Heimhilfe

„Die Älteren fallen aus dem System”

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Nordschleswig
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Im Jahr 2017 erhielten 73.000 ältere Menschen nicht die Hilfe zu Hause, die sie benötigen. Foto: Casper Christoffersen/Ritzau Scanpix

Die Menschen werden älter – und gebrechlicher. Das stellt die Kommunen vor Herausforderungen. In Würde altern? Das könnte in Zukunft schwieriger werden.

Ältere, gebrechliche Menschen sind in Dänemark immer mehr auf sich gestellt. Denn immer weniger bekommen von der Kommune eine Haushaltshilfe zugestanden. Dies geht aus einem Bericht des nationalen Forschungs- und Analysezentrums für Wohlfahrt (VIVE) hervor.

Für Gösta Toft, SP-Politiker und Vorsitzender des Sozialdienstes für Nordschleswig, sieht die Sache so aus: „Der Service wird zusammengestrichen, die Älteren fallen aus dem System.” Wenn einmal innerhalb eines Zeitraumes von fünf Wochen eine Haushaltshilfe komme und sauber mache, wovon er gehört habe, oder ein Älterer nur einmal die Woche duschen könne, dann habe dies nichts mit dem Begriff „in Würde altern” zu tun. Seiner Ansicht nach besteht Handlungsbedarf.

Hadersleben: „Heute sind es die 80-Jährigen“

Holger Mikkelsen ist Venstre-Politiker und Vorsitzender des Erwachsenenausschusses der Kommune Hadersleben; sein Ausschuss kümmert sich um die Belange älterer Menschen. Er sieht das Serviceniveau seit sechs, sieben Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau. Sorgen macht er sich trotzdem. „Früher waren es die über 65-Jährigen, um die man sich kümmern musste. Das ist heute nicht mehr so. Heute sind es die 80-Jährigen, die Hilfe benötigen, und wir wissen, dass es in den kommenden Jahren mehr werden”, so Mikkelsen.

Er kommt zu dem Schluss: „Wir müssen das Geld finden und bereitstellen, um mehr Menschen zu pflegen.” Aber das ist seiner Meinung nach nicht alles. Noch mehr sorgt er sich um die Antwort auf die Frage, wo die Arbeitskräfte herkommen sollen. „Viele Hände müssten hinzukommen”, sagt er, und zwar ausgebildete Hände. Und die seien, so Mikkelsen, schwer zu bekommen.

Sonderburg: Es geht nicht nur ums Geld

Kirsten Bachmann, SP-Politikerin der Kommune Sonderburg und dort Mitglied im Gesundheitsausschuss, regt dazu eine Debatte an. Es gehe nicht nur um das Geld, sondern darum, Fachkräfte zu finden. Hinzu komme, so Bachmann, die geplante Gesundheitsreform mit mehr Aufgaben im Gesundheitsbereich für die Kommunen.

Bjarne Hastrup, Chef der Interessenorganisation Ældre Sagen, fordert, die Verantwortung aus den Händen der Kommunen in die der Ärzte zu übertragen. Die sollen im Auftrag des Staates entscheiden, wer eine Haushaltshilfe erhält – und wer nicht.

Für Gösta Toft ist das nicht der richtige Ansatz. Seiner Meinung nach sollte die Verantwortung bei den Kommunen liegen, nur müssten die politischen Rahmenbedingungen stimmen. „Eine Tendenz zu sparen ist immer da, ob nun seitens des Staates oder der Kommune.”

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