Dansk-tysk med Matlok

Der große H. P. Hanssen und sein (glücklicher) Irrtum

Der große H. P. Hanssen und sein (glücklicher) Irrtum

Der große H. P. Hanssen und sein (glücklicher) Irrtum

DN
Apenrade/Aabenraa
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Hans Schultz Hansen und Matlok vor dem Monument von H. P. Hanssen beim Folkehjem Foto: DK4

Siegfried Matlok spricht im DK4-Interview mit dem Historiker Hans Schultz Hansen über einen der größten dänischen Politiker.

Der nordschleswigsche Historiker und H.P. Hanssen-Biograph Hans Schultz Hansen hat in einem Fernsehinterview auf DK4 das Lebenswerk des grossen Dänenführers aus Apenrade gewürdigt und H. P. Hanssen als einen Politiker bezeichnet, der im vorigen Jahrhundert neben dem Sozialdemokraten Thorvald Stauning zum grössten dänischen Politiker gezählt werden muss. Die beiden spielten in einer Liga für sich, so Schultz Hansen.

Den sozialdemokratischen Staatsminister H. C. Hansen, der 1955 maßgeblich mit den Bonn-Kopenhagener Minderheitenerklärungen und dem westdeutschen Nato-Beitritt die wichtigen Voraussetzungen für die Wende auch im Grenzland schuf, führt der Historiker in seiner Rangliste als einen „guten Dritten“.

Im Interview in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“ wurde Schultz Hansen auch auf die Tatsache verwiesen, dass H. P. Hanssen trotz seines Eintretens für Selbstbestimmungsrechte und Demokratie ja eine klare deutsche Mehrheit in Tondern und Umgebung bei der Volksabstimmung am 10. Februar 1920 ignorierte. Schultz Hansen: H. P. Hanssen vertrat die Ansicht, dass diese Gebiete trotz klarer deutscher Mehrheit in den dänischen Staat integriert werden könnten, aber auch nicht mehr – und nicht Flensburg.

Irrglaube

Die Minderheitenpolitik von H. P. Hanssen sei nach seinen Worten „liberal“ gewesen, doch mit dieser Linie habe er aber gleichzeitig „eine Aufsaugungspolitik“ verfolgt, von der er ausging, dass sich die deutsche Minderheit nach 1920 so langsam auflösen würde. „Das war ein Fehler von H.P. Hanssen, denn er hat die Lebenskraft der deutschen Minderheit klar unterschätzt“, so der Historiker, denn nach H. P. Hanssens Auffassung war die neue Grenze erst dann gesichert, wenn die deutsche Minderheit nicht mehr existieren würde oder doch stark begrenzt wäre. Diese liberale Politik sollte zu einer Integration und später zu seiner Assimilation führen.

Eine deutsch-dänische Lösung – wie von deutscher Seite noch vor dem Waffenstillstand in der Grenzfrage vorgeschlagen – habe HP Hanssen nie angestrebt. Er wollte eine Lösung auf der Friedenskonferenz von Versailles mit deutscher Zustimmung – aber eben mit den Garantien durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges, sein Ziel war eine Grenze mit Zukunftssicherung.

Schmerzvolle Perioden

Das von einigen schöngemalte Bild voller deutsch-dänischer Harmonie seit 100 Jahren lässt der anerkannte Historiker nicht gelten. Seit 1920 habe es zumindest die ersten 50 Jahren schmerzvolle Perioden gegeben, aber ohne die Grenzziehung von 1920 hätte es 1955 keine Bonn-Kopenhagener-Minderheitenerklärung gegeben. Sie war das Fundament, betonte Dr. phil. Schultz Hansen.

Das gesamte Interview sendet DK4 Mittwochabend um 21.45 Uhr.

In der vierteiligen Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok” zum Thema 1920-2020 – teilweise auch finanziell gesponsert durch die Zeitung „Der Nordschleswiger“ – folgt am nächsten Donnerstag ein Doppel-Interview, das Siegfried Matlok mit der Vorsitzenden von Sydslesvigsk Forening (SSF), Gitte Hougaard-Werner, und dem Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, geführt hat.

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