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Fünf Monate Freiheitsentzug beendet

Fünf Monate Freiheitsentzug beendet

Fünf Monate Freiheitsentzug beendet

Stemmilt/Stemmild
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Einige mutige Hühner (inkl. Hahn) haben schon den Sprung in die Freiheit gewagt und scharren in den Muschelbergen, während andere noch zögern. Foto: Karin Riggelsen

Am Mittwoch durfte Karin Petersen ihre biodynamischen Legehennen nach langer Quarantänezeit wieder aus dem Stall lassen.

Am Mittwoch durfte Karin Petersen ihre biodynamischen Legehennen nach langer Quarantänezeit wieder aus dem Stall lassen.

„Ko-ommt, kommt-kommt, ko-ommt, kommt-kommt! Ihr dürft raus!“, macht Karin Petersen am Mittwochmorgen auf dem Hof „Birkelundgaard“ in Stemmilt ihren 12.000 Hühnern Mut. Fünf Monate lang waren ihre Legehennen mitsamt der dazugehörigen Hähne im Stall eingesperrt. Wegen Vogelgrippegefahr hatte die Lebensmittelbehörde Stallzwang für alles Federvieh verhängt.
Am Mittwoch wurde das Ausgangsverbot für Hühner und Co. aufgehoben. Kein Wunder also, dass der Weg ins Freie und in die Freiheit sich für die Stemmilter Legehennen ein wenig zaghaft und zögerlich gestaltet. Karin Petersen weiß aber, dass bei Hühnern der Mut durch den Magen geht, und sie streut leckeres Futter aus.

Karin Petersen
Karin Petersen füttert die Hühner. Foto: Karin Riggelsen

Nur zögerlich trauen sich die Hühner nach draußen

Tatsächlich wagt erst ein, dann ein zweites Huhn den Hüpfer vom Stall auf den Muschelboden im riesigen Außengehege. Im Laufe der weiteren Minuten folgen auch die anderen Hühner. Einige Angsthasen allerdings bleiben noch eine ganze Weile in der Stallöffnung stehen. „Ich stelle mir vor, dass es so ähnlich ist wie für uns Menschen, wenn wir im Schwimmbad auf der Wippe stehen. Das kostet manchen von uns auch Überwindung“, sagt die Hühnerzüchterin. An dem kühlen Nieselregen liegt es allerdings nicht, versichert sie.

„Das Wetter lieben die Hühner eigentlich. Dann finden sie im Boden auch leichter Würmer u. Ä. Ich denke, dass auch die letzten Hühner noch im Laufe des Tages den Mut finden. Sie werden schon noch herauskommen. Was mir eigentlich fast schon mehr Sorge bereitet, ist die Frage, wie ich die Hühner heute Abend wieder in den Stall bekomme“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Karin Petersen freut sich, dass die fünfmonatige Quarantänezeit jetzt endlich vorbei ist.

„Ich habe sonst immer so schöne Hühner. Jetzt sind sie doch sehr zerrupft. Besonders der letzte Monat hat ihnen arg zugesetzt“, erzählt sie. „Den Winter über war es für die Hühner nicht so schlimm, den ganzen Tag im Stall zu verbringen, zumal wir versucht haben, sie zu beschäftigen – ihnen ein wenig Abwechslung zu bereiten. Sie sind zwar etwas teurer im Futter gewesen, aber sie haben genauso viele Eier gelegt wie immer. Doch als vor einem Monat der Frühling einsetzte, haben die Hühner das natürlich auch im Stall merken können. Der Frühling hat auch hormonelle Auswirkungen. Die Hühner wurden irritiert und fingen an, sich gegenseitig zu hacken“, wird Karin Petersen richtig traurig beim zum Teil kläglichen Anblick ihrer Hühner.

Schön bin ich zwar nicht – so zerrupft, aber ungeheuer fotogen, oder? Foto: Karin Riggelsen

Auf weichen Strohstraßen geht der Übergang ganz sanft

Selbst der ansonsten so stolze Hahn wurde nicht verschont. Er sieht ohne seine üppigen Schwanzfedern nahezu amputiert aus. Wann alles wieder ausgewachsen ist, vermag Karin Petersen nicht zu sagen. Ein paar Wochen wird es sicherlich dauern, bis das Federkleid wieder einigermaßen dicht ist.
Um den Hühnern den Schritt in die Freiheit so leicht und angenehm wie möglich zu gestalten, hat Karin Petersen „Strohstraßen“ ausgelegt, d. h. quer durch das Gehege Strohballen ausgerollt. „Nach so langer Zeit wieder auf Muscheln gehen zu müssen, ist für die Hühner sicherlich auch gewöhnungsbedürftig“, ist die Hühnerzüchterin überzeugt. Die Strohstraßen werden dann auch gern von den Hühnern angenommen. Sie fangen alsbald mit dem Scharren an. Lang ist es her…

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