Gleichstellung

Frauen an die Macht – aber wie?

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Nordschleswig
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Eine Aktion zum Internationalen Frauentag 2019 Foto: Christian Lindgren / Ritzau Scanpix

Macht es sich die deutsche Minderheit mit den Gründen für ihre geringe Frauenquote in Führungspositionen zu einfach? Diese Frage wirft die Parteisekretärin der SP in den Raum. Die Antworten folgten prompt.

Warum sind Frauen innerhalb der deutschen Minderheit weniger oft in Führungspositionen vertreten als Männer? Diese Frage wird nach einem Artikel im „Nordschleswiger“ am Internationalen Frauentag in Nordschleswig weiter heiß diskutiert.

In einem offenen Brief fordert die Parteisekretärin der Schleswigschen Partei, Ruth Candussi, vom Hauptvorstand: Macht es euch nicht zu einfach. Zuvor hatte der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Uwe Jessen, in einem Zeitungsinterview gesagt, es gebe trotz Anfragen und Bemühungen zu wenig Frauen für Führungspositionen – und daher falle die Wahl dann auf Männer.

Wunsch: Gezieltes und strategisches Vorgehen

Candussi wünscht sich in Zukunft kein Hinnehmen dieser Umstände, sondern ein „gezieltes und strategisches Vorgehen“, damit sich die Gleichstellung von Frau und Mann auch im BDN-Führungsstab deutlicher abzeichnet.

„Damit meine ich keine Quote, damit meine ich keine gezielte Bevorzugung von Frauen, aber ich will, dass wir uns konkret überlegen, was wir tun können, damit sich das Bild ändert“, stellt Candussi klar.

Ruth Candussi
Ruth Candussi, Parteisekretärin der Schleswigschen Partei Foto: Karin Riggelsen

Macht ihr es euch bislang zu einfach? Die Antwort des Hauptvorsitzenden des BDN, Hinrich Jürgensen: „Nein, wir machen es uns überhaupt nicht einfach. Wir haben immer wieder versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn es um die Besetzung neuer Stellen oder Posten mit Frauen ging. Oft haben sich die Frauen die Aufgabe nicht zugetraut, Männer reagieren da meistens anders und sagen zu.“

Dennoch habe man sich angesichts der am diesjährigen Frauentag entstandenen Diskussion bereits Gedanken gemacht, wie man in Zukunft vorgehen kann. „Wir überlegen, ein Gremium zu schaffen, eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema auseinandersetzt“, sagt Jürgensen. Eine Idee, die dem BDN-Hauptvorstand bei der Sitzung am 6. Mai vorgelegt werden soll.

Gibt es derzeit im BDN eine „Struktur von Männern für Männer“? „Ich kann nicht sehen, dass das so ist. Es ist ja nicht so, dass es einen Männerklub gibt, der unter sich bleiben will. Im Gegenteil. Wir sind dankbar für jede Anregung.“


Es ist ja nicht so, dass es einen Männerklub gibt, der unter sich bleiben will. Im Gegenteil.

Hinrich Jürgensen

Eine Frauenquote kommt für den BDN nicht infrage, unterstreicht der Generalsekretär Uwe Jessen. „Das ist sicher nicht die Lösung des Problems.“ Er kennt die Herausforderung, Frauen für Führungsposten zu finden, auch aus der politischen Stadtratsarbeit in Hadersleben. „Es war trotz großer Bemühungen ungemein schwer, genügend Frauen für die Kandidatenliste zu finden, und am Ende waren es vielleicht zwei Frauen und sechs Männer.“

Man will beim BDN aber bewusster darüber nachdenken, wo Strukturen verändert werden könnten, um Frauen für die Arbeit zu gewinnen. „Immer wieder wird als Absagegrund genannt, dass die Wahlperiode für ein Amt zu lang ist. Hier geht es dann darum, die Arbeits- und Vorstandsstrukturen zu überdenken.“

Nicht jede Amtszeit kann verkürzt werden

Wobei es da durchaus Grenzen gebe, gibt Jessen zu bedenken. „Den Vorstandsvorsitz kann man beispielsweise nicht nur für ein Jahr vergeben, das wäre schädlich für die Minderheit, da muss man eine Konstante haben. Aber vielleicht könnte es andere Posten und Stellen geben, wo eine kürzere Amtszeit durchaus denkbar ist?“

Jessen will mit Ruth Candussi dem BDN den Vorschlag einer AG unterbreiten. „Wir wollen ein Kommissorium vorbereiten mit Vorschlägen, wie man weiterarbeitet.“ „Das Gremium soll natürlich nicht nur aus Männern, aber auch nicht nur aus Frauen bestehen“, unterstreicht Jessen. „Wichtig ist, dass wir mit Zielen und Zielzahlen arbeiten. Was wollen wir? Wo wollen wir 2025, 2030 stehen?“

Uwe Jessen in seinem Büro Foto: Karin Riggelsen

Ruth Candussi freut sich auf die bevorstehenden Diskussionen und Schritte. Auch sie weiß aus eigener Erfahrung als SP-Parteisekretärin, wie schwer es ist, Frauen für Führungspositionen zu gewinnen. Es seien durchaus auch die Frauen, die aus ihrer Komfortzone rauskommen und sich mehr zutrauen müssten, damit sich die Dinge verändern.

„Es sind nicht nur die Männer schuld, es sind nicht nur die Frauen schuld, es ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren. Wichtig ist mir aber, dass wir uns dessen bewusst werden und uns fragen, warum das so ist und was wir tun können.“

Nicht zuletzt deshalb, sagt Candussi, weil es dem „Unternehmen deutsche Minderheit“ gut zu Gesicht stehen würde, sich offen darüber Gedanken zu machen, wie man Diversität auch auf dieser Ebene ausleben könnte.

Die Geschlechterverteilung im Hauptvorstand: Gelb dominiert Foto: Lana Riedel
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