Wirtschaft & Natur

EU verbietet Dorschfischerei in der südlichen Ostsee

EU verbietet Dorschfischerei in der südlichen Ostsee

EU verbietet Dorschfischerei in der südlichen Ostsee

Ritzau/hm
Bornholm
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Der Dorschbestand in der Ostsee ist bedroht. Ein sofortiger Fangstopp soll helfen. Foto: Jens Christian Top/Ritzau Scanpix

Die EU hat die Reißleine gezogen und ein sofortiges Fangverbot für Dorsche in der südlichen Ostsee verhängt. Die Union will den dortigen Dorschbestand vor dem Zusammenbruch retten. Für den Bornholmer Vorsitzenden des Fischereivereins kommt das überraschend.

Weil der Dorsch nach Ansicht der EU-Kommission in der Ostsee ernsthaft bedroht ist, hat die Kommission nun in einem Eilbeschluss die Dorschfischerei in der südlichen Ostsee für den Rest des Jahres verboten. Das Verbot gilt in den Zonen 24, 25 und 26, diese erstrecken sich vom östlichen Seeland bis zu den Küsten des Baltikums. Mit dem Verbot will die Kommission die Zukunft der Fischerei und der Küstendörfer schützen.

Thomas Thomsen, Vorsitzender des Bornholmer Fischereivereins, sagte in Danmarks Radio (DR), es sei klar gewesen, dass etwas in Anmarsch sei. „Ich habe mir aber nicht träumen lassen, dass so etwas Restriktives kommt. Der Dorsch ist die Haupteinnahmequelle der Bornholmer Fischer. Die wirtschaftlichen Konsequenzen kann ich nicht überschauen“, so Thomsen in DR. Er befürchtet, dass das Verbot mit sofortiger Wirkung die Fischerei auf der Insel zerstören wird.

Allerdings: Laut Kommissionsbeschluss gibt es eine Ausnahme: Kleinere Boote unter 12 Meter dürfen im Gebiet 24 zwischen der Ostküste Seelands und Bornholm weiterhin Dorsch fangen.

Fischer befürchtet Aus

Fischer Thomas Thomsen ist aber der Auffassung, dass das Verbot jegliche Fischerei stoppen wird, denn das Verbot gilt seinen Worten nach auch für die Dorsche, die als Beifang im Netz enden. Die Fischer können ihm zufolge auch nicht auf Butt fischen, da sie riskieren würden, einen Dorsch zu fangen. Thomsen schätzt, dass das Verbot auch 2020 bestehen bleibt.

Diese Einschätzung teilt auch Jørgen Dalskov, leitender Fischereiberater bei DTU Aqua, eine Abteilung der Dänischen Technischen Universität (DTU). Er ist ebenso der Meinung, dass das Verbot die Fischerei auf Bornholm hart treffen wird. Doch hätten die Fischer in jüngster Vergangenheit sowieso schon sehr wenig Dorsch gefangen, weil der Bestand eingebrochen sei, erläutert Dalskov in Danmarks Radio.

Experte: Fischer nicht verantwortlich

Der Bestand sei historisch niedrig, ohne Fangstopp werde dieser zusammenbrechen, so Dalskov in DR. Dass es so wenige Dorsche gibt, dafür macht er aber nicht die Fischerei verantwortlich, sondern die Umweltverschmutzung und Parasiten von Seehunden, die in Dorschen landen und das Laichvermögen der Fische einschränkt.

Kollabiere der Dorschbestand, wäre dies eine Katastrophe, die den Fischern die Lebensgrundlage nehme, so EU-Fischereikommissar Karmenu Vella.

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