Lebenstraum

Einmal um die ganze Welt

Einmal um die ganze Welt

Einmal um die ganze Welt

Apenrade/Aabenraa
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Jungskipper Peter Brydesen vor seinem Segelboot Paljas Foto: Paul Sehstedt

Peter Brydesen bastelt an einem Jugendtraum – an seinem Segelboot. Ab August kommenden Jahres geht es damit dann rund um den Globus.

„Ich habe mein ganzes Leben schon gesegelt, genau wie mein Vater“, erzählt Peter Brydesen und schiebt sich einen Priem in die Wange. „Und als ich während der Gymnasialzeit im Fernsehen von der Weltumseglung der Kløvedahlkinder hörte, wusste ich, dass ich auch selbst einmal um den Globus segeln wollte!“ Der 21-jährige Apenrader sitzt in der Kajüte seines am Yachthafen aufgebockten Segelbootes; um ihn herum ein Chaos aus Leitungen, Rohren, Werkzeug und Ersatzteilen. Noch rund 18 Monate hat er Zeit, um gemeinsam mit Freunden und Verwandten den Segler für die große Reise fit zu machen.

Schulfreund Steffen Mamsen Koch tauscht die alte Elektrik durch eine stromsparende LED-Installation aus. Foto: Paul Sehstedt

„Um das Projekt finanzieren zu können, habe ich gleich nach dem Abitur angefangen zu arbeiten: erst ein halbes Jahr an der Förderschule Fjordskolen und seitdem beim Belüftungshersteller Øland“, sagt der Weltumsegler in spe.

„Das Boot fanden wir ganz unten an der Grenze zwischen Holland und Belgien. Nach zwei Besichtigungen kauften wir die ,Paljas’ und segelten sie im Laufe von zehn Tagen nach Apenrade.“

260.000 Kronen zahlte Peter für sein Traumschiff; ein bei der Dehler Bootswerft in Deutschland gebauter Einmaster mit 38 Fuß (12 Meter) Länge. „Ein solides Boot aus dem Jahr 1988.“ Vieles muss erneuert werden, bevor Peter mit seiner Crew in See stechen kann. Neben seiner Freundin Luna Thude und ihm haben Freunde und Bekannte sich gemeldet, um auf Teilstrecken mitzusegeln. Dafür nimmt Peter zwischen 150 und 200 Kronen pro Tag; Einnahmen, die zur Durchführung der Weltumsegelung nötig sind.

„Wir werden fünf bis sechs Personen an Bord sein“, erläutert der junge Skipper. Um den Platz besser ausnutzen zu können, wurde die eine Toilette herausgerissen – ohnehin wird die persönliche Körperpflege mit Seewasser an Deck vorgenommen.

Die vorläufige Route geht entlang der europäischen Westküste und hinüber zu den Kanarischen Inseln. Unterwegs sind natürlich Landgänge eingeplant; ein Rekordversuch, die Erde so schnell wie möglich zu umrunden, ist nicht das Ziel. Drei Jahre sind für die Reise veranschlagt. Der Atlantik soll mit Ausnutzung des Passatwindes gekreuzt werden, und irgendwann wird der Panamakanal die Abenteurer in den Stillen Ozean führen.

„Bis dahin haben wir alles geplant“, setzt Peter fort, „und was danach kommt, sehen wir dann.“

„Wir müssen viel Proviant und Wasser an Bord haben, um die langen Törns problemlos bewältigen zu können. Der Wassertank fasst 350 Liter; den Rest müssen wir in Kanistern dabeihaben. Pro Person im Durchschnitt zehn Liter pro Tag, und quer über den Atlantik vergehen schnell drei Wochen“, hat der 21-Jährige berechnet.

Ein Koffer voller Werkzeug gehört dazu, wenn ein 31 Jahres altes Segelboot für eine Weltumsegelung fit gemacht werden soll. Peter Brydesen bereitet sich auf alle Eventualitäten vor. Foto: Paul Sehstedt

Mitten in der Kajüte steht ein grüner Dreizylinder Volvo Penta Dieselmotor. Obwohl der nur knappe 4.000 Stunden gearbeitet hat, muss er gründlich inspiziert und müssen Ersatzteile angeschafft werden. Der Diesel wird unter einem Motorkasten verborgen sein, der gleichzeitig als Esstisch benutzt wird. Die Liste der nötigen Ausrüstung ist lang: Beiboot, Rettungsinsel, Satellitentelefon.

„Ganz wichtig ist, dass wir unterwegs alle Reparaturen selbst vornehmen können und daher auch wissen, wie die einzelnen Teile und Einbauten funktionieren“, sagt Peter. „Zum Beispiel wird die ganze elektrische Installation auf LED umgerüstet, um die zwei Bootsbatterien nicht zu überlasten. Das alte System zapfte die Akkus innerhalb einer Nacht leer, jetzt vergeht etwa eine Woche. Solarmodule sollen zur Aufladung dienen.“ An die Takelage wagt er sich jedoch nicht selbst heran. Das überlässt er den Fachleuten von PS Rigging aus Enstedt.

Der Kontakt zur Heimat wird über ein Satellitentelefon aufrechterhalten werden. Die Nutzungsgebühren sind schwindelerregend. „Wir können aber nicht ohne eine Satellitenverbindung segeln, denn wir brauchen ständig die Wetterberichte“, meint Brydesen. „Den Kontakt zu unseren Verwandten und Freunden werden wir auf das Nötigste beschränken müssen. Wenn wir aber an Land sind, können wir die dortigen Mobilfunknetze benutzen.“

Peter Brydesen hat solide Navigationserfahrungen und auch die nötigen maritimen Zeugnisse der dänischen Seefahrtsverwaltung in der Tasche. Ob er Angst vor Monsterwellen hat? Nein, er werde den Wetterbericht ständig verfolgen und sich danach richten, lautet die Antwort.

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