Fussball

„Wir werden schon am Montag in Brøndby jagen“

„Wir werden schon am Montag in Brøndby jagen“

„Wir werden schon am Montag in Brøndby jagen“

Hadersleben/Haderslev
Zuletzt aktualisiert um:
Michael Boris an seinem ersten Arbeitstag bei SønderjyskE. Foto: Karin Riggelsen

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Auf eine aktivere Spielweise werden sich die SønderjyskE-Fans einstellen müssen. Der neue Trainer will von Anfang an versuchen, seine Ideen umzusetzen.

Einen ruhigen ersten Arbeitstag hatte Michael Boris, als er am Montagvormittag seinen Dienstantritt bei SønderjyskE hatte. Der neue Cheftrainer ließ Athletiktrainer Yannick Durand einige Fitnesstests durchführen und schaute sich von der Seitenlinie alles an.

Doch vieles deutet darauf hin, dass es in den nächsten vier Wochen bis zum ersten Superliga-Spieltag alles andere als ruhig wird. Der neue Cheftrainer will von Anfang an versuchen, seine Ideen umzusetzen.

„Wir werden schon am Montag in Brøndby jagen. Wir können natürlich nicht auf lange Zeit jagen, aber wir jagen erstmal. Auch mit Sinn und Verstand. Da müssen wir jede Trainingseinheit nutzen, damit sie wissen, was sie zu tun haben“, sagt Michael Boris im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“, mit Blick auf das erste von vier Testspielen am kommenden Montag beim dänischen Meister in Brøndby: „Ich habe in vielen Spielen gesehen, dass sie es gemacht haben, aber sie haben es nicht zu Ende gemacht. Das heißt, ein Teil der Mannschaft hat halt nicht mitgejagt, dann entstehen Löcher und dann haben sie ein Riesenproblem. Da werde ich drauf hinausgehen. Fehler sind total erlaubt hier, nur mach sie nicht so häufig. Also nach dem zweiten oder dritten Mal, dann mach deinen Job!“

Michael Boris mit seinem neuen Trainerstab, Transitionstrainer Mohammed Hamad und Co-Trainer Simon Poulsen. Foto: Karin Riggelsen

Der 46-Jährige hat bereits viele SønderjyskE-Spiele aus der vergangenen Saison analysiert und ist davon überzeugt, dass der SønderjyskE-Kader zu seiner aktiven Spielweise mit Pressing und Gegenpressing passt.

„Ich glaube ja. Albæk hat in Lautern gespielt. Da sind viele dabei, die Erfahrung haben, wie Marc und AK (Dal Hende und Jacobsen, d. Red.). AK läuft vorne brutal gut an, finde ich, kann versuchen, das Spiel auf eine Seite zu lenken, und dann ist man aktiv. Ich glaube schon, dass man sehr viele Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte generieren kann. Es geht um Schnelligkeit, aber nicht um High-End-Schnelligkeit wie Ronaldo. Wir müssen aktiver sein, und ich glaube, dass das Fundament gelegt ist, auch in der letzten Saison schon. Vier Wochen sind kurz, aber wir wollen gucken, dass wir so gut wie möglich aus den Startlöchern kommen. Wir werden auf keinen Fall auf hundert Prozent kommen, das kann ich jetzt schon sagen, aber so nah wie möglich da dran sind. Viele Spiele sind erst in der zweiten Halbzeit entschieden worden, und nicht so zu Beginn, aber wir wollen zu Beginn ein bisschen Theater machen“, verspricht Michael Boris.

Der Deutsche arbeitete in den vergangenen zwei Jahren bei MTK Budapest und hat sich in Ungarn mit seiner Arbeit mit jungen Spielern einen Namen gemacht, aber es bleibt weiter Platz für die älteren Spieler.

„Wir haben im Winter bei MTK Budapest Roland Varga geholt, der jetzt auch Nationalmannschaft gespielt hat. Der hat bei Ferencvaros vielleicht 100 Minuten gespielt. 31 Jahre, im Winter geholt, macht zehn Tore und vier Assists. Es geht nicht um das Alter, aber wenn ich nur meine Karriere ausklingen lassen möchte, dann bin ich der Falsche dafür. Ich habe auch den Jungen gesagt, das ist kein Freifahrtschein. Es ist nicht so, dass sie spielen können, nur weil sie jung sind. Sie müssen schon besser sein. Wenn ein Junger besser ist als AK, Marc oder Albæk, dann ist alles gut, aber wenn ich sehe, dass Albæk marschiert und der Zweitletzte, der beim Yoyo-Test übrig bleibt, dann habe ich keine Fragen. Ich habe auch viele Daten gesehen. Albæk läuft wie ein Wahnsinniger im Mittelfeld. Es muss also einen Grund geben, um den wegzudrücken, und wenn der Junge das nicht kann, dann hat er keine Berechtigung zu spielen“, so der neue SønderjyskE-Trainer.

Michael Boris trainierte zuletzt MTK Budapest in der ungarischen Liga. Foto: Karin Riggelsen

Julius Eskesen, Mads Albæk und Julius Beck hielten beim Yoyo-Test am längsten durch.

„Bei so einem Test sieht man auch, wer leidet, wer geht über diese Grenze drüber hinweg. Da war ich positiv beeindruckt. Das ist der Eindruck, wo man sieht, da geht einer noch zwei, drei Meter über sich hinaus“, sagt Michael Boris an seinem ersten Arbeitstag in Dänemark, wo er Neuland betritt.

„Für mich ist es eine bessere Liga als die ungarische“, meint der Deutsche auf die Frage, was ihn an dem Job in Dänemark gereizt hat: „Das ganze Projekt hat mich gereizt. Ich bin in Ungarn entlassen worden, aus dem Nichts. Ich hatte noch ein Jahr Vertrag, aber der sportliche Leiter hat mir gesagt, dass die sich anders orientieren wollen. Da ist man kurz geschockt, ich habe eine Woche oder zehn Tage gebraucht. Dann guckt man sich schon um. Ich war noch nicht oft und lange arbeitslos, und dann habe ich mich gekümmert. Ich habe die Jobbeschreibung gelesen, und dann habe ich mich erstmals auch richtig mit dem dänischen Fußball befasst, was SønderjyskE betrifft, wie gespielt wurde und was war die Idee von dem Verein. Ich konnte mich mit allem identifizieren. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, aus einer Arbeiterregion. Erster Step war die Bewerbung, die ich rausgeschickt habe. Dann fing ich an, mir Spiele anzugucken. Ich habe viel „Nordschleswiger“ gelesen und habe dann auch gelesen, dass sie ein bisschen jagen wollen, hohes Anlaufen wollen und pressen wollen. Ich habe erzählt, was ich bei MTK geändert habe. MTK hat vorher nur Ballbesitz-Fußball gespielt, muss man auch wissen. Ich habe mich schon im Vorfeld für SønderjyskE entschieden, und nach vielen Zoom-Calls und einem langläufigen Prozess haben die alle auch gesagt, der hat was.“

Die Ansprache an die Mannschaft hielt er auf englisch, doch bald schon werden dänische Wörter folgen.

„Ich spreche auch ungarisch. Nicht fließend, aber zu 70 oder 80 Prozent verstehe ich. Für mich ist es grundlegend, dass ich auch die Sprache spreche, wenn ich irgendwo bin. Das geht nicht, dass ich so arrogant bin und beim Bäcker mit deutsch reingehe. Ich habe heute auf meiner App gelernt, dass links und rechts „venstre“ und „højre“ heißen. Die ersten 50 Wörter werde ich schnell lernen, beispielsweise wie Ball, eins, zwei, drei, kurz spielen, lang spielen auf dänisch heißt“, sagt Michael Boris.

Mehr lesen