Kriegsfreiwillige

„Die Dänen waren die Freunde der Deutschen“

„Die Dänen waren die Freunde der Deutschen“

„Die Dänen waren die Freunde der Deutschen“

Kollund
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Frank Lubowitz (hinten) leitete die Veranstaltung, Andreas Jochens (im Vordergrund) berichtete als Zeitzeuge. Foto: Dirk Thöming

Im Haus Quickborn berichteten zwei deutsche Nordschleswiger als Zeitzeugen über ihre eigene freiwillige Meldung zur Waffen-SS. Die Dänen hatten nichts dagegen, sagten sie.

Die Veranstaltungsreihe des Sozialdienstes Nordschleswig zum Thema „100 Jahre deutsche Minderheit“ wurde vor einigen Tagen mit einem Blick in die Kriegs- und Besatzungszeit 1940 bis 1945 fortgesetzt.

Vorausgegangen waren Vorträge über die Gründung der Minderheit und die Auseinandersetzung der Minderheit mit dem Nationalsozialismus.
In der dritten Folge der Reihe ging es um die Frage, inwieweit sich Mitglieder der deutschen Minderheit in Nordschleswig freiwillig für den Kriegsdienst in der Waffen-SS zur Verfügung stellten oder ob Druck auf sie ausgeübt wurde. Zwei ehemalige Freiwillige nahmen an der Veranstaltung im Haus Quickborn in Kollund teil.

„Wir sind jetzt in die Zeiten gelangt, in denen es mehr Zeitzeugen gibt. Auch die kommenden Veranstaltungen der Reihe werden wir auf Basis von Zeitzeugen-Berichten durchführen“, sagte Frank Lubowitz von der Forschungsstelle der deutschen Minderheit, der die Veranstaltung zusammen mit dem Initiator der Reihe, Gösta Toft (Sozialdienst Nordschleswig), leitete.

Rein freiwillig

Die früheren Nordschleswiger Kriegsfreiwilligen Heio Mammen aus Tondern und Andreas Jochens aus Sonderburg erklärten, dass sie sich rein freiwillig als junge Männer für den Kriegsdienst in Deutschland zur Verfügung stellten.
„Wir meldeten uns. Es war ganz selbstverständlich“, sagte Andreas Jochsens, der wie Heio Mammen in den 1920er Jahren geboren ist.
Auch die dänischen Kammeraden hätten nichts dagegen gehabt.

„Man vergisst heute, wie es in den 1920er Jahren war. Bis zum 9. April 1920 waren die Dänen nach meiner Auffassung sehr deutschfreundlich. Wenn wir sagten, wir wollen ,heim ins Reich’, dann antworteten sie, ,det er den vej’ und zeigten in die Richtung, aber mit einem Lächeln“, erzählte Heio Mammen.

Die Dänen waren Freunde

Beide berichteten, dass sie als Jugendliche dänische Freunde hatten.
„Wir waren zusammen auf einer Fahrt in Kopenhagen. Auch für meine dänischen Kameraden war es ganz selbstverständlich, dass ich mich für den Krieg meldete. Sie brachten mich noch zum Zug in Rothenkrug“, sagte Andreas Jochens.
„Erst nach Stalingrad ging es mit der Begeisterung abwärts“, fügte er hinzu.
Frank Lubowitz, Archivleiter der Minderheit, erklärte, dass die Rekrutierung von Soldaten aus den Reihen der deutschen Minderheit bereits direkt nach der Besetzung am 9. April 1940 begann.

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