Deutsch-dänisch

Pilotprojekt: Sprachbarriere mit Gesang überwinden

Pilotprojekt: Sprachbarriere mit Gesang überwinden

Pilotprojekt: Sprachbarriere mit Gesang überwinden

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Projektleiterin Merete Abrahamsen freut sich auf die Herausforderungen, die das grenzübergreifende Musikprojekt „Lieder bauen Brücken“ mitsichbringt. Foto: Pressefoto

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Singend den deutschen Nachbarn kennenlernen – das können Drittklässlerinnen und Drittklässler aus der Kommune Hadersleben ab dem kommenden Schuljahr im Rahmen des Projekts „Lieder bauen Brücken“.

Noch befindet sich das deutsch-dänische Pilotprojekt der Kommune Hadersleben mit dem klangvollen Namen „Lieder bauen Brücken“ (dänisch: Sange bygger broer), für deren Umsetzung die Haderslebener Gesangsakademie verantwortlich zeichnet, in den Kinderschuhen. Doch schon bald soll es losgehen.

„Die Planungen laufen gerade an. Im Frühjahr 2022 werden wir erste vorbereitende Treffen veranstalten, und zum Beginn des Schuljahres 2022/2023 kommt das Projekt an die Schulen“, berichtet Merete Abrahamsen, Lehrerin an der Haderslebener Musikschule und Leiterin des deutsch-dänischen Gesangprojekts.

Musikalische Brücken

„Ich freue mich sehr auf diese spannende Aufgabe“, sagt Abrahamsen, die als engagiertes Mitglied der deutschen Minderheit in Hadersleben sowohl mit der deutschen als auch der dänischen Sprache und Kultur bestens vertraut ist.

Denn genau darum gehe es bei dem Versuchsprojekt an den Schulen, erklärt Merete Abrahamsen: „Wir wollen schauen, ob Lieder tatsächlich Brücken bauen können zwischen Kindern, die im Grunde die Sprache des anderen nicht verstehen.“

Interesse wecken

Man wolle mit deutschen und dänischen Liedern die Neugierde und das Interesse am Nachbarn und der jeweils anderen Sprache wecken, so die Projektleiterin weiter. Zu diesem Zweck bekommen die am Projekt teilnehmenden 3. Klassen der Kommune Hadersleben sogenannte Freundschaftsklassen südlich der Grenze zugeteilt.

Wenn wir zusammen singen, gehören wir zusammen – auch wenn wir auf der jeweils anderen Seite der Grenze leben und nicht die gleiche Sprache sprechen.

Merete Abrahamsen, Leiterin des Projekts „Lieder bauen Brücken“

Während des Projektes stehen die Freundschaftsklassen in engem Austausch und besuchen sich gegenseitig an ihren Schulen in Nord- und Südschleswig. Beim großen Finale treffen sich schließlich alle teilnehmenden Klassen an der Grenze zu einem gemeinsamen Konzert. Auch die Freunde und Familien der Kinder sind zu diesem besonderen Ereignis eingeladen.

Erster Kontakt mit dem Nachbarn

„Das wird sehr spannend, und ich freue mich darauf zu sehen, wie die Kinder darauf anspringen. Für viele wird es der erste Kontakt mit der anderen Sprache, vielleicht sogar dem Nachbarland als solches sein“, sagt Merete Abrahamsen.

Aus diesem Grund habe man sich bei dem Projekt bewusst für die Drittklässler als Zielgruppe entschieden, so die Projektleiterin: „In dem Alter haben die Kinder, zumindest hier in Hadersleben, noch keinen Deutschunterricht.“

Singen verbindet

Sie selbst ist derzeit neben der allgemeinen Projektplanung mit der Ausarbeitung des Musikprogramms beschäftigt, wie Abrahamsen im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ erzählt. Neue Lieder werden für das Projekt zwar nicht komponiert, einige Songs müssen jedoch noch ins Deutsche oder Dänische übersetzt werden.

„Lieder bauen Brücken“

Das Projekt „Lieder bauen Brücken“ ist eines der Leuchtturmprojekte der Kulturvereinbarung Sønderjylland-Schleswig, die sich für die Kulturentwicklung über die deutsch-dänische Grenze hinweg insbesondere bei Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Die Partner der Kulturvereinbarung 2021-24 sind die Kommunen Hadersleben, Tondern (Tønder), Sonderburg (Sønderborg) und Apenrade (Aabenraa), die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg, die Stadt Flensburg, die Region Syddanmark, das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein sowie das dänische Kulturministerium.

Die Vereinbarung hat einen finanziellen Rahmen von insgesamt knapp 2,65 Mio. Euro.

Auch passende Bewegungen überlegt sich die am Jütischen Musikkonservatorium in Aarhus ausgebildete Gesangskonsulentin. „Wir versuchen, sowohl auditiv als auch visuell zu arbeiten. Daher überlegen wir uns Bewegungen, die zu dem passen, was gesungen wird. Auf diese Weise erinnern wir uns besser an das Gesagte“, erklärt Merete Abrahamsen.

Gleichzeitig entstehe durch das gemeinsame Singen und Tanzen auch ein Gefühl von Gemeinschaft, betont die Musiklehrerin: „Wenn wir zusammen singen, gehören wir zusammen – auch wenn wir auf der jeweils anderen Seite der Grenze leben und nicht die gleiche Sprache sprechen.“

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