Landwirtschaft

Landwirte schauen mit Sorge in Richtung Aarhus

Landwirte schauen mit Sorge in Richtung Aarhus

Landwirte schauen mit Sorge in Richtung Aarhus

Aarhus/Nordschleswig
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Foto: dpa

Stadtrat beschließt, zum Schutz von Trinkwasser, Landwirten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verbieten.

Der Stadtrat der Kommune Aarhus hat elf Landwirten verboten, Pflanzenschutzmittel auf ihren Feldern einzusetzen, um den darunter liegenden Trinkwasserbrunnen zu schützen. Auch in Nordschleswig wird die aarhusianische Stadtratsentscheidung beobachtet, denn die Angst, dass in anderen Kommunen gleiche Entscheidungen folgen, ist groß.

Jørgen Popp Petersen, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), sieht die Politik ins Spiel kommen, sollte die Entscheidung nach einem rechtskräftigen Gerichtsurteil weiterhin Bestand haben. „Dann dreht es sich für die Bauern darum, wie der Stadtrat zusammengesetzt ist. Denn können solche Verbote ausgesprochen werden, werden „grüne“ Parteien ihre Ziele auch mit solchen Mitteln umsetzen. Das gibt eine große Unsicherheit für die Gesellschaft und die Bauern“, bangt er.

Verwundert

Er wundere sich jedoch über die Vorgehensweise in Aarhus, denn normalerweise werden solche Probleme durch Verhandlungen zwischen Landwirten und Wasserversorgern geregelt, erklärt er und macht darauf aufmerksam, dass ein Wechsel von konventioneller hin zur ökologischen Landwirtschaft nicht erzwungen werden dürfe und Zeit brauche. „Wir können ja auch nicht von heute auf morgen die CO2-Produktion stoppen“, sagt er.

Christian Petersen, Berater für Pflanzenanbau beim LHN, ist ebenso besorgt über die Nachricht aus Aarhus. „Sollte eine solche Entscheidung Schule machen, könnte das ein Freipass für die Kommunen werden. Den Landwirten wird damit die Selbstbestimmung genommen“, erklärt er. Er könne jedoch den Streitpunkt zwischen Bauern und Stadtrat, als Vertreter der Bürger, erkennen, denn „die Forderung nach sauberem Trinkwasser auf der einen Seite und Unternehmenseigentümer mit Existenzängsten auf der anderen Seite stehen sich gegenüber“, sagt er. Dem stimmt Troels Toft, Sektordirektor beim landwirtschaftlichen Beratungsinstitut Seges, zu. Er ergänzt, dass „in Aaarhus über das Gesetzt hinweg entschieden wurde“.

Gegen die Entscheidung vorgehen

Die elf betroffenen Bauern sind entsetzt über das Verbot und fürchten um ihre Existenz. Sie wollen – auch mit Unterstützung des Branchenverbands Landbrug & Fødevarer gegen die Entscheidung vorgehen, denn „wir haben nur erlaubte Schutzmittel eingesetzt, und wenn wir auf ökologischen Anbau umstellen müssen, werden wir finanzielle zugrunde gehen und unseren Betrieb verkaufen müssen“, wie Jens Anke Bøje, einer der betroffenen Landwirte, gegenüber TV2 Østjylland sagte. Der Stadtrat begründet das Verbot mit dem Fund von Pflanzenschutzmitteln, mit Werten, die weit über dem Erlaubten liegen und so das Trinkwasser vergifteten.

Landbrug & Fødevarer kontert, dass es sich bei dem größten Teil der gefundenen Gifte um Mittel handele, die schon seit Jahren verboten seien und deshalb die dort heute arbeitenden Landwirte keine Schuld treffe. Das schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung.

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