Vor Gericht

Prozessauftakt: Ehefrau unter Mordverdacht

Prozessauftakt: Ehefrau unter Mordverdacht

Prozessauftakt: Ehefrau unter Mordverdacht

Sonderburg/Sønderborg
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Der Prozess findet im Schwurgerichtssaal des Gerichtes statt. Foto: Sara Wasmund

Der Ehemann fiel 14-mal ins Koma, und keiner wusste warum. Die Staatsanwaltschaft will vor dem Sonderburger Gericht ab Dienstag beweisen, dass die Ehefrau dem Mann Medikamente verabreicht hatte, die tiefe Bewusstlosigkeit auslösten.

Knapp ein Jahr lang saß die Frau in U-Haft, am Dienstag hat der Prozess gegen sie begonnen: Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen will beweisen, dass eine 65-jährige Frau aus Höruphaff ihrem Ehemann ein Medikament verabreicht hatte, das ihn immer wieder in tiefes Koma versetzte.

Die Angeklagte weist die Beschuldigungen von sich. Sie habe ihrem Mann zu keinem Zeitpunkt das entsprechende Medikament Baclofen verabreicht. Eine Erklärung, wie das Medikament in den Körper ihres Mannes gelangt ist, hat sie nicht.

Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen fasste den Fall zusammen:

Dass der Mann erstmals am 29. Juli 2018 ins Sonderburger Krankenhaus eingeliefert wird, wo er in tiefe Bewusstlosigkeit fällt, ohne dass die Ärzte herausfinden können warum.

Fragen zu diversen Speisen und Getränken

Immer wieder verliert der Mann zwischen Juli und Dezember das Bewusstsein, insgesamt 14-mal. Er fällt zum Teil in ein extrem tiefes Koma, steht kurz vor dem Hirntod. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Untersuchungen in Odense und Kopenhagen folgen.

Die Ehefrau besucht ihren Mann in all der Zeit regelmäßig. Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass die Frau ihrem Mann die Tabletten während ihrer Besuche verabreicht hat.

Rikke Brændgaard-Nielsen stellte mehrere Fragen zu diversen Speisen und Getränken, die der Ehemann im Krankenhaus eingenommen hatte.

Ein Oberarzt schlägt Alarm

Monatelang bleibt unklar, warum der Mann immer wieder das Bewusstsein verliert. Am 21. Dezember schlägt ein Oberarzt im Kopenhagener Reichshospital schließlich Alarm. Blutproben zeigen: Der Mann hatte eine hohe Dosis Baclofen in Magen und Blut, ein muskelentspannendes Medikament, das bei Überdosierung Bewusstlosigkeit auslösen kann. Rückblickend wird im Lauf der Ermittlungen festgestellt, dass auch in älteren Blutproben Baclofen gefunden wurde.

Im Sonderburger Gericht wird am Freitag der Prozess fortgesetzt. Foto: Karin Riggelsen

Der Oberarzt meldet den Fall der Polizei, erstattete Anzeige wegen versuchten Mordes. Am 22. Dezember wird die Ehefrau festgenommen.

Die große Frage des Prozesses: Woher kommt das Baclofen, und wer hat das Medikament über all die Zeit verabreicht? Die Staatsanwaltschaft führte an, dass die Angeklagte wegen einer früheren Parkinson-Diagnose selbst Baclofen einnimmt – und somit zur Verfügung hatte.

Parkinson-Medikament Baclofen

Die Anklägerin klärte das Schwurgericht auch darüber auf, dass eine zweite ärztliche Diagnose der Angeklagten konstatiert hatte, nicht unter Parkinson zu leiden.

Die Angeklagte habe das Medikament Baclofen aber weiterhin eingenommen. Weil es ihr guttue, so die Angeklagte auf Frage der Staatsanwältin. Sie nehme das Baclofen morgens und abends, um das Zittern in den Händen zu kontrollieren.

Was ihre Erklärung ist, wie das Baclofen ins Blut ihres Mannes gekommen ist? Sie wisse es nicht und könne dazu nichts sagen, so die Angeklagte.

Die Staatsanwältin wollte wissen, ob die Angeklagte jemals von Ärzten gefragt worden ist, sich selbst Schaden zuzufügen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Ja, das sei sie gefragt worden, so die Frau, sie habe so etwas aber nie getan.

Am Mittag sagt der Ehemann vor Gericht aus. Ein Update folgt.

Der Prozessverlauf

  • Der Prozess wird am 6. Dezember um 9 Uhr fortgesetzt. An diesem Tag sind Familienmitglieder, Nachbarn und Bekannte als Zeugen geladen.
  • Am 11. Dezember geben Ärzte und Krankenschwestern ihre Zeugenaussagen ab, am 12. Dezember steht die Dokumentation von Beweisen auf dem Plan.
  • Am 16. Dezember tagt das Schwurgericht, und am 17. Dezember sollen Schuldfrage und Strafmaß beantwortet werden.
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