Minderheiten im Dialog

Ideen für eine bessere Zukunft

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Tim Wegner
Flensburg
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Die Diskussion offenbarte manch lustige Einblicke ins Leben als Teil einer nationalen Minderheit. Foto: Tim Wegner

Am Mittwoch hat Lasse Tästensen, Vereinskonsulent des Deutschen Jugendverbands Nordschleswig, internationalen Besuchern die Jugendarbeit der deutschen Minderheit vorgestellt.

Seit 2011 treffen sich jährlich in Flensburg beim Europäischen Zentrum für Minderheitenfragen (ECMI) Jugendliche aus verschiedenen Minderheiten in Europa. Bei dem Projekt Summer School arbeiten sie eine Woche lang intensiv an Projekten zu verschiedenen Themen. 2017 ist das Jahr der deutsch-georgischen Freundschaft. Deshalb stand dieses Jahr die Geschichte der deutschen Minderheit in Georgien im Fokus der Veranstaltung. Der Nordschleswiger begleitete den Vereinskonsulent des Deutschen Jugendverbands Nordschleswig, Lasse Tästensen, zu einer Debatte in die dänische Zentralbibliothek nach Flensburg.

Die Frage nach der Identität in der Grenzregion

Um den Seminarteilnehmern die Arbeit der deutschen und der dänischen Minderheit in der Region Schleswig näher zu bringen, lud das ECMI Vertreter der Minderheiten für eine Diskussionsrunde ein. Für die deutsche Minderheit nahm Lasse Tästensen teil. Eigentlich sollte er über die Jugendarbeit in der deutschen Minderheit sprechen, jedoch interessierten sich die Seminarteilnehmer anfangs besonders stark für das Thema Identität. Ein wichtiger Kernaspekt der Identität ist, für viele Minderheiten, der Umgang mit der Sprache. Lasse Tästensen thematisierte die Bedeutung der deutschen Sprache für die Minderheit in Nordschleswig. Er erklärte dies anhand des Modells der deutschen Schulen in der Region.

Doch die Teilnehmer interessierten sich viel mehr dafür, für welche Nationalmannschaft Lasse Tästensens Herz als Nordschleswiger mit dänischen Pass schlägt. Die Beantwortung solcher Fragen setzt immer ein gewisses Fingerspitzengefühl voraus. Gekonnt diplomatisch drückte sich Lasse Tästensen aus. Um niemanden zu verärgern, wie er sagt.

Die dänische Minderheit wurde von dem 19-jährigen Abiturienten Matti vertreten. Dieser ergänzte Lasse Tästensens Informationen und betonte die wichtige Bedeutung der gemeinsamen Jugendprojekte der beiden nationalen Minderheiten der Region. In diesem Teil der Debatte wurde deutlich, dass die Sprache einen hohen Stellenwert für die Erhaltung der Kultur der beiden Minderheit hat.

Die Teilnehmer der Summer School kamen aus verschiedenen Teilen Europas. Viele von ihnen stammen aus Georgien. Sie waren besonders an der Umsetzung der Bonn-Kopenhagener Erklärungen interessiert. Lasse Tästensen diskutierte über die Vor-und Nachteile des „Minderheiten wer will“-Prinzips. Unterstützt wurde er von dem dänischen Wissenschaftler Rejhan Bosnjak. Dieser schreibt seine Doktorarbeit über die Selbstwahrnehmung der dänischen Minderheit in Deutschland.

Bosnjak brachte mit seinen Redebeiträgen einen fundierten wissenschaftlichen Überblick über die Situation Minderheiten in der jeweiligen Gesellschaft der Nationalstaaten. Ein weiteres Thema auf der Agenda der Veranstaltung war die der finanziellen Umsetzung der Projekte. Ausführlich berichtete Lasse Tästensen über die Finanzierungsmöglichkeiten der Jugendprojekte. Kurzzeitig wurde auch über die finanzielle Unterstützung von „neuen“ Minderheiten aus den arabischen Staaten diskutiert. Eine Debatte die teilweise ihren Faden verlor.

Europäische Solidarität für Minderheiten stärken

Der nächste Themenblock, den die Projektleiterin des ECMI Tamari Bulia ansprach, waren die Möglichkeiten der europäischen Zusammenarbeit.

Ein Teilnehmer von der usbekischen Minderheit fragte, wieso sich die Minderheiten überhaupt noch bei der FUEV (Föderalistische Union europäischer Volksgruppen) engagieren würden? Seiner Meinung gehe es den beiden nationalen Minderheiten in der Region Schleswig so gut, dass man den Status quo nicht weiter verbessern müsse.
Lasse Tästensen erklärte dem Studenten, dass es um Solidarität mit anderen europäischen Minderheiten gehe. Man lerne dauerhaft voneinander und müsse auf europäischer Ebene noch stärker zusammenwachsen.

Abschließend wurde noch über das Minority SafePack gesprochen und über die persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierungen als Mitglied einer nationalen Minderheit. Sowohl Lasse Tästensen, als auch Matti, haben wenig Erfahrung mit persönlicher Diskriminierung gemacht, sagten. Jedoch merkte Tästensen an, sei dies nicht selbstverständlich. Seine Eltern hätten noch eine andere Situation erlebt. Am Ende brachte er noch das Beispiel, einiger negativer Reaktion von dänischer Seite auf die Kandidatur des SP Politikers Stephan Kleinschmidt als Bürgermeister in Sonderburg.

Nach gut 90 Minuten war die Debatte vorbei und die Teilnehmer konnten sich über viele neue Einblicke in die Arbeit der beiden Minderheiten freuen.

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