Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 27. Juni 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 27. Juni 2020

Das Wort zum Sonntag zum 27. Juni 2020

Pastorin Cornelia Simon
Cornelia Simon
Nordschleswig
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Foto: Adobe Stock

Das Wort zum Sonntag zum 27. Juni 2020 von Pastorin Cornelia Simon, Gravenstein.

Liebe Leserinnen uns Leser!

Die großen Ferien haben nun begonnen. Und natürlich wird in diesem Jahr vieles anders sein als sonst. Trotzdem sind die Ferien da, und wir dürfen in einem gewissen Rahmen sogar reisen. In diesen Tagen zeigt sich, wie unlogisch die Welt ist und wie ungerecht. Jetzt erfahren wir immer mehr, wie es den Einzelnen unter dem Corona-Lockdown ergangen ist. Von vielen von uns wurde verlangt, flexibel zu sein: im Denken und im Arbeiten. Schauen wir auf die letzten Monate zurück: Die Lehrerin z.B. wechselte von einer Woche auf die andere vom Regelunterricht ins Homeoffice, die Schüler gleich mit. Manche hatten viel zu viel Arbeit, andere wurden bei vollen Lohnbezügen nach Hause geschickt – ohne Homeoffice. Manche Unternehmen können und wollen großzügig sein zu ihren Mitarbeitenden. Andere nicht.

Die Welt ist ungerecht. Genau davon handelt die Geschichte vom verlorenen Sohn. Thema dieses Sonntags und irgendwie passend zum Ende des Schuljahres, zu allen, die ihren Abschluss gemacht haben, und nun in die weite Welt hinauswollen. Sie müssen sich noch ein wenig gedulden. Die nähere Welt ist schon offen, die weite Welt noch nicht. Aber auch das wird sicherlich wiederkommen.

In der Geschichte, „Vom verlorenen Sohn“, gibt ein großzügiger Vater seinem Sohn das Erbe. Der Sohn verschwendet das in der großen weiten Welt. Niedergeschlagen kehrt der Sohn heim, bittet um Vergebung, und der Vater ist außer sich vor Freude über das Wiedersehen. Es gibt ein rauschendes Fest. Der zweite Bruder aber wird neidisch und zornig… Und warum? Er war zu Hause geblieben, für ihn veranstaltet niemand ein Fest. Das ist ungerecht.

Wer von diesen Brüdern ist der verlorene Sohn? Jesus sagt von sich: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen das, was verloren ist.“. (Lk 19,10) In der Geschichte zeigt sich, dass wir einen Gott haben, der barmherzig ist. Einen Gott, der nach unserem Verständnis hochgradig ungerecht ist. Der Vater straft nicht. Nein, er feiert sogar noch ein Fest. Ob es dem anderen Sohn passt oder nicht. Nun droht, er verloren zu gehen.

Und sicherlich wird Gott auch zu demjenigen gehen, der abseits vom Fest vor Wut, Neid und Missgunst weint und dem eigenen Bruder das Glück nicht gönnen will. Gott wird auch ihm die Tränen trocknen. Von letzterem erzählt die Geschichte zwar nichts, aber das glaube ich, weil es für mich die Konsequenz aus der Geschichte von diesem großzügigen Gott ist.

Euch allen einen gesegneten Sommer hier in Nordschleswig und dort, wohin ihr verreist. Bleibt gesund und seid großzügig zueinander.

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