Tierschau 2019

Klimadebatte klagt die Landwirtschaft an

Klimadebatte klagt die Landwirtschaft an

Klimadebatte klagt die Landwirtschaft an

Apenrade/Aabenraa
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Jørgen Popp Petersen steht am Mikrofon. Er begrüßt die Gäste der Tierschau. Im Hintergrund steht Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen, der anschließend die offizielle Begrüßung vornimmt.
Tierschauvorsitzender Jørgen Popp Petersen (l.) begrüßte geladene Gäste und Besucher, bevor er Bürgermeister Thomas Andresen (2. v. l.) die offizielle Eröffnung überließ. Foto: Paul Sehstedt

Der Tierschauvorsitzende Jørgen Popp Petersen hält die massive Kritik an der Landwirtschaft für ein Problem. In eine ähnliche Kerbe schlug der Vorsitzende des Branchenverbandes Landwirtschaft und Nahrungsmittel. Martin Merrild forderte in seiner Ansprache globales Denken.

„Die Klimadebatte klagt die Landwirtschaft an, weil die Umweltbelastung angeblich zu hoch ist und der Fleischverbrauch reduziert werden soll. Laut Umweltministerium verschwendet Dänemark jährlich 700.000 Tonnen an Lebensmitteln, und die Gesellschaft sollte erst dieses Problem lösen, bevor sie mit Fingern auf andere zeigt“, mahnte Jørgen Popp Petersen, Vorsitzender der nordschleswigschen Tierschau in seiner Festansprache bei dem traditionellen Tierschaufrokost im Lebensmittelzelt.

Aggressive Tendenzen in den Diskussionen allgegenwärtig

„Einige Debatten entwickeln leider fanatische und aggressive Tendenzen. Dieses Phänomen hat sich schon seit Langem in die Einwandererdebatte eingeschlichen und weitet sich nun auch auf den Lebensmittel- und Landwirtschaftsbereich aus“, bemerkte Popp Petersen.

„Kleinere Gruppen von Veganern und Tierschützern tolerieren nicht, dass andere eine von ihnen abweichende Meinung vertreten. Dies hat leider dazu geführt, dass immer mehr Landwirte nicht länger an den Aktionen wie ,Åbent Landbrug‘ teilnehmen aus Angst, in den Dreck oder in eine negative Berichterstattung gezogen zu werden. Dies ist ein echtes Problem“, so der Tierschauvorsitzende.

Kleiner Kommentar

Die Landwirtschaft führt gern ein grünes Banner und zeigt sich naturverbunden. Das Lebensmittelzelt der Tierschau war mit Girlanden geschmückt, auf denen das dänische Biosiegel, das rote „Ø“, gedruckt war. Die Stimmung unter den Gästen war munter, nur fielen zwei Dinge negativ auf: Das angerichtete Essen wurde auf Einwegplastiktellern serviert, und der Schnaps wurde in Plastikgläsern ausgeschenkt. Das ist sicherlich beim Abräumen viel schneller in den Müll zu werfen, aber das hinterlässt eben eine negative Momentaufnahme, die der Tierschauvorstand im nächsten Jahr berücksichtigen sollte, um den Gastwirt in eine plastikfreie Richtung zu lotsen. PauSe

Genügend Wasser vorhanden

Die 60. nordschleswigsche Gemeinschaftstierschau seit 1937 war kurz zuvor offiziell durch Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) eröffnet worden. Er beruhigte die Landwirte, die eine Grundwassergewinnungsgenehmigung besitzen oder beantragt haben, dass genügend Wasser vorhanden sei.

„Inhaber alter Genehmigungen können weiterhin mit dem Bewässern fortsetzen“, sagte Andresen. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten als Grundbesitzer, wenn die Planung „Grüne Energie“ (Grøn energi) verwirklicht werden soll.

„Die Kommune respektiert den Grundbucheintrag, und durch Flurbereinigungen werden wir uns sicher einig werden“, versicherte er.

Zum Thema Wildschweinzaun bemerkte das Stadtoberhaupt, dass er diesen als eine Abwehrmaßnahme zur Sicherung von Schweinefleischexport akzeptiere.

Martin Merrild, Vorsitzender des Branchenverbandes Landwirtschaft und Nahrungsmittel, hält die Festansprache der Tierschau in Apenrade.
Martin Merrild, Vorsitzender des Branchenverbandes Landwirtschaft und Nahrungsmittel, mahnte in seiner Rede, dass der tägliche Zuwachs der Weltbevölkerung globales Denken von der dänischen Landwirtschaft abverlangt. Foto: Paul Sehstedt

Dänische Landwirtschaft muss global denken

Martin Merrild, Vorsitzender des Branchenverbandes Landwirtschaft und Nahrungsmittel (Landbrug og Fødevarer), hob in seiner Rede hervor, dass die Weltbevölkerung täglich um 117.000 Menschen anwächst und dass die dänische Landwirtschaft global denken muss, um ihren Teil der Lebensmittellieferungen zu sichern.

„Wir haben die Voraussetzungen, um diese Aufgabe zu lösen“, sagte Merrild. „Wir müssen aber auch daran denken, dass rund 1,5 Milliarden Menschen gezwungen als Vegetarier leben, und wenn diese einen höheren Wohlstand erlangen, werden sie auch andere Lebensmittel verlangen. Daher muss der Verringerung von Landwirtschaftsfläche global entgegengewirkt werden.“

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