Apenrader Hafen

PTX: Nachhaltige Enstedt-Pläne werden konkret

PTX: Nachhaltige Enstedt-Pläne werden konkret

PTX: Nachhaltige Enstedt-Pläne werden konkret

Apenrade/Aabenraa
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Das Enstedter Gelände aus der Luft: Ein großer Teil davon ist für das Linde-Gas-Projekt vorgesehen. Foto: Kommune Apenrade

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180.000 Quadratmeter des Enstedter Hafengeländes hat „Linde Gas“ für die geplante Power-to-X-Anlage reserviert. Damit setzt das Unternehmen ein Zeichen, sagt der Hafendirektor. Viele Arbeitsplätze hängen mit dem nachhaltigen Projekt zusammen.

Vor nicht einmal einem Jahr hat das internationale Unternehmen „Linde Gas“ Pläne vorgestellt, bei denen das frühere Enstedtwerk und der angeschlossene Hafen eine große Rolle spielen. Dort soll Wasserstoff hergestellt werden, der für den umweltfreundlichen Antrieb von Schiffen und Fahrzeugen dienen soll: ein Nachhaltigkeitsprojekt erster Güte.

Am Donnerstag teilte Hafendirektor Henrik Thykjær mit, dass „Linde Gas“ die Pläne so weit verfolgt und ausgearbeitet hat, dass ein Teil des Enstedter Hafengeländes jetzt reserviert ist.

Der Apenrader Hafen

Der Apenrader Hafen ist ein moderner Wirtschaftshafen unter kommunaler Leitung. Er verfügt über 2 Kilometer Kaianlagen und eine Fläche von 500.000 Quadratmetern.

Mit einer Tiefe von 11 Metern und einer Zufahrtsrinne (die Apenrader Förde) mit einer Tiefe von 37 Metern ist es auch großen Schiffen erlaubt, dort anzulegen.

Drei mobile Schwerlastkräne sorgen für zügiges Be- und Entladen der Schiffe. Außerdem gibt es zwei Tankschiffbrücken, die das Be- und Entladen von Flüssigkeiten ermöglichen.

Der Hafen ist verkehrsgünstig nahe der Autobahn E45 gelegen.

Die Zeichnung zeigt, auf welchem Gebiet sich die PTX-Anlage von Linde ausbreiten soll. Foto: Aabenraa Havn

180.000 Quadratmeter (etwa 25 Fußballfelder) ist das von „Linde Gas“ reservierte Gelände groß und nimmt damit – zentral gelegen – mehr als die Hälfte des Gesamtgeländes ein.

Damit passt das Projekt hervorragend in die Pläne des Apenrader Hafens, der das Enstedtwerk kürzlich übernommen hatte. Es soll eine „grüne Oase“ entstehen, in der nachhaltig produziert und für eine nachhaltige Zukunft geforscht werden soll.

Unvorhersehbare Entwicklung

Der Hafenvorsitzende Erwin Andresen (Schleswigsche Partei, SP) kann die Entwicklung kaum fassen: „Wir stehen in einer vollkommen einzigartigen Situation, die wir 2015, als wir den Kauf des Enstedtwerkes überlegten, nicht voraussehen konnten. Damals reichte die Fantasie nicht weiter, als dass wir dort einen traditionellen Hafenbetrieb einrichten. Damals war Power-to-X noch kein Thema. Heute erfüllen wir mit dem Werksgelände alle Voraussetzungen, um dort ein Zentrum für umweltfreundliche Energieproduktion und Nachhaltigkeit errichten zu können. Apenrade ist jetzt auf dem Weg, ein ,grünes‘ Leuchtfeuer zu werden“, freut sich Andresen.

Power-to-X

Power-to-X bezeichnet verschiedene Technologien zur Speicherung bzw. anderweitigen Nutzung von Stromüberschüssen in Zeiten eines (zukünftigen) Überangebotes variabler erneuerbarer Energie wie Solarenergie, Windenergie und Wasserkraft. Ebenfalls üblich sind die Bezeichnungen P2X.

Power-to-X ermöglicht es, in Verbindung mit einer Methanisierung, Kohlenstoffdioxid aus Industrie-Prozessen zu binden. Nach der Umwandlung in Wasserstoff wird die Elektrolyse durch eine Methanisierung ergänzt. Der erzeugte Wasserstoff reagiert mit Kohlendioxid, das Ergebnis sind Erdgas und Wasser.

Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz ist ein Video zu sehen, das Power-to-X erklärt.

Für Ulrik Nielsen, Chef von Lindes „Clean Hydrogen“ in Dänemark, ist das Enstedtwerk perfekt für das Projekt. „Wir glauben an das Potenzial der PTX-Technologie und damit an die Zukunft der Anlage. Das Enstedtwerk hat einen der tiefsten Häfen an der ganzen Ostsee, und als früherer Stromlieferant gibt es dort Zugang zum Transmissionsnetz“, erklärt er.

Zudem sei der Export des Wasserstoffs in Richtung Deutschland mit der Anbindung an die Autobahn E45 gegeben, fügt er hinzu. „Und wir haben Zugang zu einer großen Menge technischen Wassers, einer Voraussetzung für die Produktion von Wasserstoff“, erklärt Nielsen.

Zur Information: Technisches Wasser ist Brauchwasser in der Industrie. Brauchwasser wird oft auch als Betriebswasser oder Nutzwasser bezeichnet. Brauchwasser ist also kein Trinkwasser, sondern Wasser, das technisch genutzt werden soll.

300 neue Arbeitsplätze

Mit der Anlage folgen Arbeitsplätze nach Apenrade. Bis zu 300 Menschen sollen in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf dem früheren Enstedtwerksgelände einen Job finden, wenn alle angebotenen Grundstücke vergeben sind, so die Berechnung des Apenrader Hafens.

Hafendirektor Henrik Thykjær ist zuversichtlich, bald neue Unternehmen auf dem Werksgelände begrüßen zu können. „Wir stehen mit verschiedenen Unternehmen im Dialog, die zu unserem ,grünen’ Profil passen, das wir anstreben“, so Thykjær, der die Entwicklung als unerwartet schnell bezeichnet und das als Zeichen dafür sieht, dass die Job-Ambitionen nicht unrealistisch sind, wie er sagt.

Enstedtwerk

1924 wurde der Apenrader Hafen erstmals industriell genutzt. Wegen der Tiefe der Förde konnten dort auch größere Schiffe Kohle anlanden, die im „Sønderjyllands Højspændingsværk“ für die Stromproduktion benutzt wurde. Ein Teilhaber des Werkes war die Kommune Apenrade.

Wegen der großen Umweltprobleme durch die Kohleverbrennung wurde das Werk nach Enstedt verlagert. Dort wurde deshalb 1958 das neue Kraftwerk gebaut, das im Laufe der Jahre erweitert wurde.

Im Jahr 2000 ging das Werk mit in die Aktiengesellschaft „Elsam“ ein, das heute zu „Dong Energy“ gehört.

Die Energieproduktion wurde 2013 eingestellt.

Der Apenrader Hafen kaufte das Enstedtwerk vom europäischen Energieunternehmen „Vattenfall“ und übernahm es offiziell zum 1. November 2021.

Fakten:

  • Das Enstedtwerk hat eine Größe von 350.000 Quadratmetern, die sich auf die Kaianlage mit einer Größe von 65.000 Quadratmetern und 285.000 Quadratmetern Hinterland verteilen.
  • Der Enstedter Hafen ist mit einer Tiefe von 18 Metern der tiefste Hafen in der Ostsee.
  • Durch die Fusion mit dem Enstedtwerk verfügt der Apenrader Hafen über eine Fläche von 750.000 Quadratmetern, das entspricht etwa 90 Fußballfeldern.
  • Der Apenrader Hafen ist im Besitz der Kommune Apenrade, ist jedoch wirtschaftlich und administrativ unabhängig.
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