Familie

Dansk Industri fordert mehr Elternzeit für Männer

Dansk Industri fordert mehr Elternzeit für Männer

Dansk Industri fordert mehr Elternzeit für Männer

Ritzau/kj
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Daniela Rey/Unsplash

Wenn Männer einen größeren Teil der Elternzeit in Anspruch nehmen, ergeben sich nach Ansicht von Dansk Industri bessere Karrierechancen für Frauen.

Elternzeit

  • Im Frühjahr 2019 genehmigte das Europäische Parlament eine vorgemerkte Elternzeit für Männer. Ziel ist es, ein besseres Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben herzustellen und der Ungleichheit der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken.
  • Die Richtlinie soll in jedem Mitgliedstaat bis 2022 in Kraft treten.
  • Nach den geltenden Vorschriften haben dänische Väter Anspruch auf zwei Wochen Elternzeit unmittelbar nach der Geburt.
  • Väter können nach Absprache auch 32 Wochen Elternzeit mit Lohn- oder Elterngeld in Anspruch nehmen. Es liegt an den Eltern selbst, ob sie die Wochen teilen wollen.
  • Dänische Väter nehmen derzeit 10 Prozent der gesamten Elternzeit in Anspruch. In Schweden sind es 27 Prozent und in Island 30 Prozent.
  • Nach den neuen Regeln sind 8 der 32 Wochen für Väter vorgesehen. Wenn der Vater diese nicht antritt, kann die Mutter sie nicht übernehmen.

Der Arbeitgeberverband Dansk Industri (DI) möchte eine vorgemerkte Elternzeit für Männer und erhofft sich auf lange Sicht mehr als die von der EU geforderten acht Wochen. Das sagte DI-Direktor Lars Sandahl Sørensen am Montag zu „Berlingske“.

Laut Lars Sandahl Sørensen bildet sich bei Männern, die einen größeren Teil der Elternzeit in Anspruch nehmen, ein positiver Kreis, sodass Frauen nach der Mutterschaft leichter auf den Arbeitsmarkt zurückkehren können und mehr Frauen Aufstiegschancen haben werden. Heute nehmen Frauen 90 Prozent der Elternzeit in Anspruch, aber Lars Sandahl Sørensen will diesen Trend stoppen.

Gleichberechtigung

„Wir verpassen zu viele Talente, die sich heute entwickeln. Hier gibt es keine einfachen Lösungen, aber eine vorgemerkte Elternzeit ist eine Möglichkeit, die ich positiv betrachte, weil ich sehe, dass sie funktioniert“, sagt DIs Top-Manager zu „Berlingske“. Er bezieht sich auf Erfahrungen aus Norwegen und Schweden. Beide Länder haben eine Elternzeit für Männer eingeführt.

Die EU hat beschlossen, in allen Mitgliedstaaten zwei Monate Elternurlaub für Männer vorzusehen. Es wird erwartet, dass es 2022 in Dänemark eingeführt wird. Nach Ansicht des DI-Chefs ist dies ein positiver Schritt, der Zeitraum kann jedoch noch länger sein. „Ich würde gerne sehen, dass ein größerer Teil der Elternzeit für die Männer bestimmt ist, denn ich kann sehen, dass es funktioniert und ich denke, dass es dadruch positivere Effekte gibt“, sagt er. Wie viele weitere Wochen es sein sollten hat DI, das 11.000 Unternehmen vertritt, noch nicht geklärt.

Interessenverband fordert 32 Wochen Elternzeit

Der Interessenverband der Führungskräfte Lederne unterstützt die Botschaft von DI, möchte aber noch weiter gehen, betont Direktor Henrik Bach Mortensen. „Uns fehlt die Möglichkeit, mehr weibliche Talente für die Unternehmen zu gewinnen. Fehlzeiten aufgrund von Kinderbetreuung ziehen Frauen aus dem Arbeitsmarkt heraus, sodass sie sowohl weniger verdienen als auch geringere Aufstiegschancen gegenüber Männern haben“, sagt er zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Lederne schlägt vor, 32 Wochen Elternzeit zu gleichen Teilen auf Mutter und Vater zu verteilen, sodass jeder einen Anspruch auf 16 Wochen Elterngeld hat. Wenn die Familie es selbst anders will, kann sie es tun, bekommt dann aber keine öffentlichen Gelder. „Frauen haben noch einen weiten Weg vor sich, um auf dem Arbeitsmarkt so weit zu kommen wie Männer. Wir sind sicher, dass es auch viele Frauen gibt, die in Führungspositionen einen Vorteil für Unternehmen bringen“, sagt Henrik Bach Mortensen.

Auch der Gewerkschaftsvorsitzende von Djøfs, Henning Thiesen, lobt DI: „Aus nordischer Erfahrung wissen wir, dass gerade individuelle Rechte für die Elternzeit von Vätern von großer Bedeutung sind.“ Djøf empfiehlt, 14 Wochen Urlaub für Väter vorzusehen, sagt er in einem Kommentar.

Geteilte Meinung aus der Politik

Die Einheitsliste ist erfreut über DIs veränderte Haltung, obwohl es sehr spät ist, sagt die politische Sprecherin Pernille Skipper. „Frauen verlieren zehn Prozent ihres Lebenseinkommens (livsindkomsten) pro Kind. Männer verlieren null. Das ist die Schuld des Mutterschaftsurlaubs“, sagt sie „Berlingske“.

Venstres Sprecher für Beschäftigungspolitik, Hans Andersen, ist hingegen skeptisch. „Wenn wir einen Teil der Elternzeit reservieren, wird dies eine Verschlechterung der Wahlfreiheit der Familien bedeuten“, sagte er.
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