Corona-Krise

Katastrophaler Neustart für Gastronomen in SH

Katastrophaler Neustart für Gastronomen in SH

Katastrophaler Neustart für Gastronomen in SH

Dieter Schulz/shz.de
Kiel
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Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Masse der Unternehmen in Schleswig-Holstein liegt nur bei 60 Prozent des früheren Umsatzes. Dehoga befürchtet Schließungswelle.

„Die ersten zwei Wochen nach der Teilöffnung am 18. Mai waren für unsere Betriebe katastrophal“, bilanziert Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbandes Schleswig-Holstein.

Abstandsregeln und eine bis heute anhaltende Verunsicherung der Gäste habe dazu geführt, dass die knapp 4000 Gastronomie-Unternehmen im Land nur zwischen 20 und 30 Prozent des Vor-Corona-Umsatzes erzielt hätten, so Scholtis.

Inzwischen würden Gastronomen „in erster Lage“, also Betriebe am Strand oder an der Küste in erster Reihe und mit Außenflächen, bis zu 80 Prozent der alten Umsätze erzielen.

Aber Verluste würden alle machen, denn die Betriebskosten seien bei 100 Prozent, erklärte der Dehoga-Chef. In zweiter und dritter Reihe kämen die Gastronomiebetriebe heute nur noch auf 30 bis 60 Prozent der Vorjahreserlöse.

Aufgabewelle im Herbst erwartet

Er erwartet für den Herbst eine Aufgabewelle unter den Gastronomen. „Jetzt gibt es ein großes Bestreben, durchzuhalten“, sagt Scholtis, aber am Jahresende werden viele den großen Kassensturz machen. Ein Landgasthof lebe von Veranstaltungen, Tanz und Familienfeiern.

Wenn diese von März bis November abgesagt würden, können sich die Verluste für den Wirt auf bis zu 600.000 Euro summieren. „Was wir brauchen, ist eine klare Perspektive von der Politik“, fordert Scholtis. Knackpunkte seien Maskenpflicht und Abstand.

Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs zeigte zwar Verständnis für die Ungeduld des Dehoga-Hauptgeschäftsführers, hält die bisherige Schrittfolge der Lockerungen aber für maßvoll und richtig.

„Dass wir – verglichen mit dem Rest der Welt – in Deutschland nach wie vor ein Infektionsgeschehen haben, um das uns viele Länder beneiden, hängt nicht zuletzt mit den zweifellos schmerzhaften, aber nötigen Hygiene- und Abstandsregeln in der Gastronomie zusammen“, erklärte Rohlfs.

Diesen zarten Erfolg dürfe man nicht durch eine übereilte Rückkehr zu einer scheinbaren Normalität aufs Spiel setzen.

„Ein zweiter Lockdown wäre gerade für die Gastro-Branche verheerend, die aktuell ja gerade trotz der Einschränkungen wieder an Fahrt gewinnt“, so Rohlfs.

Zudem erinnert Rohlfs an die massiven Hilfen von Bund und Land, mit denen der Branche durch die Talsohle geholfen werde. Abgesehen von den Einmal-Zuschüssen von Bund und Land durch die beiden Soforthilfeprogramme seien inzwischen 164 Millionen Euro an Landeshilfe aus dem Mittelstands-Sicherungsfonds an das Gastro-Gewerbe geflossen.

Und die in dieser Woche an den Start gebrachte Überbrückungshilfe des Bundes ermögliche besonders hart getroffenen Betrieben, bis zu 150.000 Euro zu erhalten, die nicht zurückbezahlt werden müssen.

„Damit wird Hunderten von Betrieben eine gute Perspektive geboten“, so Rohlfs. Die beste Perspektive sei aber, durch Vorsicht und Umsicht die Pandemie zu besiegen.

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