Leitartikel

„Acht bis vier war gestern“

Acht bis vier war gestern

Acht bis vier war gestern

Nordschleswig/Kopenhagen
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Der Arbeitsmarkt verändert sich in diesen Jahren, und die Corona-Pandemie hat daran einen wesentlichen Anteil, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Eight days a week – Acht Tage die Woche – sangen die Beatles vor fast 60 Jahren. Doch heute wird öffentlich darüber diskutiert, die Arbeitswoche auf vier Tage zu verkürzen – und das nicht unbedingt am Arbeitsplatz.

Der Arbeitsmarkt befindet sich in diesen Jahren unter ständiger Veränderung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über die vergangenen Jahrzehnte durch die zunehmende Digitalisierung mobiler und flexibler geworden. Aber auch der (angebliche) Bedarf, jederzeit einkaufen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können, verschiebt Arbeits- und Öffnungszeiten.

Berufsgruppen, die früher einen typischen 8-bis-16-Uhr-Job hatten, arbeiten nun auch abends und am Wochenende in einer Gesellschaft, die zunehmend rund um die Uhr geöffnet hat.

Das Tempo ist über Jahre ebenfalls angezogen worden, und in vielen Berufen ist somit das Stressniveau gestiegen.

In den vergangenen Jahren ist parallel dazu aber auch eine Diskussion über unsere Work-Life-Balance entfacht, also, wie vereinen wir Arbeit und Freizeit, um auch die nötige Ruhe in den Alltag zu bringen.

Die Corona-Pandemie hat diese Debatte noch aktueller gemacht, weil viele durch die Arbeit zu Hause neue Arbeitsweisen entdeckt haben (oder auch nicht). Auch hier geht es primär darum, flexibel arbeiten zu können – von überall und zur passenden Tageszeit.

Schließlich drängt sich auch die Vier-Tage-Woche auf. In Island gibt es bereits gute Erfahrungen: Die Produktivität ist (mindestens) dieselbe, aber das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist gestiegen.

Auch in Dänemark machen einige Unternehmen erste Erfahrungen: Kleine Start-up-Unternehmen, IT-Firmen, aber auch Handwerksbetriebe und sogar eine ganze Kommune (Odsherred) haben die Vier-Tage-Woche für sich entdeckt.

Die politisch linke Einheitsliste möchte in Dänemark staatliche Mittel darin investieren, die Möglichkeiten zu untersuchen, während die meisten anderen Parteien eher dazu neigen, dass der Arbeitsmarkt sich selber reguliert und neue Lösungen findet.

Beides ist aber möglich: staatliche Mittel, um Erfahrungen zu sammeln und Projekte wissenschaftlich zu begleiten, und gleichzeitig ein Arbeitsmarkt, in dem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über eine Vier-Tage-Woche, flexible Arbeitstage oder Homeoffice einigen.

Was sich letzten Endes durchsetzt, wird sich zeigen, denn die Mitarbeiter werden dort arbeiten wollen, wo sie die richtige Balance finden zwischen Einkommen, Arbeitsleben und Freizeit.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich schon jetzt darauf einstellen, dass in naher Zukunft anders gearbeitet wird, denn acht bis vier, das war gestern.

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