Mensch & Umwelt

Der Dorsch hat's schwer, nur wie schwer?

Der Dorsch hat's schwer, nur wie schwer?

Der Dorsch hat's schwer, nur wie schwer?

Brüssel/KIel/Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Zahlreich ist der Dorsch in der Ostsee wohl nicht mehr vertreten, aber wie schlimm es um ihn steht, dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Vor den Verhandlungen über die Fangquoten positionieren sich die Interessengruppen. Die einen halten eine Steigerung der Fangquote für den Dorsch in der westlichen Ostsee für möglich, die anderen warnen davor.

In der Nacht zu Dienstag haben sich die EU-Fischereiminister auf Fischereiquoten für die Ostsee geeinigt. Dänische Fischer dürfen in der westlichen Ostsee 5 Prozent mehr Dorsch fangen, im östlichen Teil wird die Quote um 70 Prozent gekürzt. Fischereiminister Mogens Jensen (Soz.) bezeichnete die Verhandlungen als „schwer und kompliziert“. Im Vorfeld hatte von deutscher Seite die Forschungseinrichtung Geomar in Kiel von alarmierend geringen Dorschbeständen im Gebiet der Kieler Förde berichtet. Den Fischbeständen in der westlichen Ostsee drohe der Kollaps, so das Geomar.

Im Vorfeld schlug die EU-Kommission eine Senkung der Quote um 11 Prozent vor.

Rasmus Andresen, EU-Abgeordneter der Grünen, ist der Überzeugung, dass die Bestände von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee stark gefährdet sind. „Wir müssen dafür sorgen, dass diese Fische überhaupt noch eine Zukunft bei uns haben. Dazu braucht es auch in den kommenden Jahren einen nachhaltigen Schutz und noch geringere Fangquoten“, so Andresen, nur dann hätten auch die Fischer an der Ostsee langfristig noch eine Zukunft.

Ganz so schwarz malt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) das Bild für den Dorsch in der westlichen Ostsee nicht. Medienberichten zufolge spricht er von einer leichten Erholung, und auch Fischereiminister Mogens Jensen (Soz.) sprach sich vor den Verhandlungen für eine Anhebung der Dorschquote in der westlichen Ostsee aus.

Befischungsdruck sinkt

Marie Storr-Paulsen, Abteilungsleiterin an Dänemarks Nationalem Institut für aquatische Ressourcen an der Dänischen Technischen Universität (DTU), bestätigt gegenüber dem „Nordschleswiger“ eine leichte Erholung der Dorschbestände in der westlichen Ostsee. Die Forscherin verweist auf Untersuchungen des ICES, für den sie tätig ist. Demnach konnten Fischer (Berufs- und Nebenerwerbsfischer sowie Sportangler) im vergangenen Jahr mehr Dorsche fangen, auch die Größe nahm zu. In jüngster Vergangenheit seien zudem viele kleine Dorsche beobachtet worden. Hingegen nahm der Befischungsdruck ab. „Wir rechnen damit, dass er im kommenden Jahr auf einem vertretbaren Niveau sein wird“, so Storr-Paulsen. Der ICES hat eine solche vertretbare Fangmenge veranschlagt.

In Zweifel zieht sie die Ergebnisse der Kieler Kollegen nicht. Es könne sein, dass die Geomarforscher in einem kleineren Gebiet in der westlichen Ostsee Untersuchungen durchgeführt haben und dort der Bestand sehr niedrig sei. Das Geomar spricht selbst von Untersuchungen in der Kieler Förde. Die Wissenschaftlerin wird im November drei Wochen die Lage des Dorsches in der westlichen Ostsee untersuchen – bis zum Kap Arkona und Bornholm. „Dann können wir die Meldung aus dem Geomar entweder bestätigen oder wir kommen zu einem anderen Schluss“, so Marie Storr-Paulsen abschließend.

Mehr lesen

Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Marktlücke oder Venstre-Tradition? Ellemann zeigt Flagge für Europa“