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Europa für Süddänemark

Europa für Süddänemark

Europa für Süddänemark

Dänemark/Nordschleswig
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Foto: DPA

In einem knappen Monat können EU-Bürger ihre Kandidaten für das Parlament in Brüssel wählen. „Der Nordschleswiger" hat einige süddänische Kandidaten gefragt, wo sie ihre Schwerpunkte setzen wollen, sollten sie gewählt werden.

Aus Süddänemark treten neun Kandidaten an, um am 26. Mai von den dänischen Bürgern ins EU-Parlament gewählt zu werden. Wir haben einige von ihnen gefragt, was sie an Themen aus der Region mit nach Brüssel nehmen wollen – und was sie aus Brüssel für die Menschen vor Ort tun wollen.

Landwirt Asger Christensen aus Kolding steht auf Platz 3 der landesweiten Venstre-Kandidatenliste. Weshalb ist die EU-Politik für Süddänemark relevant? „Wir müssen gut auf unseren inneren Markt aufpassen. Die freie Beweglichkeit von Arbeitnehmern und Waren ist eine große Erfolgsgeschichte der EU“, so Christensen.

„Ich will, dass wir uns hinsetzen
und von vorne anfangen und uns fragen: Wie soll eine sinnvolle und verantwortungsvolle Landwirtschaft für alle aussehen?

Asger Christensen, Venstre-Kandidat

Als weitere Themen nennt er eine bessere Sicherung der EU-Außengrenzen – „das hat absolute Priorität“ – und einen gerechten, für alle gleich gestalteten Wettbewerb innerhalb der europäischen Landwirtschaft. „Auch im Klimaschutz müssen wir Europäer gleichauf sein, sodass alle dieselben Bedingungen haben.“

Was will er für Süddänemark in der EU-Politik bewegen? „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie kompliziert das Regelwerk für Landwirte und in der Transportbranche derzeit ist. Es gibt für mich als Landwirt 142 verschiedene Termine, die ich im Laufe eines Jahres beachten muss, und ich muss ein Heer an Ratgebern und Juristen um mich haben, damit ich keine Fehler mache. Ich will mich dafür einsetzen, dass wir alles auf null stellen und uns hinsetzen und von vorne anfangen und uns fragen: Wie soll eine sinnvolle und verantwortungsvolle Landwirtschaft für alle in der EU aussehen?“

Außerdem will er als Süddäne in Brüssel auf die „fantastische und beispielhafte Zusammenarbeit der Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland“ hinweisen.

Wir wollen ein Gegengewicht zu den liberalen Kräften in der EU sein.

Peter Kofod Poulsen, Kandidat der Dänischen Volkspartei (DF)

„So vielen Minderheiten in der EU geht es schlecht – wir können mit unserem Modell europaweit ein Vorbild sein. Dafür möchte ich werben.“ Peter Kofod Poulsen geht für die Dänische Volkspartei (DF) als Spitzenkandidat ins Rennen. Er sieht die EU als nützlich an, wenn es um Klima-, Umwelt- und Energiepolitik geht. „In diesen Bereichen ist eine gemeinsame europäische Zusammenarbeit sinnvoll“, so Poulsen. Aber: Er und seine Partei, die Dänische Volkspartei, wollen den Einfluss der EU zurückdrängen. „Wir wollen ein Gegengewicht zu den liberalen Kräften in der EU sein“, sagt Poulsen. DF hält an den Grenzkontrollen fest. Es gebe Dinge, die ein Nationalstaat allein besser löse, so Poulsen.

Wir brauchen eine größere Nähe zum Bürger.

Karin Rohr Genz, Kandidatin der Alternativen

Karin Rohr Genz will für die Alternativen ins Europaparlament. Ihrer Beobachtung nach mangelt es in Dänemark an Kenntnis über die EU-Politik. Sie will sich dafür einsetzen, dass die Menschen zu Hause in Dänemark mehr in die Entscheidungsprozesse, die in Brüssel stattfinden, eingebunden werden. „Es gibt einen zu großen Abstand, wir brauchen eine größere Nähe zum Bürger“, sagt sie. Dies sei schade, denn die EU habe den Menschen in Europa viel Gutes gebracht, und auch das deutsch-dänische Grenzgebiet habe von der Union profitiert. Doch EU-Gesetze würden in Dänemark erst diskutiert, wenn sie beschlossen seien. Dabei sei eine Diskussion vorher wichtig, bevor eine Entscheidung in ein Gesetz mündet.

Das Volk soll bestimmen.

Niels Jørgen Bæk Paulsen, Kandidat der Volksbewegung gegen die EU

Niels Jørgen Bæk Paulsen aus Nordschleswig hat sich der Volksbewegung gegen die EU angeschlossen (Folkebevægelsen mod EU), die einen Austritt Dänemarks aus der EU anstrebt. Er stimmt zu, es könne widersprüchlich erscheinen, in einem Parlament einer Institution zu sitzen, deren Abschaffung man anstrebe, doch wolle er sich dort dafür einsetzen, dass die Dänen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. „Das Volk soll bestimmen", so Paulsen. Die EU greife mit zu vielen Regeln in das Leben der Dänen ein, so sein Vorwurf, gleichwohl wolle er sich für eine gute Zusammenarbeit über die Grenzen Dänemarks einsetzen, nur ohne EU.

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