Wiedereröffnung

Schüler-Stau in Haderslebener Traditionsfahrschule

Schüler-Stau in Haderslebener Traditionsfahrschule

Schüler-Stau in Haderslebener Traditionsfahrschule

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Zusammen mit seiner Frau Nadia leitet Carsten Jürgensen die Fahrschule „Fa Jürgensen“ in zweiter Generation. Foto: Karin Riggelsen

Seit 6. April dürfen auch die Fahrschulen nach monatelanger Zwangspause wieder den Betrieb aufnehmen. In der Haderslebener Traditionsfahrschule der Familie Jürgensen ist die Freude über die Wiedereröffnung groß, auch wenn die damit verbundenen Auflagen die Inhaber vor Herausforderungen stellen.

„Wir sind natürlich sehr froh, dass wir wieder aufmachen dürfen, aber es ist auch mit Stress verbunden“, meint Carsten Jürgensen, der seit 2011 zusammen mit seiner Frau Nadia die familieneigene Fahrschule „Fa. Jürgensen“ am Haderslebener Gammelting leitet.

Großer Andrang

Seit Montag dürfen die Jürgensens nach mehrmonatiger, coronabedingter Schließung ihre Fahrschule wieder für den allgemeinen Betrieb öffnen – unter Einhaltung der geltenden Corona-Auflagen –, und der Andrang an Fahrschülern ist groß, wie Carsten Jürgensen berichtet: „Wir sind es gewohnt, viele Fahrschüler zu unterrichten, aber wegen des Shutdowns hat es sich angestaut.“

Logistische Herausforderung

Normalerweise habe die Fahrschule etwa 110 bis 120 aktive Fahrschüler pro Jahr, so Jürgensen: „Im Moment sind es jedoch um die 200. Das stellt uns vor eine logistische Herausforderung.“

Carsten Jürgensen freut sich, wieder Schüler in seiner Fahrschule begrüßen zu dürfen, auch wenn das für ihn und seine Kollegen erst einmal jede Menge Überstunden bedeutet. Foto: Karin Riggelsen

Allein für den Theorieunterricht werden dank der erhöhten Schülerzahl und der coronabedingten Restriktionen mehr Fahrlehrer als sonst benötigt: „Statt eines Fahrlehrers brauchen wir nun immer zwei Fahrlehrer pro Theoriekurs, weil wir die Schüler in zwei Gruppen aufteilen müssen, um die maximale Anzahl an Personen im Raum einhalten zu können“, erklärt Carsten Jürgensen.

Qualität statt Quantität

Aufgrund der hohen Anzahl an Fahrschülern den Unterricht zu beschleunigen kommt für den Fahrlehrer aus Leidenschaft jedoch nicht infrage: „Uns geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität. Wir verkaufen keinen Führerschein, sondern bieten eine Ausbildung an und legen viel Wert auf eine individuelle Betreuung unserer Schüler.“ Dies solle sich auch durch die Corona-Krise nicht ändern.

Zum Glück hat der Gesetzgeber die Fristen geändert und die Pausenregelungen im Shutdown erweitert, sonst müssten viele Fahrschüler jetzt wieder von vorne anfangen.

Carsten Jürgensen, Fahrlehrer und Mitinhaber der Fahrschule „Fa Jürgensen“

Dennoch sei man, so Jürgensen, darauf bedacht, die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler nicht unnötig in die Länge zu ziehen, denn durch die coronabedingte Zwangspause kämen auf die meisten Schüler ohnehin mehr Fahrstunden zu als üblich.

„Wir versuchen, einen Mittelweg zu finden“

„Zum Glück hat der Gesetzgeber die Fristen geändert und die Pausenregelungen im Shutdown erweitert, sonst müssten viele Fahrschüler jetzt wieder von vorne anfangen“, sagt Carsten Jürgensen, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum als Fahrlehrer feiern kann.

Dass die Fahrschule der Familie Jürgensen nicht nur Ausbildungen aller Führerscheinklassen anbietet, sondern auch Ausbildungsverträge mit dem Militär und der Bereitschaftsbehörde am Laufen hat, war in Zeiten des Shutdowns ein großer Vorteil. Foto: Karin Riggelsen

Höhere Kosten seien trotzdem ein Thema, mit dem sich sowohl die Fahrschüler als auch sein Familienunternehmen derzeit auseinandersetzen müssen, wie der 46-Jährige verrät. „Wir könnten natürlich sagen, dass es nicht unser Problem ist, dass die Fahrschüler nach der langen Pause mehr Fahrstunden nehmen und damit letztendlich auch mehr bezahlen müssen. Aber so einfach ist das nicht, schließlich können sie nichts für den Shutdown. Wir versuchen daher, einen Mittelweg zu finden und die Schüler nicht in Rechnungen zu ertränken.“

Ausbildungen bei Militär und Bereitschaft liefen weiter

Dass dies möglich ist, verdankt die Haderslebener Traditionsfahrschule, die Christian Jürgensen 1973 gegründet hat, ihrer breiten Aufstellung. Neben der Ausbildung in allen Führerscheinklassen bilden die Jürgensens auch Fahrlehrer aus und haben Ausbildungsverträge mit dem Militär und der Bereitschaftsbehörde am Laufen.

Insbesondere Letzteres habe der Fahrschule geholfen, in den vergangenen Monaten über die Runden zu kommen, meint Carsten Jügensen, der wie sein Vater in der deutschen Minderheit in Hadersleben aufgewachsen ist: „Alles, was mit dem Gewerbe zu tun hatte, war ja von der Schließung ausgenommen. Daher konnten wir unsere Rechnungen so weit bezahlen.“

Qualität statt Quantität lautet das Motto der Haderslebener Traditionsfahrschule. Carsten Jürgensen greift deshalb auch bei den Führerschein-Fotos gerne selbst zur Kamera. Foto: Karin Riggelsen

Treue Kunden

Trotz allem sei er froh, dass der Fahrschulbetrieb endlich wieder Fahrt aufnehmen kann, auch wenn das für ihn und seine Kollegen zurzeit viele Überstunden bedeutet. „Wir haben Glück, den Shutdown ohne riesige Defizite überstanden zu haben. Unsere Kunden sind uns fast alle treu geblieben, und die Stimmung unter den Fahrschülern ist richtig gut“, meint Carsten Jürgensen. „Alle sind froh, wieder in Gang zu kommen.“

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