Kritik an Eltern

Mehr als jeder zehnte Nachschüler bricht ab

Mehr als jeder zehnte Nachschüler bricht ab

Mehr als jeder zehnte Nachschüler bricht ab

cvt
Odense
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Viele Eltern können nicht loslassen. Eines ihrer Werkzeuge: Das Smartphone. Foto: Yura Fresh/Unsplash

Viele Jugendliche an dänischen Nachschulen wollen vorzeitig wieder nach Hause. Schuld seien verhätschelnde Eltern, heißt es aus dem Nachschulverband.

Nachschule

dän.: efterkole
Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren gehen in Dänemark häufig ein bis zwei Jahre in den Klassenstufen 8, 9 oder 10 auf diese Art der Internatsschule, die meist auf ein Interessengebiet spezialisiert ist. Zugleich bieten die meisten Nachschulen auch den Volksschul-Abschluss an.

Tausende Eltern in Dänemark schicken ihre Teenager-Kinder an diesem Wochenende auf die Nachschulen des Landes. Eine Abschiedsumarmung und ein Wangenkuss sollten reichen, meint der Verband der Nachschulen. Doch viele Eltern schicken auch nach dem Abschied noch Textnachrichten an ihre Kinder, rufen an, um zu hören, ob auch wirklich alles in Ordnung sei.

Die Eltern umsorgten ihre Kinder heute wesentlich mehr als früher, sagt Torben Vind Rasmussen, Vorsitzender des Nachschulverbandes, zu DR Fyn. „Wir bitten die Eltern darum, sich mehr im Hintergrund zu halten“, so Rasmussen.

Er spricht von vielen Missverständnissen zwischen Eltern und Kindern, die für die Kinder belastend sein können: „Um den Bedürfnissen der Eltern entgegenzukommen, sagen die Kinder, dass sie ein wenig Heimweh haben.“

Eltern sollten die Finger vom Smartphone lassen

Der Vorsitzende der Nachschule Tommerup auf Fünen, Peter Munk Povlsen, kann davon ein Lied singen. Er habe schon ganz direkt mit Eltern sprechen müssen, die die neuen Kommunikationsmittel zu sehr ausnutzen, berichtet er. „Wenn das hier funktionieren soll, solltest du dein Kind die nächsten 24 bis 48 Stunden nicht kontaktieren“, sagt er dann.

„Denn wenn sie jede zweite Stunde schreiben, ob das Kind nicht lieber wieder nach Hause will, dann können wir mit ihnen nicht arbeiten“, meint Povlsen.

Torben Vind Rasmussen erklärt, dass es häufig eben just die Eltern und die zu häufige Kommunikation sind, die Kinder dazu bringen, den Nachschul-Aufenthalt abzubrechen.

10 bis 15 Prozent aller Nachschüler würden jedes Jahr vorzeitig abbrechen. Und das seien deutlich zu viele, denn die Last eines Abbruchs wiege schwer auf den Schultern der Kinder. „Es ist eine Niederlage, die sie lange verfolgt. Sie müssen das ihrer Umwelt erklären und die Kameradschaft abbrechen, die an der Nachschule entstanden ist“, so Rasmussen.

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