Landwirtschaft

Warmer Winter, früher Frühling: Sorgenfalten bei den Landwirten

Warmer Winter, früher Frühling: Sorgenfalten bei den Landwirten

Warmer Winter, früher Frühling: Sorgenfalten bei Landwirten

Anna-Lena Schiemann
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Rhododendron
Der Rhododendron blüht in Nordschleswig bereits auf. Foto: Karin Riggelsen

Kommt der Winter jetzt im März? Viele Pflanzen treiben schon Blüten. Hätte es nicht so sehr geregnet, wären viele Felder schon bestellt. Frost wäre nun gar nicht gut, sagen die Bauern.

Dem Dänischen Meteorologischen Institut (DMI) zufolge war der Winter 2019/2020 der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1874. Und das hat Auswirkungen auf die Pflanzenwelt: Wie die Wissenschaftszeitung Videnskab.dk berichtet, entdeckte ein Ehepaar die ersten blühenden Buschwindröschen (anemoner) bereits am 6. Februar in einem Wald bei Horsens. Das ist dem Ökologen Kaj Sand-Jensen ungewöhnlich aber doch, der milden Temperaturen wegen, erwartbar. Seinen Worten nach blühen die Buschwindröschen normalerweise rund sechs Wochen später. Er denkt, dass auch die Buchen in diesem Jahr deutlich früher austreiben. Wie Danmarks Radio berichtet, blühen ebenfalls bereits die Mirabellenbäume, erste Zitronenfalter sind unterwegs und die Brennnesseln wachsen – wie auch der Bärlauch.

Probleme für Allergiker

Was im ersten Moment sehr idyllisch erscheint und für Frostbeulen zwar ganz angenehm sein mag, wird für Allergiker schnell zum Albtraum: Durch den milden Winter verkürzt sich die Zeit, in der sie Ruhe vor Blüten- und Gräserpollen haben deutlich. Schon im Januar flogen Haselnuss- und Erlenpollen durch die Luft

Auch in der Landwirtschaft hat der Frühling längst begonnen

„Unser Frühlinganfang war schon Mitte Februar“, sagt Christian Petersen vom LHN. Und eigentlich hätte er da auch schon pflanzen können, so der Biolandwirt. Das Problem: Durch die großen Niederschlagsmengen im Februar kann der Boden im Moment nicht bestellt werden. Die Erde ist zu feucht. „Es macht sich eine große Frustration breit“, so Christian Petersen.

Einen Vorteil hat die große Niederschlagsmenge aber: Denn je früher Pflanzen austreiben, desto mehr Wasser brauchen sie.

Ist dann im Frühling zu wenig Wasser im Boden, kann das zu Austrocknung und Hitzewellen im Sommer führen. So belegte es letztens eine Studie chinesischer Forscher im Wissenschaftsmagazin SienceAdvances.

Ein weiteres Problem des milden Winters ist das Überleben von Unkraut. Pflanzen, die sonst bei Minusgraden eingehen, überlebten diesen Winter. Das bedeutet vor allem Mehrarbeit für die Landwirte.

Gibt es vor dem Sommer noch einen Winter?

Einige Prognosen gehen trotz des warmen Jahresbeginns von einem Winter im März aus. Denn in den vergangenen Jahren kam es häufig vor, dass auf einen sehr warmen Winter ein verspäteter Kälteeinbruch im März folgte. Dies hätte fatale Folgen, vor allem für die Landwirtschaft. Denn viele Pflanzen sind nicht dazu gemacht, längere Frostperioden zu überstehen.

Allerdings sprechen andere Prognosen jetzt schon von Wärmerekorden im März und April.

Christian Petersen gibt sich optimistisch: „Wir wollen anfangen, unser Frühling ist jetzt. Einen Winter im Frühling können wir nicht gebrauchen.“

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