Vogelschutz

Naturbehörde: Bruterfolge im Alten Friedrichenkoog

Naturbehörde: Bruterfolge im Alten Friedrichenkoog

Naturbehörde: Bruterfolge im Alten Friedrichenkoog

Hoyer/Højer
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Im Alten Friedrichenkoog stehen momentan vor allem Flächen im staatlichen Besitz unter Wasser. Die Vernässung ist Teil eines Konzeptes vogelfreundlicher Bewirtschaftung. Foto: Volker Heesch

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„Naturstyrelsen“ berichtet über Zunahme bei Uferschnepfen, Kiebitzen, Rotschenkeln und Schafstelzen. Im Projektgebiet bei Hoyer werden die Fennen feucht gehalten und weniger Weidetiere zugelassen.

Die staatliche dänische Naturbehörde „Naturstyrelsen“, die im Besitz von 200 Hektar Fläche im Alten Friedrichenkoog (Gl. Frederikskog) südlich von Hoyer ist, berichtet über erfolgreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen dort heimischer Brutvögel.

Biologe hat Brutvögel registriert

Laut der in Linnet bei Arrild platzierten Filiale der staatlichen Behörde, „Naturstyrelsen Vadehavet“, gab es Bruterfolge bei Wiesenvögeln, die landesweit seit Jahren unter Bestandsrückgängen leiden. Nach Angaben der Behörde hat eine vogelfreundliche Bewirtschaftung der in früheren Jahrzehnten wegen ihres Vogelreichtums bekannten Koogsfennen Uferschnepfen, Kiebitzen, Rotschenkeln und Schafstelzen zu viel Nachwuchs verholfen.

Vogelexperten des Dänischen Ornithologenverbandes (DOF) haben bisher vor allem Kampfläufer im Bereich des Margrethenkoogs gesichtet. Schutzmaßnahmen im benachbarten Rickelsbüller Koog hatten dort eine Wiederansiedelung der einst für die Wattenmeerküste typischen Vogelart ermöglicht. Foto: DOF

Der Biologe Henrik Haaning Nielsen, der für die Firma Avi Consult im Auftrag der Behörde die Vogelbestände in dem 1692 eingedeichten Koog zwischen Nordermühle (Nørremølle) und Rodenäs (Rodenæs) auf der deutschen Seite der Grenze erfasst und analysiert hat, berichtet, dass er 2021 sogar zwei Kampfläufer in dem Bereich gesichtet hat, die dort gebrütet haben könnten. Die erst in den vergangenen Jahren wieder im benachbarten Rickelsbüller Koog und Margrethenkoog brütenden Vögel waren aus der Tonderner Marsch lange verschwunden.

Wasserabfluss wird verhindert

Die Behörde berichtet, dass im vergangenen Jahr eine Schließung von Quergrüppeln die Fennen im Projektgebiet feucht gehalten hat. Außerdem wurden weniger Rinder zur Beweidung aufgetrieben. Das habe die Gelege der bodenbrütenden Vögel geschont. Der Alte Friedrichenkoog ist Teil des traditionellen Ent- und Bewässerungssystems des Deichverbandes der Tonderner Marsch.

Erwähnt wird auch, dass das feuchte Wetter im Mai 2021 den Bruterfolg der Wiesenvögel gefördert haben könnte. Die Behörde berichtet über weitere Maßnahmen auf ihren Flächen, um den Bruterfolg der Wiesenvögel im Alten Friedrichenkoog, der nach dem Gottorfer Herzog Friedrich III. benannt worden ist, weiter zu fördern.

Auf Karten Vogelvorkommen verzeichnet

Es wurden neue Grüppel auf 60 bis 70 Hektar Fläche angelegt, die so gestaltet sind, dass die Fennen im Frühjahr feuchter bleiben. Auch wird das Bewässerungssystem justiert, sodass mehr Wasser zurückgehalten wird, ohne angrenzende Privatflächen zu überfluten. Über Details der Maßnahmen informiert die Naturbehörde auf der Homepage naturstyrelsen.dk unter der Rubrik „lokale enheder“, wo „Naturstyrelsen vadehavet“ angeklickt werden muss.

Die Uferschnepfe ist im Alten Friedrichenkoog wieder häufiger zu sehen. Die Wiesenvogelart vollführt im Frühjahr auffällige Singflüge, um ihr Brutrevier zu markieren. Foto: Volker Heesch

Im Bericht des Biologen Haaning Nielsen werden neben den Kampfläufern, von denen die Männchen durch ein buntes Prachtgefieder auffallen, 32 Brutpaare der Uferschnepfen, 43 Rotschenkelpaare, 2 Paare Austernfischer, 4 Paare Bekassinen und 25 Kiebitzbrutpaare aufgeführt.

Diese Karte aus dem Bericht der Naturbehörde zeigt Brutplätze der Uferschnepfe im Frühjar 2021. Das staatliche Fördergebiet ist rot markiert. Foto: Naturstyrelsen

Eine Besonderheit ist auch der dichte Bestand an Schafstelzen. Die durch ihr knallgelbes Gefieder auffallenden Verwandten der Bachstelze sind im Alten Friedrichenkoog mit 88 Brutpaaren vertreten.

Die Schafstelzen fühlen sich besonders wohl im Alten Friedrichenkoog. Foto: Volker Heesch
Die Naturbehörde hat Veränderungen am Be- und Entwässerungssystem im Bereich ihrer Flächen vorgenommen, um dort Brutvogelbestände zu stärken. Trotz Naturschutzes brüten die Trauerseeschwalben nicht mehr in diesem Gebiet. Foto: Volker Heesch

Auch Enten brüten auf den von vielen Kanälen und Gräben durchzogenen Flächen in Nachbarschaft zur Wiedau: 9 Schnatterenten, 11 Löffelenten und 35 Knäkenten. Laut Bericht waren jeweils besonders viele der Brutpaare auf dem staatlichen Gebiet beobachtet worden.

Der Biologe erläutert auch, dass in der Nähe des 1692 gebauten Deiches, auf dem zwischen Nordermühle und dem Siltoftvej im Neuen Friedrichenkoog teilweise ein Weg verläuft, nur wenige Vögel erfolgreich brüten. Er vermutet, dass Greifvögel den Deich als Ausguck nutzen und angrenzende Nester plündern.

Bei der Naturbehörde herrscht jetzt Spannung, ob die jüngsten vogelfreundlichen Maßnahmen in diesem Frühjahr noch mehr Brutvögeln zugutekommen. Seit 1988 regeln gesetzliche Vorschriften die Bewirtschaftung unter anderem im Alten Friedrichenkoog.

Interessantes Gebiet für Naturfreunde

Hintergrund waren damals festgestellte Bestandsrückgänge bei den zuvor in der Tonderner Marsch häufigen Vogelarten.

Der Alte Friedrichenkoog ist für Naturinteressierte und Wanderer gut erreichbar. Es gibt beschilderte Wanderrouten und Infotafeln. Im Winter sind dort auch viele überwinternde Zugvögel zu sehen, vor allem Weißwangengänse. Auch Greifvögel wie der Seeadler besuchen das Gebiet.

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