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„Mit Stipprutenangeln sollte jeder anfangen“

„Mit Stipprutenangeln sollte jeder anfangen“

„Mit Stipprutenangeln sollte jeder anfangen“

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin - Apenrade
Apenrade/Aabenraa
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Per Olesen (2. v. r.) ist zeigt den Kindern wie man mit der Stipprute umgeht. Foto: Paul Sehstedt

Per Olesen ist dreieinhalb Stunden mit dem Auto gefahren, um Kindern aus Apenrade die Faszination des Friedfischangelns zu vermitteln. Seit 32 Jahren ist er Vorsitzender des Stipprutenanglervereins „Medeklubben Skallen“.

Per Olesen ist der Überzeugung, dass alle Menschen angeln sollten. Es sei gut für die Seele und manchmal bringt es auch etwas Essbares auf den Teller. Das richtige Angeln will gelernt sein und nach Ansicht Olesens kann man das am besten mit einer Stipprute.

Es handelt sich dabei im Prinzip nur um eine Angelrute an deren Spitze eine Nylonschnüre befestigt ist. Am Ende dieser Angelschnüre befindet sich ein kleiner Haken, darüber ein paar Schrotbleie und eine kleine Pose (wer sie als „Schwimmer“ bezeichnet outet sich gleich als Laie).

Olesen ist eigens dreieinhalb Stunden mit dem Auto nach Apenrade gefahren, um Kindern aus Nordschleswig die Faszination des Stipprutenangelns zu vermitteln.

Rikke Sand hilft ihrem Sohn Lau dabei, ein Rotauge möglichst sanft vom Haken zu nehmen. Foto: Paul Sehstedt

Der Stipprutenanglerverein „Skallen"

Er ist sogar Vorsitzender eines Stipprutenanglervereins. „Medeklubben Skallen“ heißt dieser Verein, den er selbst vor 32 Jahren gegründet hat. Ziel des Vereins ist es, Kindern das Stipprutenangeln beizubringen.

Per Olesen selbst nutzt seinen ganzen Jahresurlaub für dieses „Hobby“. Es ist bei Olesen wohl schon mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Es ist fast eine Berufung. 80.000 Kronen hat er es sich allein im vergangenen Jahr kosten lassen, um mit anderer Leute Kinder zu angeln.

Put and Take ist kein richtiges Angeln

„Mit Stipprutenangeln sollte meiner Meinung nach jeder anfangen. Heutzutage lernen die Kinder selten angeln und wenn sie überhaupt eine Angelrute in die Hand bekommen, nimmt man sie mit an einen Put-and-Take-See mitgenommen“, sagt Olesen. Das ist für ihn kein richtiges Angeln.

Das Molenangeln hat er als Kind in seiner nordjütischen Heimat gelernt. „Das Interesse fürs Stipprutenangeln ist erst später bei einem Englandaufenthalt gekommen“, erzählt er.

Außer Rotaugen kann man mit der Stipprute unter anderem nach Karauschen, Karpfen, Schleien, Flussbarsche und Alande angeln. In dem kleinen See unweit der Naturschule Skovlyst im Aaruper Wald wimmelt es offensichtlich von Rotaugen.

Rie ist noch sieben Jahre alt. In wenigen Wochen wird sie acht. Sie ist nicht nur begeisterte Pfadfinderin, sondern jetzt auch sehr erfolgreiche Stipprutenanglerin. Foto: Paul Sehstedt

Rie ist eine wahre Meisterin

Rie, die fast achtjährige Tochter von Rikke Sand, die Per Olesen für das Sommerferienangebot nach Apenrade gelockt hat, holt zumindest binnen weniger Minuten ein Rotauge nach dem anderen aus dem See.

Anfangs benötigt Rie Hilfe, um den Fisch vom Haken zu lösen. Später kann sie das selbst, ohne den Fisch zu verletzen. Übrigens: Alle geangelten Fische werden wieder vorsichtig in das Wasser zurückgesetzt.

Bei Ries Schwester Thea dauert es eine Weile, bis auch ihr das Anglerglück hold ist, doch dann zieht auch sie regelmäßig ein Rotauge aus dem Gewässer.

Der mittlere Bruder der beiden Mädchen, Lau, hatte zunächst keine Lust aufs Angeln. Er erklärte sich stattdessen bereit, auf dem Parkplatz zu warten, um den Teilnehmern den Weg zu dem etwas versteckten See zu zeigen. Er macht seine Sache sehr gut. Immer mehr Kinder versammelten sich um den See.

Thea, die ältere Schwester von Rie, musste mehr Geduld aufbringen, bis sie das erste zappelnde Rotauge am Haken hatte. Foto: Paul Sehstedt

Mutter Rikke organisiert Outdoor-Veranstaltungen

Rikke Sand, die mit ihrer Familie in Gjenner lebt, arbeitet mit reduzierter Stundenzahl an der Fjordskole. Darüber hinaus hat sie sich als Outdoor-Veranstalterin selbstständig gemacht. „Sand Natur“ heißt ihre Firma.

Sie ist selbst Pfadfinderin gewesen, hat deshalb Trekkingtouren verschiedener Schwierigkeitsgrade im Angebot, schnürt aber auch Naturerlebnispakete für die ganze Familie zusammen. Kajakfahren und Stand-Up-Paddling gehört neuerdings auch zu ihrem Angebot.

Den Stipprutenangler Per hat sie bei einem Outdoor-Weihnachtslager kennengelernt und erfuhr dort von der Existenz des Stipprutenanglervereins.

Anglerlatein oder Wahrheit?

Wie viele Kinder er in den mehr als drei Jahrzehnten das Stipprutenangeln beigebracht hat, weiß er nicht aus dem Stegreif. „Im vergangenen Jahr waren es 1.380 Kinder“, sagt er. Ob das aber Anglerlatein war, ist nicht zu wissen.

Per Olesen ist ein sehr ruhiger Nordjüte mit einem Schalk im Nacken. Auf die Frage, ob ihn Stipprutenangeln so ruhig gemacht hat oder ob er schon vorher so ruhig war und deshalb auf das Angeln gekommen ist, denkt er erst ein wenig nach. Dann sagt er: „Die Natur lässt Menschen zur Ruhe kommen. Ich habe in meinen Kursen schon viele unruhige Kinder gehabt, die nach einer Weile runterkommen.“ Das deckt sich auch mit Rikke Sands Erfahrungen.

Das ist nicht jedermanns Sache, aber Friedfische wie Rotaugen lieben Fliegenmaden – besonders die roten. Foto: Paul Sehstedt

(K)Ein Ekel vor Maden

Das Entsetzen in den Augen des elfjährigen, Verzeihung, elfeinhalbjährigen Matthias ist unübersehbar, als sie ihm die grüne Dose mit den Maden hinhält: „Von denen ziehst du jetzt einen oder zwei auf den Haken. Und zwar quer durchs flache Ende, so dass das untere noch ein wenig baumelt.“

„Maden rühr‘ ich nicht an! Regenwürmer, ja, aber keine Maden. Auf keinen Fall“, sagt der Elfjährige. Vater Kim Tagesen aus Rothenkrug, selbst leidenschaftlicher Angler legt sich demonstrativ ein paar Maden auf die Handfläche: „Die sind ganz trocken. Das ist überhaupt nicht unangenehm.“ Trotz der pädagogischen Vorgehensweise bleibt Matthias bei seinem Nein. Der Vater zieht zwei rote Maden auf den Angelhaken.

In Olesens grüner Plastikbox befinden sich rote und weiße Fliegenmaden. „Rotaugen bevorzugen die roten Maden“, behauptet er zumindest. „Ihre Farbe stammt von dem rot eingefärbten Fleisch, mit dem sie gefüttert werden“, fügt er hinzu. Ob das auch der Wahrheit entspricht, haben wir nicht nachgeprüft, aber außer Rie, Thea und Matthias holen auch die anderen Kinder ein Rotauge nach dem anderen aus dem Teich. Irgendetwas wird also dran sein an den roten Maden.

Kim Tagesen versucht seinem Sohn Matthias den Ekel vor den Maden zu nehmen, indem er sie in die Hand nimmt – vergebens! Foto: Paul Sehstedt
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