Rechtsprechung

Prozessauftakt im Fall Beier

Prozessauftakt im Fall Beier

Prozessauftakt im Fall Beier

Pattburg/Padborg
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Foto von der Unterbringung ausländischer Fahrer in der Pattburger Niederlassung des Transportunternehmens Kurt Beier. Foto: Privat/JV

Verantwortliche des Transportunternehmens Kurt Beier A/S mit Niederlassung in Pattburg müssen sich am Gericht in Sonderburg wegen Ausbeutung und unerlaubter Unterbringung von ausländischen Fahrern verantworten.

Es schlug nicht nur landesweit hohe Wogen und gab dem Vorwurf des Lohndumpings im Transportsektor neue Nahrung.

In der Pattburger Niederlassung der Firma Kurt Beier deckte das Gewerkschaftsmagazin „Fagbladet 3F“ 2018 unmenschliche und unerlaubte Unterbringung von meist philippinischen Lastwagenfahrern auf, die über eine polnische Gesellschaft zudem zu einem Niedriglohn beschäftigt waren.

Am Gericht in Sonderburg (Sønderborg) ist die Verhandlung gegen das Unternehmen und dessen Führungskräfte eingeleitet worden.

Vier Hauptangeklagte

Angeklagt sind Firmenchef Karsten Beier, eine Frau sowie zwei leitende Mitarbeiter. Ihnen wird unter anderem Ausbeutung von Fahrern im besonders schweren Fall vorgeworfen.

Laut Anklageschrift wurden die Beschäftigten aus Drittländern irreführend bei einer polnischen Tochterfirma in Kozalin angestellt mit Polen als hauptsächliches Einsatzgebiet.

Tatsächlich waren die Fahrer aber bei Kurt Beier mit Hauptsitz in Esbjerg beschäftigt und wurden ohne Kenntnis über die dänische Sprache und dänische Gesetzgebung in der Niederlassung am Lejrvejen in Pattburg eingesetzt, so die Anklageschrift.

Für eine Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung hatte das Unternehmen nicht gesorgt.

In Pattburg mussten die Fahrer unter unwürdigen Bedingungen hausen. Sie waren in unerlaubten aufgestellten und ungeeigneten Containern untergebracht oder mussten in Lastwagen bzw. Anhängern wohnen, obwohl ihnen anderes versprochen worden war.

Die Bezahlung erfolgte weit unter den vorgegebenen dänischen Sätzen, heißt es in der Anklageschrift weiter.

Die Anschuldigungen beziehen sich auf den Zeitraum 3. März 2017 bis 1. Januar 2019.

Dumpinglöhne

Der Monatslohn der philippinischen Fahrer sollte demnach bei 1.060 US-Dollar liegen. Das entspricht 7.280 Kronen. Für Beschäftigte aus Srilanka war ein Monatslohn von 3.278 Kronen vorgesehen mit Aussicht auf nicht definierte Zulagen.

Laut Anklageschrift wurden vom Büro des Unternehmens, das eine Frau leitete, jedem Fahrer mindestens 6.053 Euro weniger gezahlt, als es die Arbeitsverträge vorsahen. Summen, die weit unter den üblichen dänischen Löhnen lagen.

Finanziellen Vorteil verschafft

Die Firma hatte sich durch ihr Vorgehen einen finanziellen Vorteil von mindestens 4,19 Millionen Kronen verschafft, wie aus der Anklageschrift weiter hervorgeht.

In Medien hatte Karsten Beier, Sohn des mittlerweile verstorbenen Seniorchefs Kurt, den Vorwurf der Ausbeutung abgestritten mit dem Verweis auf die legale Anstellung bei der polnischen Gesellschaft.

Für den Fall sind insgesamt 15 Verhandlungstage angesetzt.

Neben Karsten Beier (46 Jahre) und einer 44-jährige Frau sind zwei leitende Mitarbeiter im Alter von 40 und 45 Jahren angeklagt.

Eine Verurteilung wegen besonders grober Ausbeutung kann laut Gesetzbuch bis zu sechs Jahre Gefängnis bedeuten.

Das Urteil wird voraussichtlich im August gefällt.

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