Thema der Woche: Haustiere in Nordschleswig

15.000 Hunde jährlich sterben wegen „Verhaltensproblemen“

15.000 Hunde jährlich sterben wegen „Verhaltensproblemen“

15.000 Hunde jährlich sterben wegen „Verhaltensproblemen“

Apenrade/Aabenraa
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Nach Erkenntnissen der dänischen Nahrungsmittelbehörde sind viele Hunde bereits im Welpenalter so sozial geschädigt worden, dass sie in späteren Jahren oft nicht mehr durch Training für einen Verbleib in Familien umerzogen werden können. Foto: Volker Heesch

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Der dänische Tierärzteverband fordert mehr Beratung für potenzielle Hundehalterinnen und -halter vor Anschaffung eines eigenen Vierbeiners. Viele Menschen unterschätzen Zeitaufwand und Verpflichtungen beim Halten eines Tieres: Über 23 Prozent der Hunde in Dänemark kostet das das Leben.

Erst im Jahr 2020 hat Dänemark ein neues „Tierwohlfahrtsgesetz“ anstelle des seit rund 100 Jahren existierenden „Tierschutzgesetzes“ erhalten. Der dänische Tierschutzverband „Dyrenes Beskyttelses“ schwärmte, dass Dänemark im internationalen Vergleich in die „Superliga“ des Tierwohls aufgestiegen sei. Die Verbandsdirektorin Britta Riis nannte als Erfolg das Verbot der Haltung von Wildtieren im Zirkus und neue Möglichkeiten der Behörden, die Nutztierhaltung zu verbessen.

„Problemhunde" werden getötet

Allerdings findet in der Stellungnahme ein Umstand keine Erwähnung, die massenhafte Tötung von Haustieren wie Hunden. Meist aufgrund von „Problemen zwischen den Tieren und ihren Eigentümern und Eigentümerinnen“, wie die Zeitung „Kristeligt Dagblad“ im vergangenen Jahr in einem Beitrag über die Tötung von mehr als 15.000 Hunden jährlich mahnte. Die Zahlen nennt der Tierärzteverband „Den Danske Dyrelægeforening“, der angesichts der unglücklichen Situation für die betroffenen Tiere und die Tierhalterinnen und -Tierhalter, für die es keinen anderen Ausweg als die Einschläferung ihres meist in guten Absichten angeschafften Tieres gibt, fordert die Beratung vor dem Erwerb eines Hundes zu intensivieren. Die gleiche Forderung erhebt „Dyrenes Beskyttelse“.

Rund 600.000 Hunde leben in Dänemark

Nach Angaben des Statistikamtes „Danmarks Statistik“ werden in Dänemark an die 600.000 Hunde gehalten. In jedem vierten bis fünften Haushalt in Dänemark lebt ein Hund. Laut Statistik werden in Dänemark jährlich rund 70.000 Hunde eingeschläfert. Die Angaben darüber, wie viele wegen Erkrankung getötet werden, sind nicht eindeutig. Laut Statistik werden 12.000 Hunde pro Jahr getötet, die „nicht physisch krank“ sind. Häufigste Ursache der Tötung in dieser Gruppe sei Vernachlässigung der Tiere oder Verhaltensprobleme. Nach einer Faktenliste der staatlichen dänischen Nahrungsmittelbehörde „Fødevarestyrelsen“ fallen unter die Kategorie „Vernachlässigung und Verhaltensprobleme“ oft Umstände wie aggressives Verhalten oder Angstzustände bei den Hunden, speziell auch Probleme, dass die Hunde nicht allein gelassen werden können.

Das Zerbeißen von Gegenständen durch Hunde wird auch als Grund für eine Einstufung als verhaltensauffälliges Tier angegeben. Dabei haben die Besitzer den Tieren oft solche Unarten selbst anerzogen. Foto: Volker Heesch

Auch das Zerbeißen von Gegenständen sowie ständiges Bellen und Heulen werden genannt. Auch „Unsauberheit“ wird dort aufgelistet. Zu den Ursachen der Probleme heißt es im Leitfaden der Behörde, dass viele bereits im Welpenalter auftreten, weil die Tiere mit zu geringem Menschenkontakt aufgewachsen sind, sie traumatisiert worden sind, weil sie inkonsequentem Umgang oder übertriebener Härte ausgesetzt worden sind. Auch der Umstand, dass die Tiere zu viel allein gelassen werden, sei eine Ursache der Verhaltensauffälligkeiten, die Anlass für eine Tötung sein können.

Traumatisierte Hunde

„Einige Hunde werden so stark traumatisiert, dass sie psychisch krank werden, manchmal auch so gefährlich, dass sie nicht zu retten sind“, so die auch für den Tierschutz zuständige Behörde. Eine Einschläferung könne oft vermieden werden, wenn Hund und Eigentümer ein Training bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten für Hundeverhalten durchlaufen. Die Tierärztin Vibeke Korup vom dänischen Tierärzteverband erklärte gegenüber „Kristelig Dagblad“, dass viel zu viele Menschen vor der Anschaffung eines Hundes zu wenig über Eigenschaften und Temperament des Hundes wüssten, den sie sich kaufen. Auch sei ihnen nicht klar, welche physischen Bedürfnisse ein Hund hat.

Zu wenig Zeit für die Hunde

So stelle es ein Problem dar, wenn in einer Familie bei großer zeitlicher Inanspruchnahme durch die Arbeit niemand Zeit hat, mit dem Hund Touren zu unternehmen. Wie groß das Problem „Verhaltensauffälligkeiten“ in Haushalten mit eigenem Hund ist, hat eine Untersuchung des Wissenschaftlers Jørgen Damkjer Lund vor rund 20 Jahren gezeigt. Danach haben 28 Prozent der repräsentativ befragten Hundehalterinnen und -halter angegeben, sie hätten Probleme mit dem Verhalten ihres Hundes. 17 Prozent räumten ein, sie hätten früher einmal solche Probleme gehabt. Als häufiger Grund für eine Einschläferung in der Kategorie Verhaltensprobleme hat Damkjer Lund Hundebisse aufgeführt. Deren Anzahl sei aber laut Versicherungsbranche zurückgegangen.

Untersuchungen zu Hunde-Problemen

Der aus dem Jahr 2006 stammende Artikel über die Untersuchungen Jørgen Damkjer Lunds kann im Internet unter infolink2003.elbo.dk nachgelesen werden. Laut Zeitschrift des Tierärzteverband sind in den Tierarztpraxen 30 Prozent der Einschläferungen an altersschwachen Hunden vorgenommen worden. 21,4 Prozent wurden unter der Kategorie „Verhaltensprobleme“getötet. Der Artikel ist im Internet unter https://www.aabyhoejdyreklinik.dk/portfolio/aflivning-af-hunde-paa-grun… nachzulesen. Im Internet gibt es eine Vielzahl von Tipps und Angeboten für Hundebesitzerinnen und -besitzer oder Menschen, die sich einen Hund anschaffen wollen. Seriöse Tipps zum Thema Hunde und Hundehaltung sind auf der Homepage der staatlichen dänischen Nahrungsmittelbehörde „Fødevarestyrelsen“ unter https://www.foedevarestyrelsen.dk/Leksikon/Sider/Anskaffelse-af-hund.aspxzu finden. Es werden dort unter anderem Selbsttests angeboten, ob jemand geeignet oder ungeeignet für das Halten von Hunden ist. Es gibt dort auch Hinweise zur Pflicht, den eigenen Hund zu registrieren.

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Leserbeitrag

Hanns Peter Blume
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