Schwerer Stand

Handelsverein Tondern nimmt die Kommune in die Pflicht

Handelsverein Tondern nimmt die Kommune in die Pflicht

Handelsverein Tondern nimmt die Kommune in die Pflicht

Tondern/Tønder
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Auch der Billig-Sportladen Outlet in der Tonderner Großen Straße schließt bald. Foto: Brigitta Lassen

Tondern ist eine beliebte Einkaufstadt auch für Gäste von südlich der Grenze. Dass das so bleibt, kann nicht nur die Aufgabe des Handelsvereins sein, meint der Vorsitzende Anders Jacobsen. Er nimmt die Kommune in die Pflicht.

In diesem lange leerstehenden Geschäft an der Großen Straße wird eine Gaststätte mit syrischen Spezialitäten eröffnet. Foto: Brigitta Lassen

In Tondern wird schon seit Jahren mit großem Erfolg Festivals für Musik (Tønder Festival) und geklöppelte Spitzen (Kniplingefestival) und in diesem Jahr erstmals auch ein Austernfestival durchgeführt. Im kommenden Jahr soll ein Weiteres dazukommen. Der Handelsverein will in Zusammenarbeit mit dem Lifestylegeschäft Brinksgaard, Rohrkarr/Rørkær, und Weinimporteur Kulturvine in Mögeltondern/Møgeltønder, ein Weinfestival im September veranstalten.

Dass sich die Geschäftswelt in die positive Richtung entwickeln soll, sei aber nicht nur eine Aufgabe des Handelsvereins. Die Kommune ist gefragt, auch finanziell, unterstrich der Vorsitzende des Handelsverein Anders Jacobsen auf der Generalversammlung.

Leerstand nimmt zu

Die Stadt hätte zwar im vergangenen Jahr den Titel als gemütlichste Einkaufsstadt Dänemarks gewonnen. Darauf könne man stolz sein auch im Hinblick auf die Konkurrenz. Und der Leerstand in der Tonderner Fußgängerzone nimmt zurzeit beträchtlich an Fahrt zu.

„Der Vorstand verfolgt diese Entwicklung, und wir sind uns der bevorstehenden Herausforderungen bewusst. Es ist zu viel verlangt, wenn ein ehrenamtlich tätiger Vorstand allein diese Aufgaben bewältigen muss. Deswegen möchten wir einen Citychef und den Einzelhandel an vorderste Front stellen“, unterstrich Jacobsen. Die Einstellung eines Citychefs sei seit seiner Wahl als Vorsitzender 2017 ein Kardinalpunkt gewesen.

Bald Suche nach Citychef

Dass die Ziele des Einzelhandels mit einer engeren Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsrat und der Kommune im Rahmen der Initiative Vækstråd nicht erreicht würden, sei ihm als Mitglied dieses Gremiums bewusst geworden, das später mit großem Tamtam aufgelöst wurde, obwohl es ein gutes Bindeglied hätte werden können. Aufgrund der entstandenen Unsicherheit sei es daher auch nicht möglich gewesen, den gewünschten Citychef einzustellen. Die Suche nach einer solchen Kraft würde aber bald beginnen. Im Haushalt der Kommune sei das Gehalt zwar für 2020 berücksichtigt worden, darüber hinaus aber keine Verfügungsmittel für Initiativen und Ähnliches.

Von der Zusammenarbeit mit dem Gewerberat und der Kommune mit der Ausarbeitung einer gemeinsamen Agenda habe er sich viel versprochen, um so den Einzelhandel klar zu definieren und ein sicheres Fundament für den Einzelhandel in der gesamten Kommune zu schaffen. Leider sei kein einheitlicher Kurs gefunden worden, und die Wirtschaft sei frustriert gewesen. Deswegen habe der Einzelhandel mit dem Projekt BID das Heft in die eigene Hand genommen.

Kritik an Plänen mit Esbjerg und Fanø

Die mögliche Zusammenarbeit des Touristikvereins mit den Kommunen Esbjerg und Fanø wurde von Anders Jacobsen keinesfalls begrüßt. Von den jetzt von der Kommune Tondern bewilligten 3,2 Millionen Kronen für den Tourismus, kämen nur 700.000 Kronen der Vermarktung der ganzen Kommune zugute.

Das reiche nicht aus. Aber man müsse daher Respekt für die Arbeit des Touristikvereins haben – auch gemessen an den 1,7 Millionen Übernachtungen im Jahr. Die vorgeschlagene Richtung bekümmere ihn tief, und wieder einmal würde dem Einzelhandel in der Kommune der Schwarze Peter zu geschoben.

„Das werden wir weder akzeptieren noch befürworten können“, unterstrich Jacobsen. Bedenklich sei er auch in Bezug auf den Wirtschaftsrat, dessen Vorstand er kraft seines Amtes angehört. „Beide Organisationen wünschen eine Zusammenarbeit. Große Unsicherheit und Ungewissheit herrscht in Bezug auf die Zusammenarbeit mit der Kommune. Wir kommen so nicht weiter. Wir müssen offen und ehrlich zusammenarbeiten. Es ist kein Geheimnis, dass der Einzelhandel das Gefühl hat, in den vergangenen Jahren übersehen worden zu sein. Wir waren auf uns selbst gestellt“, meinte der Vorsitzende der Geschäftsleute, der auch in diesem Zusammenhang mehr Geld von der Kommune erwarte, um den Kampf um den Bestand des Einzelhandels in Tondern zu sichern.

Visionärer Plan

Lob gab es von seiner Seite aber für den vorliegenden visionären Entwurf, die auch baulich vernachlässigte Innenstadt wieder attraktiver zu machen. Dazu müsse es auch öffentliche Zuschüsse für die Restaurierung der Häuser geben. Besonders gefielen ihm die Vorschläge für den Skulpturenpark. Bürger und Geschäftsleute hätten energisch in den Arbeitsgruppen mitgewirkt.

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