Tierschutz

Game of Thrones: Modehunde landen im Tierheim

Game of Thrones: Modehunde landen im Tierheim

Game of Thrones: Modehunde landen im Tierheim

Kopenhagen
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Siberian Husky
Ein Siberian Husky beim Tierarzt. Foto: Dyrenes Beskyttelse

Besonders die blauäugigen „Siberian Huskys“ sind seit dem Start der Kultserie bei unerfahrenen Hundehaltern beliebt. Auf dem Sofa fühlen sich die ausdauerstarken Vierbeiner allerdings gar nicht wohl. Die Folgen dieses Missverständnisses sind in den Tierheimen zu spüren.

Die Schlittenhunderasse „Siberian Husky“ ist durch die HBO-Serie „Game of Thrones“ weltweit zur Mode geworden. Am Montag feierte die achte Staffel Premiere – und für die Tierschützer unter anderem in Dänemark bedeutet das möglicherweise, dass ein neuer Schwung missverstandener Huskys in die Tierheime des Landes kommt.

Denn die Tiere ähneln den prähistorischen „Direwolves“, die in der Serie eine wichtige Rolle spielen. Fans weltweit besorgen sich die knuffigen Huskys – und kommen dann nicht mit deren Bewegungsdrang zurecht. „Sie bleiben keine kleinen, niedlichen Wollknäule, und das bringt Probleme mit sich, weil die Leute sich oft nicht um sie kümmern können, und deshalb haben wir immer mehr von ihnen, die in unseren Tierheimen abgeliefert werden“, sagt Jens Jokumsen, Familientierexperte beim Tierschutzbund Dyrenes Beskyttelse.

Alleine in den Jahren 2013 bis 2017 ist die Anzahl der Hunde der Rasse „Siberian Husky“ in Dänemark in den sieben Tierheimen, die von Dyrenes Beskyttelse betrieben werden, von fünf im Jahr auf 25 angestiegen. Und in den ersten drei Monaten 2019 wurden bereits 15 Hunde der beliebten Rasse in Tierheimen des Verbandes abgegeben.

Probleme in ganz Europa

Nicht nur in Dänemark kennen Tierschützer die Probleme. Über den Dachverband „Eurogroup for Animals“ kennt Jokumsen die Lage. „In einigen Ländern werden sie einfach in Wäldern und auf Rastplätzen ausgesetzt“, berichtet er.

Die Herausforderung für die häufig unerfahrenen Besitzer der Schlittenhunde ist es, dass die Tiere enormen Bewegungsdrang haben. Jeden Tag wollen sie um die 20 Kilometer laufen – und dabei am liebsten noch einen Schlitten ziehen – bevor sie sich ausruhen. Und auch mental müssen sie ausgelastet werden. Schlittenhunde fühlen sich besonders im Rudel wohl. Das leben im dänischen Einfamilienhaus-Viertel oder gar in der Mietwohnung hingegen ist nichts für sie, weiß Jokumsen.

Die unterstimulierten Hunde beginnen aus Frust häufig, zu bellen, zu heulen, Möbel und andere Gegenstände anzuknabbern – und sich so bei den serienbegeisterten Besitzern unbeliebt zu machen.

Doch gerade weil die Tiere so hohe Anforderungen an ihre Halter stellen, ist es schwer für die Tierheime, sie weiterzuvermitteln, sind sie erstmal im Gewahrsam der Tierschützer. „Wir kriegen sie vermittelt, aber es ist nicht gerade leicht“, berichtet Jokumsen.

Wunderschöne Tiere – aber nicht geeignet als gemütlicher Familienhund. Foto: Dyrenes Beskyttelse

Siberian Husky

  • schnellster Schlittenhund der Welt
  • großer Bewegungsdrang
  • sozial und freundlich
  • zieht das Rudel vor
  • lebt lieber draußen als drinnen
  • kann sehr scheu werden, wenn er nicht früh mit vielen Menschen und Hunden in Kontakt kommt („Sozialisierung“)
  • großer Jagdinstinkt, kann kaum ohne Leine laufen

Quelle: Dyrenes Beskyttelse

Besonders junge Leute kaufen die Hunde

Die vielen Fehlkäufe passieren häufig, weil die jungen Menschen sich billige Welpen als Impulskauf anschaffen. Nicht selten bei unverantwortlichen Händlern auf Parkplätzen oder anderswo, ohne sich mit dem Hintergrund des Hundes auseinanderzusetzen. Laut Dyrenes Beskyttelse können die Tiere aus verantwortungslosen und oft illegalen Welpenfabriken stammen und illegal nach Dänemark gekommen sein.

„Es sind oft unerfahrene Erstkäufer und junge Paare, die dieser Sorte Hund verfallen, weil er gut aussieht und in einer beliebten Serie mitmacht. So, wie als Paris Hilton einen Chihuahua in der Tasche hatte und die kleine Hunderasse bei Mädchen sehr beliebt wurde. Und als die Dalmatiner unglaublich beliebt wurden nach dem Film 101 Dalmatiner“, berichtet Jokumsen.

Peter Dinklage, Schauspieler in der Serie „Game of Thrones“, hat bereits öffentlich Fans der Serie dazu aufgerufen, sich keine Huskys zu kaufen. „Wenn ihr einen Hund in der Familie haben wollt, sorgt dafür, dass ihr vorbereitet seid“, so Dinklage laut BBC.

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