Stromtrasse

Das leuchtende Signal gegen Hochspannungsmasten soll bis Kopenhagen reichen

Signal gegen Hochspannungsmasten soll bis Kopenhagen reichen

Signal gegen Hochspannungsmasten soll bis Kopenhagen reichen

Tondern/Lügumkloster
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Die Fackelträger in Tondern
Mitinitiatorin Birgitte Klippert führte den Fackelumzug in Tondern an. Foto: Elise Rahbek

Die Initiatorinnen für die Fackelumzüge gegen die Hochspannungsleitung freuen sich über die Rückendeckung. Die Fackelträger befürchteten die Verschandelung von Naturwerten.

In Tondern folgten etwa 80 Bürger der Aufforderung zu einem Fackelumzug als Protest gegen die vom staatlichen Netzbeteiber Energinet geplante 400 Kilovolt-Hochspannungsleitung. Auf ihrer Strecke von 170 Kilometern ab Holstebro bis zur Grenze führt die auf Wechselstrom basierende Freileitung auch durch die Kommune Tondern. Dort sind 100 Strommasten vorgesehen.

Anette Abildgaard Larsen, Stadtratspolitikerin der Konservativen Volkspartei in Tondern und ihre Parteivorsitzende, Birgitte Klippert, hatten die Aktion initiiert, da sie gegen die Luftleitung sind und sich eine unterirdische Lösung wünschen. Gleicher Meinung waren in Scherrebek am Sonntagabend rund 70 Bürger und in Bredebro marschierten 30 Leute mit.

„Aus Toftlund habe ich noch keine Rückmeldung“, sagt Anette Abildgaard Larsen dem „Nordschleswiger“. Sie ist mit dem Zuspruch, der im Vorfeld schwer abzuschätzen gewesen sei, zufrieden.

In Lügumkloster beteiligten sich 12 Bürger. Ihr Tenor war, dass sie es nicht ohne Weiteres hinnehmen wollen, dass die Natur im Westen Nordschleswigs verschandelt werde, während die Region nicht direkter Nutznießer der Stromleitung sei.

Nicht nur die Hände in den Schoß legen

„Wenn man nichts tut, ist man jedenfalls sicher, dass sich nichts ändert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas ändert, mag vielleicht nicht besonders groß sein, wir hoffen aber, dass das Signal auch in Kopenhagen ankommt“, sagte Claus Hansen beim Auftakt bei der Klosterhalle.

Der Kommunalpolitiker der Liberalen Allianz und sein Stadtratskollege Jens Møller (parteilos) hatten eingewilligt, in Lügumkloster das Zepter für den Fackelzug zu übernehmen.

„Ich bin, seitdem ich das erste Mal von dem Projekt gehört habe, gegen die großen Masten gewesen. Es handelt sich nicht um Strom, der uns zugutekommt. Nichts deutet darauf hin, dass in diesem Zusammenhang die gesunde Vernunft zum Einsatz kommt, und ich möchte gerne die gute Initiative unterstützen“, sagte Christa Lorenzen aus Drawitt/Draved.

Es geht mir auch darum, die Interessen der Natur wahrzunehmen. Die Natur hat selber keine Stimme, die sie einbringen kann.

Christa Lorenzen, Teilnehmerin an dem Protestmarsch

„Es geht mir auch darum, die Interessen der Natur wahrzunehmen. Die Natur hat selber keine Stimme, die sie einbringen kann“, so Christa Lorenzen, die erstmals in ihrem 64-jährigen Leben an einem Protestumzug teilnahm.

Zu den Fackelträgern gehörte Finn Classen, der auch die Initiative unterstützen wollte. „Für mich harmoniert es überhaupt nicht, wenn zum Beispiel erst Geld in das Naturgebiet Söllstedter Moor gesteckt wird, und dann anschließend dort in der Nähe eine Stromleitung verlaufen soll“, so Classen.

Die Teilnehmer in Lügumkloster
Christa Lorenzen (m.) schloss sich dem Protestmarsch in Lügumkloster an. Foto: Monika Thomsen

Für Annette Abildgaard Larsen ist das Thema mit dem Fackelumzug noch nicht abgehakt. „Wir arbeiten weiter und befassen uns zum Beispiel mit wissenschaftlichen Artikeln über die Strahlung von Hochspannungsleitungen.“ Eine Wiederholung des Fackelumzugs planen sie nicht unmittelbar. „Das war schon sehr arbeitsaufwendig“, sagt sie.

Mehr Informationen für Bürger gefordert

Die Politikerin will sich dafür stark machen, dass die Bürger bei staatlichen Vorhaben eingehender informiert werden. „Bei diesem Projekt sind nur die Bürger in der ausgewiesenen Zone der Streckenführung von Energinet informiert worden. Ich wünsche mir, dass in einem solchen Fall alle Bürger in der Kommune den Bescheid in ihrer E-Box erhalten. Ich bin darüber überrascht, wie viele nichts davon wissen. Das ist, weil die Informationen schwer zugänglich sind“, sagt die Kommunalpolitikerin.

„Ich hoffe, dass Energinet sich etwas besinnt und ich sehe es nicht als unmöglich an, dass das Thema neu überarbeitet wird. Wenn es anderswo in der Welt machbar ist, sollte es auch hier der Fall sein. Bei dem von Energinet vorgesehenen Zeithorizont ist es aber nicht umsetzbar, dies bedeutet aber nicht, dass eine Lösung mit Erdkabel nicht möglich ist“, meint Anette Abildgaard Larsen.

Bürger beim Anzuenden der Fackeln
Bürger beim Anzünden der Fackeln. Zum Auftakt wurde gesungen. Foto: Elise Rahbek

Direktor zeigt Verständnis

„Ich habe Veständnis dafür, dass einige der Auffassung sind, dass es ungerecht und unangemessen ist, dass die nordschleswigsche Natur Raum für Masten und Leitungen bieten soll, damit Bürger und Unternehmen in ganz Dänemark und in unseren Nachbarländern einen sicheren und klimafreundlichen Strom beziehen können“, hatte der Direktor von Energinet Eltransmission, Henrik Riis, im Vorfeld in einer Pressemitteilung erklärt.

Er habe Respekt davor, dass man als Bürger alles daran setze, seinen Lokalbereich von technischen Anlagen frei zu halten, die diesem Gebiet nicht direkt einen Nutzen bringen.

Ende Januar veröffentlicht Energinet seinen endgültigen Vorschlag für die Streckenführung ab Endrup bei Esbjerg bis zur Grenze.

In Tondern gingen alle Altersklassen gegen die Strommasten auf die Straße. Foto: Elise Rahbek

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