Südschleswig

„Ich bin angekommen“: Christian Dirschauer ist der neue SSW-Landtagsabgeordnete

„Ich bin angekommen“: Christian Dirschauer ist der neue SSW-Landtagsabgeordnete

Christian Dirschauer ist der neue SSW-Landtagsabgeordnete

Kay Müller, shz.de
Kiel/Flensburg
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Freut sich auf seine erste Rede im Landtag in dieser Woche: Christian Dirschauer ist für Flemming Meyer nachgerückt. Foto: Ruff

Der neue SSW-Landtagsabgeordnete hat in dieser Woche seinen ersten Auftritt im Plenum. Wer ist Christian Dirschauer?

Einen Zahn musste Christian Dirschauer seiner sechsjährigen Tochter gleich zu Anfang ziehen. „Als die gehört hat, dass ich in den Landtag nachrücke, hat sie gesagt: ,Papa bestimmt jetzt über Schleswig-Holstein‘“, erzählt der dreifache Familienvater lachend – und sagt dann gleich in professionellem Politikersprech: „In dieser Form kann ich diese Aussage natürlich nicht so stehen lassen.“

Denn seit er Anfang August das Mandat von Noch-SSW-Parteichef Flemming Meyer übernommen hat, ist er zwar Mitglied des Landtages, bildet aber eben nur mit Lars Harms und Jette Waldinger-Thiering die kleinste Gruppierung im Parlament. Machtlos jedoch fühlt sich der Flensburger keinesfalls. „Wir wollen hier etwas erreichen und durchsetzen.“

Wir wollen hier etwas erreichen und durchsetzen.

Christian Dirschauer (SSW)
Dirschauer ist nicht wie andere Neulinge in Kiel eher zurückhaltend und vorsichtig. Stattdessen sagt er nach drei Wochen im Landeshaus: „Ich bin hier angekommen.“

Dabei ist der 39-Jährige kommunalpolitisch zuvor kaum in Erscheinung getreten, auch weil er das als Leiter der Personalabteilung bei der Stadt Flensburg gar nicht konnte. Aber in der Gewerkschaft Komba, die die Interessen von Beschäftigten im öffentlichen Dienst vertritt und deren Landesvorsitzender er seit 2016 ist, hat er gelernt, Politik zu machen und mit Widerständen klar zu kommen. „Reden zu halten, ist jetzt nicht das Problem für mich.“

Familie gehört der dänischen Minderheit an

Das hat er auch schon auf SSW-Parteitagen getan, deren zweiten stellvertretenden Vorsitz Dirschauer seit 2017 inne hat. Und seine Familie gehört der dänischen Minderheit an. „Meine Ur-Ur-Großeltern haben schon bei der Volksabstimmung 1920 für Dänemark gestimmt.“ Dirschauers Eltern waren Mitglied des SSW, und er ist es seit seinem 16. Lebensjahr.

Der 39-Jährige steht auch für eine Verjüngung der Partei, dessen Mitgliedschaft im Vergleich zu anderen älter ist. Deswegen will sich Dirschauer neben seinen Initiativen für mehr Geld für Beschäftigte im öffentlichen Dienst auch um die Infrastruktur und die Familienpolitik kümmern. „Wir müssen gerade an die Leute ran, die zwischen 35 und 50 Jahre alt sind, die müssen wir stärker an der Politik beteiligen.“

Also Leute wie er selbst. Und als Abgeordneter will er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch vorleben. „In den Herbstferien mache ich auch eine Woche Urlaub mit meiner Familie.“

Dabei wird die Arbeit im Landeshaus nicht weniger. Die drei SSW-Abgeordneten müssen alle Politikfelder abdecken. Da werde jeder zum Generalisten. „Und die Fußstapfen von Flemming Meyer sind groß“, meint Dirschauer, der aber seinen eigenen Weg gehen will.

Ziel fünf Prozent – und die Bundesebene?

In der Partei gilt er als fortschrittlich, befürwortet etwa die Kandidatur des SSW bei der Bundestagswahl. „Wir können auch da als sozialpolitische Regionalpartei etwas erreichen.“

Das will Dirschauer auch in Kiel, denn er macht deutlich, dass er sich von seinem Job in der Verwaltung nicht nur für zwei Jahre verabschiedet hat. „Die letzten Umfragen sahen den SSW bei 4,5 Prozent, mein Ziel ist es, die fünf Prozent zu schaffen“, sagt der Neu-Berufspolitiker.

Sein Herz schlägt links

Zwar würden vielleicht auch 3,5 Prozent für einen dritten Sitz im Landtag reichen, aber Dirschauer setzt sich gern Ziele – auch wenn es um die Regierung geht. „Mein Herz schlägt ganz klar links“, sagt der Flensburger.

Aber auch Jamaika sieht er nicht nur kritisch. Das sei Teil der nordisch-pragmatischen SSW-Art. „Wenn es inhaltlich passt, kann ich mir da auch mit dem einen oder anderen Handelnden eine Kooperation vorstellen.“ Koalition und Regierung nicht ausgeschlossen. Und dann wäre es zumindest ein bisschen mehr so, wie seine Tochter vor ein paar Wochen gesagt hat. Christian Dirschauer könnte dann jedenfalls noch etwas mehr über Schleswig-Holstein mitbestimmen.

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