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Brückenkonkurrenz: Kattegat-Projekt könnte Alsen-Fünen-Verbindung bedrohen

Brückenkonkurrenz: Alsen-Fünen-Verbindung bedroht

Brückenkonkurrenz: Alsen-Fünen-Verbindung bedroht

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Kopenhagen/Nordschleswig
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Eine Kattegat-Verbindung könnte auch Folgen für die Alsen-Fünen-Brücke bringen. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Die feste Kattegatquerung ist wieder im Spiel. Diese könnte nicht nur Folgen für die Insel Samsø haben, sondern auch in Nordschleswig einem anderen Projekt die Show stehlen.

Eine neue Brücke über das Kattegat, mit dazugehöriger Autobahn auf der Insel Samsø, ziert wieder die Überschriften in der dänischen Medienlandschaft. Auf Samsø haben sich derweil Gegner einer festen Kattegat-Verbindung zu Gruppen gebildet, die zusammen gegen ein solch großes Infrastrukturprojekt kämpfen wollen. Am Sonnabend wurde auch schon der Verein „Stop Motorvej over Samsø“ mit einem siebenköpfigen Vorstand gegründet.

„Eine Brücke wäre positiv für unsere Wirtschaft hier auf Samsø. Aber unser Tourismusgewerbe würde darunter leiden und es würde anders werden hier zu wohnen“, erklärte der Inselbürgermeister, Marcel Meijer (Sozialdemokraten), im vergangenen September gegenüber dem Nachrichtensender TV2 Østjylland. Auf der Insel gebe es eine Gemeinschaft, in der sich die Bürger umeinander kümmern. „Bei vielen Pendlern würde die Insel diese Eigenschaft verlieren“, so der Bürgermeister. Die negativen Folgen der Verbindung würden die positiven Effekte überwiegen, so der Bürgermeister.

Doch auch für Nordschleswig und die gesamte Region Süddänemark kann eine Kattegat-Brücke schwerwiegende Folgen haben. Diese könnte die Aufmerksamkeit von der Alsen-Fünen-Brücke fortziehen, schätzt Mogens Fosgerau, Professor und Verkehrsforscher der Uni Kopenhagen, gegenüber dem „Nordschleswiger“.

„Selbstverständlich kann der politische Fokus nun auf eine Kattegatverbindung gerichtet sein. Und das kann auch Folgen für die Alsen-Fünen-Brücke haben“, so Fosgerau. „Sollte eine mögliche Kattegat-Brücke mit Gleisen für den Zugverkehr versehen werden, führt dies zu erheblichen Mehrkosten. Ich glaube nicht, dass der Staat sich ein weiteres Milliardenprojekt leisten kann – und das trotz Kostenübernahme durch die Nutzer, wie auf der Kattegat-Brücke angedacht“, unterstreicht er.

Realistisches Projekt

Das Infrastrukturprojekt über das Kattegat ist ihm zufolge realistisch. „Es wurden gesellschaftsökonomische Berechnungen durchgeführt, die einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zweck belegen“, so der Forscher.

Beim Verein der Alsen-Fünen-Brücke, will der Vereinsvorsitzende, Mogens Kærby Nielsen, sich nicht zur Politik bezüglich der Kattegat-Verbindung äußern. Er ist aber fest davon überzeugt, dass die Alsen-Fünen-Brücke eine Realität wird.

„Ich hoffe, dass wir bald eine Voruntersuchung durchführen können, damit wir einen Eindruck davon bekommen, wie die Ost-West-Verbindung in Zukunft aussehen können“, so Nielsen. Ihm zufolge gibt es schon eine politische Mehrheit für eine Voruntersuchung.

Als die ehemalige Regierung die Idee einer Kattegat-Brücke im Folketing präsentierte, stieß sie seinerzeit damit auf überwiegend positive Resonanz. Die neue sozialdemokratische Regierung hat sich nun dazu entschlossen, die Voruntersuchungen der Amtsvorgänger fortzuführen.

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