Deutsche Minderheit

Museum: „Wie man eure Geschichte am besten erzählen kann“

Museum: „Wie man eure Geschichte am besten erzählen kann“

Museum: „Wie man eure Geschichte am besten erzählen kann“

Sara Wasmund/Gwyn Nissen/Kerrin Jens
Nordschleswig
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Diese Gesichter erzählen die Geschichte der deutschen Minderheit. Foto: No Parking Production

Wie wird es innen aussehen, das Deutsche Museum Nordschleswig in Sonderburg, wenn es 2020 eröffnet? Der zuständige Creative Director hat die Gestaltungspläne am Dienstag dem Bund Deutscher Nordschleswiger präsentiert. Wir haben die Fakten – und die ersten Bilder.

Wie erzählt man die Geschichte der deutschen Minderheit in Nordschleswig? Vor genau dieser Aufgabe steht derzeit Morten Ranmar, Creative Director von der Firma No Parking.

Seine Firma ist damit beauftragt worden, den Museumsinhalt darzustellen. Für die kommenden Monate sind 14 Planungstreffen zwischen No Parking und dem Museum geplant, am Dienstag hat Ranmar dem BDN-Hauptvorstand erste visuelle Eindrücke präsentiert.

Meiner Meinung nach haben wir ein paar starke Kniffe gefunden, die nicht nur von der deutschen Minderheit erzählen, sondern auch von Identität. Eine besondere Identität zu haben, ist ein Thema, das alle betrifft und berührt.

Morten Ranmar, Creative Director

Eines ist sicher: Nichts erinnert mehr an die alte Museumseinrichtung. Luftig, modern, technisch durchdacht und aufbereitet, die Exponate werden buchstäblich ins richtige Licht gerückt, hängen schwebend und großrahmig, stellen die Menschen der Minderheit in den Mittelpunkt.

„Der Ausgangspunkt ist, wie man eure Geschichte am besten erzählen kann. Meiner Meinung nach haben wir ein paar starke Kniffe gefunden, die nicht nur von der deutschen Minderheit erzählen, sondern auch von Identität. Eine besondere Identität zu haben, ist ein Thema, das alle betrifft und berührt“, sagt Rammer.

„Wir glauben, dass das Museum Menschen anziehen kann, die sich mit dem Thema Identität beschäftigen, unter anderem Kinder und Jugendliche, dass es ihnen etwas darüber erzählen kann, was ein wichtiger Teil ihres Aufwachsens ist, nämlich zu verstehen, warum die Minderheit auch ein Teil von uns selbst ist.“

In jedem Raum wird eine Zeit dargestellt. Foto: No Parking Production

Technisch gesehen nimmt das Museum den Besucher wie folgt mit auf die Reise: Das trichterförmige Gebäude im Neubau öffnet sich mehr und mehr – ebenso wie die deutsche Minderheit im Laufe der vergangenen 100 Jahre.

„1920 hat eine Reise begonnen, im Laufe derer man sich mehr und mehr geöffnet hat. Vom Bedrückenden zum Offenen und hin zu einer Identität, die mit dem Umfeld gut funktioniert und die respektiert ist, und doch hat man sein eigenes Ich“, beschreibt es Ranmar.

Im Foyer des Neubaus werden auf Großbildschirmen Fotos und Videos gezeigt, die Kultur und Geschichte der Minderheit erzählen. Rammer beschreibt die geplante Darstellung: Man folge der Dramaturgie eines Spielfilms. Es beginnt mit dem Konflikt, der eskaliert. Das Gute und das Böse. Alles steht kurz vor dem Zusammenbruch, doch dann reißt sich der Held zusammen und nutzt die Werkzeuge, die er auf seiner Reise gelernt hat. Und alles endet gut.

In der unteren Etage gibt es in Neubau und Altbau vier räumliche Unterteilungen. Der erste Raum führt durch die historische Erzählung vor, während und nach 1920.

Der Abstimmungsraum visualisiert die Abstimmung und den Grenzverlauf, im dritten Raum wird die buchstäblich dunkle Nazizeit in Schwarz, Glas und Stahl dargestellt, und der vierte Raum thematisiert die Zeit nach 1945 und die Zeit des Faarhuslagers.

 

Die Ausstellung in der unteren Etage

  • Der erste Raum greift die historische Erzählung auf. Sie beginnt noch vor 1920 und dem jahrelangen Streit um die Grenze. Die klassische Ausstellung – mit Museumsgegenständen der Zeit – ist in drei Phasen aufgeteilt: vor, während und nach 1920. An digitalen Schirmen kann man tiefer in die Geschichte und Geschichten von damals eintauchen.
  • Im Abstimmungsraum ist die Grenze auf dem Boden gezeichnet. Auf dem Boden stehen sechs (digitale) Wahlurnen: Dort kann man seine Stimme abgeben und sehen, wie ein anderes Wahlergebnis in sechs Orten den Grenzverlauf verändert hätte. Es ist eine Reise zurück zu 1920, die zeigt, dass nicht alle zufriedengestellt werden konnten. Der Besucher lernt die schwierigen Beschlüsse hinter dieser Entscheidung kennen.
  • Im dritten Raum wird die Nazizeit in Schwarz, Glas und Stahl präsentiert. Der Raum soll zeigen: Die Minderheit traut sich, auch diesen Teil ihrer Geschichte zu erzählen. Zuzugeben, dass man sich verblenden ließ. Hier wird sinnbildlich die eigene schmutzige Wäsche gewaschen. Die dargestellten Monolithen beispielsweise sind dunkel, erst wenn der Besucher sich davor stellt, werden sie erhellt. Um dann wieder im Dunkel zu versinken, wenn man sich fortbewegt. Die Aussage: Man muss sich trauen, sich der eigenen Geschichte zu stellen, ihr ins Gesicht zu blicken.
  • Im vierten Raum wird die Zeit nach Faarhus erzählt, die Internierung von Mitgliedern der deutschen Minderheit im Faarhuslager.
  • Weiter geht es dann in den ersten Stock, wo vor allem die Kulturgeschichte der Minderheit erzählt wird.
 

Im ersten Stock wird der Besucher mit einem lächelnden Gesicht begrüßt – auf Synnejysk, Deutsch und Dänisch. Verschiedene Ausstellungsgegenstände erstrahlen im Licht, während das Gesicht die Kulturgeschichte von Ringreiten über Faustball und Laternelaufen erzählt.

In einem weiteren Raum tritt der Besucher in eine „Wunderkammer“ – voller Gegenstände, die auf ihre eigene Weise die besondere Geschichte der Minderheit erzählen.

Im „Schulraum“ ist zwar kein Platz für die Darstellung eines ganzen alten Klassenzimmers, doch eine Projektion auf zwei Pulte zeigt Schule damals und heute und erzählt die Schulgeschichte der deutschen Minderheit.

Foto: No Parking Production

Auch der Knivsberg bekommt einen eigenen Raum im neuen Museum. Ein Film zeigt das aktuelle Knivsbergfest, Gegenstände vom gesprengten Bismarckturm erzählen die Geschichte und auch, wie die Minderheit mit den Gedenkplatten und den Namen der Verstorbenen an dem ehemals als „Ehrenhain“ bezeichneten Gedenkort umgeht.

Auch zum Blick auf andere deutsche Minderheiten in Europa wird eingeladen, der Minority-Roots-Raum erzählt über Minderheiten aus einer jugendlichen Perspektive.

Alle Informationen werden dem Besucher über Audio, Video und Text präsentiert.

Finanzierung der Einrichtung noch in Arbeit

Für die Innengestaltung sind 1,3 bis 1,4 Millionen Euro angesetzt. Die Mittel dafür stammen unter anderem vom Land Schleswig-Holstein.

„Die 300.000 Euro, die aus Schleswig-Holstein kommen, sind allein für die Inneneinrichtung bestimmt“, berichtet BDN-Generalsekretär Uwe Jessen. Der Rest wird aus externen Mitteln finanziert.

„Wir werden uns auch noch bei weiteren Stiftungen bewerben, um das restliche Geld zusammen zu bekommen“, so Jessen. „Dann steht einer planmäßigen Eröffnung am 11. Juli 2020 nichts mehr im Weg.“

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