Gesellschaft

Die Rapstedter Kirche rückt in ein ganz besonderes Licht

Die Rapstedter Kirche rückt in ein ganz besonderes Licht

Die Rapstedter Kirche rückt in ein ganz besonderes Licht

Rapstedt/Ravsted
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Simulierte Lichtshow an der Rapstedter Kirche. Man darf gespannt sein, wie es in Wirklichkeit sein wird. Foto: Aakjer Hansen

Lokalmatador Morten Aakjer Hansen hat eine spezielle Lightshow mit Ton zusammengestellt, die in den kommenden Wochen überdimensional an die Wände der Kirche projiziert wird. Inspiriert wurde der Rapstedter in Frankreich.

Das sucht in Dänemark wohl seinesgleichen!

Am kommenden Freitag, 27. November, ist Premiere einer speziellen Lichtshow, und bis zum 20. Dezember wird das Ereignis in Raptsedt insgesamt an zwölf Abenden zu sehen sein. Als Leinwand dienen drei Wände der Rapstedter Kirche.

Roter Faden der vertonten Show ist die Kirche, das Innere des Gotteshauses, der christliche Glaube und das kirchlich-gesellschaftliche Miteinander im Ort.

Ideengeber, Regisseur, Tontechniker und Produzent in Personalunion ist Lokalmatador Morten Aakjer Hansen.

Lichtfest als Vorlage

Er ließ sich Anfang der Jahrtausendwende von einem alljährlichen Lichtfestival im französischen Chartre bei Paris inspirieren. Dort dienen Fassaden historischer Gebäude als Projektionsfläche.

Untermalt werden Motive mit Ton. Die Kathedrale spielt dabei eine zentrale Rolle.

„Ich war damals beruflich in der Gegend. Das Lichtfestival beeindruckte mich. Ich staunte auch über die damalige Technik mit so kräftiger Projektion“, erinnert sich der Rapstedter an seine erste Begegnung mit dem „Wandkino“ in Frankreich.

Er besuchte das Lichtfestival mehrmals und hat nun in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde ein eigenes Rapstedter Projekt vollendet. Dass er beruflich im IT-Bereich tätig ist und sich mit Medientechnik gut auskennt, kam ihm dabei natürlich zugute.

Morten Aakjer Hansen an seinem heimischen Computer, an dem er den Film für die Projektion an der Kirche zusammenstellte. Foto: Aakjer Hansen

Kirche und christliche Werte näherbringend

Gemeinderatsvorsitzende Tina Ommen verspricht sich viel von der Aktion.

„Wir sehen darin eine sehr gute Möglichkeit, die Kirche auf eine andere und intensivere Weise den Menschen näherzubringen. Die meisten verbinden Kirche mit Taufe, Konfirmation, Hochzeit und anderen zentralen Ereignissen. Kirche ist aber noch viel mehr, und das hoffen wir, vermittelt der Film“, so die Vorsitzende.

Neben der Stärkung des kirchlichen Wir-Gefühls in Rapstedt verbindet der Gemeinderat mit dem außergewöhnlichen Pionier-Projekt noch einen anderen Gedanken.

Tina Ommen: „Wir hoffen, dass Pastoren auf uns aufmerksam werden und feststellen, dass wir eine aktive Kirchengemeinde sind. Wir suchen immer noch einen Pastor. Vielleicht kann die Stelle ja bald besetzt werden“.

Die Vorsitzende ist Nachbarin von Morten Aakjer Hansen, und die Idee für das Projekt wurde ihr zufolge beim Smalltalk über den Zaun geboren.

Es begann an der Hauswand

„Morten hatte einen Weihnachtskalender auf sein eigenes Haus projiziert, und er erzählte vom Lichtfestival und der Kathedrale in Frankreich. Es entstand dann die Idee für den Film über unsere Kirche und unsere Kirchengemeinde“, so Tina Ommen.

Morten Aakjer hat ein Honorar für seine Bemühungen bekommen. „Es lässt sich letztendlich aber nicht mit den vielen Stunden aufwiegen, die er investiert hat. Es steckt auch viel Enthusiasmus dahinter“, so Ommen.

Die Kirche spielt bei jedem eine Rolle – mal mehr, mal weniger. Es besteht eine besondere Zusammenhangskraft zwischen Kirche und Gemeinde. Das aufzugreifen, fand ich spannend.

Morten Aakjer Hansen

Eine kleine interne Generalprobe an der Kirche hat der Gemeinderat bereits genießen können.

„Wir haben es auf der Ostseite geschaut und versucht, es möglichst geheim zu halten“, so Ommen mit einem Schmunzeln.

Sie sei angetan von den Szenen, wie etwas vom Spiel des Organisten, und von der gesamten Stimmung des sechsminütigen Films.

Man fiebere der Premiere am kommenden Freitag entgegen, „denn dann wird alles auf einer Fläche von 330 Quadratmetern zu sehen sein“.

Feste Sendezeit

Die Gemeinde hat drei Projektoren angeschafft sowie Lautsprecher. An den Wochenenden bis zum 20. Dezember (jeweils freitags, sonnabends und sonntags) wird der Film zwischen 19 und 19.30 Uhr gezeigt.

„Er dauert sechs Minuten und läuft daher in einer Schleife“, erwähnt Morten Aakjer Hansen, der den Film am heimischen PC bearbeitet, geschnitten und mit Spezialeffekten versehen hat. Vorangegangen waren Aufnahmen in der Kirche und im Ort. Nicht fehlen durfte dabei eine Sequenz mit der Orgel, feiert die in Rapstedt doch 150-jähriges Bestehen.

Der Gemeinderat liebäugelt damit, dass viele Zuschauer von außerhalb nach Rapstedt wallfahrten werden, um sich das Ereignis anzuschauen.

Der Ort könnte buchstäblich zum Hotspot werden. Man lasse gern an dem Ereignis teilhaben, betont Tina Ommen.

So könnte es aussehen: Motive an der Kirchenwand in Rapstedt Foto: Aakjer Hansen

Der Gemeinderat bittet lediglich, die Corona-Situation zu beachten, Abstand zu halten und den Kirchhof nicht zu betreten. „Die Wirkung des Films ist ohnehin von weiter weg am besten“, so der Tipp der Vorsitzenden.

Projektions-Filmemacher Morten Aakjer Hansen bezeichnet sich selbst als normales Gemeindeglied, das in erster Linie bei größeren Anlässen in der Kirche ist.

Hommage an die eigene Gemeinde

Einen besonderen Bezug zur Kirchengemeinde hat er aber schon. „Mein Vater war viele Jahre Friedhofsverwalter und ist seit rund fünf Jahren im Ruhestand. Ich bin viel hier gewesen und habe bei praktischen Dingen geholfen“, erzählt der 42-jährige, der mit Ehefrau Helle und zwei Söhnen im Alter von zehn und zwölf Jahren in Rapstedt lebt.

Es habe ihn gereizt, die Kirchengemeinde auf besondere Weise in den Mittelpunkt zu rücken und den Film zu einer Art Hommage an die Gemeinde seines Heimatortes zu machen.

„Die Kirche spielt bei jedem eine Rolle – mal mehr, mal weniger. Es besteht eine besondere Zusammenhangskraft zwischen Kirche und Gemeinde. Das aufzugreifen, fand ich spannend“, so Aakjer.

Morten Aakjer Hansen vor seinem Haus in Rapstedt. Foto: Aakjer Hansen

Im Sommer vergangenen Jahres begann er, sich intensiv mit dem Projekt zu befassen. „Ich legte mir im Kopf ein Drehbuch zurecht und begann dann, konkret zu werden. Es folgte ein Entstehungsprozess bis zum fertigen Projekt“, so Morten Aakjer Hansen, der die Anzahl der Arbeitsstunden kaum zu schätzen vermag.

Einige Hundert seien da schon zusammengekommen, so der Rapstedter mit der Hoffnung, dass die Mühe sich gelohnt hat und die Leute – ob aus dem Ort oder von außerhalb – die Show genießen werden.

Am kommenden Wochenende geht’s los.

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