Umweltverschmutzung

Plastikverschmutzung durch Schlacke – und niemand weiß warum

Plastikverschmutzung durch Schlacke – und niemand weiß warum

Plastikverschmutzung durch Schlacke – und niemand weiß warum

Charlotte Hülser/JV
Hadersleben/Haderslev
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Eigentlich eine grüne Oase: das Gebiet rund um die Baustelle. Foto: Karin Riggelsen

Eine Großbaustelle in Hadersleben bekommt ein Fundament aus Schlacke. Etwa 30.000 Tonnen sind bereits geliefert worden, doch sie enthalten große Plastikstücke. Anwohner sind besorgt, die Kommune ist ratlos und will die Gesetze zum Anteil Plastik in Schlacke verschärfen.

In Sode in der Region Haderslev Næs sollen zwölf neue Schweineställe auf einem Fundament aus Schlacke, also dem Restprodukt der Abfallverbrennung, entstehen. Die Kommune Hadersleben hat den Gebrauch von 50.000 Tonnen auf der Grundlage der Einschränkung eines maximalen Anteils von Plastik, Holz und Textilien („TOC“) von drei Prozent bewilligt.

Wie die Zeitung „JydskeVestkysten“ berichtet, verunreinigen nun Tausende kleiner Plastikteile und Fetzen die Umgebung rund um die Großbaustelle. Weder Bauherr Jesper Bram, der beauftragte Lieferant Meldgaard Miljø A/S aus Apenrade/Aabenraa noch die Kommune Hadersleben können sich das Plastik-Debakel erklären und verweisen auf die eingehaltene vorgeschriebene Gesetzgebung von drei Prozent.

Plastikanteil im Soll

Nachbarin Charlotte Asmussen sagte der Zeitung: „Gemäß Gesetzgebung sollte man genau wissen, wie viel Plastik in der Schlacke ist und wo es herkommt.“ Jesper Bram, Bauherr und Miteigentümer von Naturbiogas Sode, möchte neben den Schweineställen auch eine Biogasanlage auf dem Gelände bauen. Das Projekt ist umstritten, während der Sommerferien hat es diesbezüglich eine Anhörung gegeben.

Laut dem Lieferanten Melgaard betrug der Anteil Plastik in der Lieferung maximal 0,002 Prozent pro sieben Tonnen Schlacke. Der Fehler müsse also bei der Verbrennungsanlage liegen, wie Direktorin Line Meldgaard der Zeitung erklärte. „Vieles des unverbrannten Materials wird bei der Sortierung herausgefiltert. Aber in diesem Fall haben wir nicht selbst sortiert, daher sind wir auch im Dialog mit unserem Zulieferer“, sagte sie weiter.

Die Kommune Hadersleben sei nicht sonderlich stolz auf die Situation, wie Thomas Vedsted (Liberale Allianz), Vorsitzender für Planung und Umwelt, der Zeitung gesteht. Immerhin hatte die Kommune den Bau genehmigt. „Wir werden in der kommenden Woche eine Vorbesprechung zu dem Thema haben und herausfinden, wie wir die Gesetzgebung zum Gebrauch von Schlacke verschärfen können.“

Das große Problem sei, so Vedsted, dass die jetzige Gesetzgebung einen Plastik-Anteil von bis zu drei Prozent erlaube. Aber auch er zeigt sich verwundert über das nicht verbrannte Plastik, das umherfliegt und von Meldgaard-Mitarbeitern seit dem Freitagnachmittag immer wieder „weggesaugt“ wird. Bei der nächsten Lieferung solle nun ein Kontrollmitarbeiter der Verwaltung anwesend sein.

Experte: Keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt

Anwohner machen sich derweil Sorgen um Umwelt und Grundwasser und sind laut „JydskeVestkysten“ entsetzt über das von der Kommune erteilte „grüne Licht“ für das Fundament aus verunreinigter Schlacke ohne eine Membran, die vor dem Absacken in das Grundwasser schützt.

Professor Thomas Højlund Christensen von Dänemarks Technischer Universität nennt den Gebrauch von Schlacke als Fundament für Bauten gegenüber der Zeitung „eine vernünftige Lösung“ und schätzt die verunreinigte Schlacke als nicht umweltschädigend ein. „Es ist ein ästhetisches, kein reelles Umweltproblem“, sagte der Experte der Zeitung. Dass sich offensichtlich ganze Plastikteile in der Schlacke befanden, sei jedoch höchst ungewöhnlich.

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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„M 612-2020“