat er sich dadurch und durch seine Art nie gemacht. Er ist eben einer wie wir, der Lars, und er kann ja auch sehr seriös, wenn's angebracht ist, denken viele.

In den vergangenen Jahren hat sich die Aufregung um derlei Fälle rund um Løkke etwas gelegt – mit Ausnahme eines umstrittenen Aufenthaltes im Hause eines Fischerei-Quotenkönigs. Vielleicht hat Løkke inzwischen gelernt, besser zwischen „mein und dein“ – beziehungsweise öffentlich und privat – zu trennen. Und vielleicht sind die wilden Løkke-Jahre auch einfach vorbei.

Eine ganz andere Frage ist es, ob die Løkke-Jahre insgesamt bald vorbei sind. Und da gibt es inzwischen aus Minderheitensicht durchaus Argumente dafür, nicht zu sehr darauf zu hoffen.

Die Minderheit habe zu beiden Parteien hervorragende Beziehungen, sagte BDN-Chef Hinrich Jürgensen am Mittwoch nach Treffen mit der sozialdemokratischen Spitzenkandidatin Mette Frederiksen und Lars Løkke Rasmussen in Nordschleswig. Von beiden Seiten gab es denn auch verbindliche und glaubwürdige Zusagen, nicht an der Unterstützung der Minderheit zu rütteln.

Die Wahlversprechen-Tür ist bei Løkke allerdings derzeit weit aufgerissen, wo sie bei der siegessicheren Frederiksen sachte angelehnt steht. Der Regierungschef, auf den für die nahende Folketingswahl kaum noch jemand eine Öre setzt, gab sich beim Treffen mit der Minderheit locker, nahbar und interessiert – natürlich auch an den Stimmen aus Nordschleswig und der Minderheit.

Vom Sozialdienst über die Schulen bis zum Sprachprojekt „Grenzgenial“ – Lars „locker“ Rasmussen machte Zusagen und stellte in Aussicht. Und das mit den permanenten Grenzkontrollen, das sei eigentlich, wenn es nach ihm geht, ein Schritt weg von den im Grenzland verschrienen Schlagbäumen – hin zu mehr Technik und grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Das klingt ja alles ganz herzallerliebst. Jetzt muss Løkke nur noch ganz locker die Wahl gewinnen ...

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