Umwelt und Natur

Digitales Bürgertreffen zu künftiger Kiesförderung in Nordschleswig

Digitales Bürgertreffen zu Kiesförderung in Nordschleswig

Digitales Bürgertreffen zu Kiesförderung in Nordschleswig

Vejle/Apenrade
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Die Kiesgewinnung findet in Nordschleswig seit über 100 Jahren in großem Stil statt. Besonders die beim Abschmelzen der Gletscher der jüngsten Eiszeit vor über 10.000 Jahren auf einer Linie von Tingleff bis Woyens mächtigen Sanderschichten werden dazu abgraben. Foto: Region Syddanmark

Die Region Süddänemark lädt die Einwohnerschaft aus den Kommunen Apenrade, Hadersleben, Sonderburg und Tondern am 4. März zur Information und Diskussion über die künftige Rohstoffgewinnung ein. Ziel ist sparsamerer Umgang mit den nicht in unendlichem Umfang in der Erde ruhenden Schätzen.

In Nordschleswig hat es nie Kohlebergwerke gegeben, Eisenerz wurde in historischen Zeiten als Raseneisenerz vor allem aus Heideböden entnommen. Dennoch gehört in den zur Region Süddänemark zählenden Kommunen nördlich der deutsch-dänischen Grenze die Nutzung von Bodenschätzen seit Langem zum Wirtschaftsleben. Neben großen Kiesgruben liefern auch Tongruben heimische Bodenschätze. In früheren Jahrzehnten wurde auch Torf aus den einst riesigen Mooren abgebaut.

Beim Bau der Autobahn Klipleff-Sonderburg kamen im Bereich Seegaard (Søgård) mächtige Sandschichten zum Vorschein, die auch für den Bau des Verkehrsweges genutzt werden konnten. Foto: Volker Heesch

Zuständig für die Genehmigung der Förderung ist dafür seit der Kommunalreform 2007 die Region Süddänemark mit Sitz in Vejle.

Rohstoffe wie Kies werden knapp

Der Regionsrat will in diesem Jahr eine neue Rahmenplanung verabschieden, mit dem Ziel, dass in den kommenden Jahren sparsamer mit den vor allem auch aus internationaler Sicht knapper werdenden Rohstoffen umgegangen wird. Der neue Rohstoffplan, der eine Verkleinerung der Fördergebiete vorsieht, ist seit dem 1. Februar in der Anhörung.

Deshalb veranstaltet die Region Süddänemark in den kommenden zwei Wochen vier Bürgertreffen, bei denen Stellungnahmen vorgelegt werden können. Aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie können die Bürgertreffen allerdings nur in digitaler Form stattfinden.

Am 4. März Nordschleswig an der Reihe

Am Donnerstag, 4. März, in der Zeit von 19 bis 21 Uhr, haben die Bewohnerinnen und Bewohner der Kommunen Apenrade (Aabenraa), Hadersleben (Haderslev), Sonderburg (Sønderborg) und Tondern (Tønder) das Wort. Erforderlich ist ein Internetanschluss, der über die Adresse www.rsyd.dk/råstofmøde die Teilnahme per Livestream ermöglicht. Die Fragen und Stellungnahmen können per E-Mail eingereicht werden. Einleitend ergreift der Vorsitzende des Umweltausschusses des Regionsrates, Jørn Lehmann Petersen (Sozialdemokraten), das Wort.

Nun sind wir in der Anhörungsphase angelangt. Es ist wichtig, dass die Bürger in der Region und die betroffenen Interessengruppen Gelegenheit bekommen, Kommentare abzugeben und unseren Fachleuten und uns Politikern Fragen zu stellen.

Jørn Lehmann Petersen (Sozialdemokraten), Vorsitzender des Umweltausschusses im Regionsrat Süddänemark

Der frühere Bürgermeister der Kommune Broacker (Broager) kennt sich bestens mit der Bodenschatzthematik aus, liegen rund um seinen Heimatort doch wirtschaftlich bedeutende Ziegeleien, die auf Ton als Rohstoff angewiesen sind. Es gibt Infos per Video und eine Präsentation des neuen Rohstoffplans, bevor die Bürger digital „das Wort ergreifen“ können.

Anwohner von Kiesförderung betroffen

Für die Menschen im Umfeld der Fördergebiete von Kies, beispielsweise bei Tingleff (Tinglev) und Rothenkrug (Rødekro) ist die Planung neuer Fördergebiete besonders interessant, weil dazu landwirtschaftliche Flächen viele Jahre aus der Nutzung fallen, bis Kiesvorräte abgebaut sind und per Renaturierung wiederhergestellt sind.

Grundwasserspiegel verändert sich

Auch haben die Förderbereiche, in denen Schwimmbagger Kies aus großen Tiefen fördern, Folgen für die Grundwasserstände. Angrenzende Felder und Seen können durch Austrocknung Schaden nehmen, Bäche versiegen. Vielfach bleiben große Seen zurück, die inzwischen teilweise auch Freizeitangeboten dienen. Zu Rohstoffen, die nur per Genehmigung gefördert werden dürfen, zählt auch Kleiboden in den Marschen. Früher wurde er auch für Ziegelherstellung in Ziegeleien gebrannt, heute wird er vor allem im Deichbau benötigt.

Mehr Wiederverwertung nötig

Parallel zur künftig sparsameren Förderung wird die Nutzung von Wiederverwertungsmaterial, zum Beispiel zerkleinerter Beton, als Alternative zu Kies in der Bauwirtschaft oder beim Straßenbau gefördert. Die Region Süddänemark berichtet, dass auf ihrem Territorium jährlich zwischen fünf und sieben Millionen Kubikmeter Sand, Kies und Steine gefördert werden. Künftig sollen noch 828 Hektar Fläche in der Region zur Rohstoffgewinnung genutzt werden können. Dänemark hat sich auch im Rahmen von UN-Konventionen zum sparsamen Umgang mit Rohstoffen verpflichtet, weshalb die Region Süddänemark als zuständige Gebietskörperschaft Raubbau an Bodenschätzen zu unterbinden hat.

Im Bereich Uk (Uge) wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg Kies gegraben. Es gab einen Gleisanschluss zur Bahnstrecke Tingleff-Törsbüll, über den das Baumaterial beispielsweise zu Großbaustellen wie zur Errichtung der Kanalhochbrücken bei Rendsburg und Hochdonn befördert wurde. Foto: arkiv.dk

„Nun sind wir in der Anhörungsphase angelangt. Es ist wichtig, dass die Bürger in der Region und die betroffenen Interessengruppen Gelegenheit bekommen, Kommentare abzugeben und unseren Fachleuten und uns Politikern Fragen zu stellen“, so Jørn Lehmann Petersen. Für die nördlichen Festlandskommunen der Region findet das virtuelle Bürgertreffen am Dienstag, 24. Februar, von 16 bis 17.30 Uhr statt. Am Mittwoch von 19 bis 20.30 Uhr sind Fünen und die Inseln Langeland und Ærø an der Reihe. Am Mittwoch, 3. März, sind die Menschen aus den Kommunen Esbjerg, Fanø, Vejen und Varde zum Treffen aufgerufen. Die Anhörungsphase dauert bis zum 29. März.

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