Umwelt- und Naturschutz

Jagdexperte: In Nordschleswig keine Wilderei und Vogelmord

Jagdexperte: In Nordschleswig kein Vogelmord

Jagdexperte: In Nordschleswig kein Vogelmord

Gravenstein/Gråsten
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Auf der kleinen Insel Taasinge südlich von Fünen wurden in diesem Jahr vier Seeadler tödlich vergiftet. Foto: DOF / Ecklon

Klaus Sloth sieht als Wildkonsulent der Behörde Naturstyrelsen Sønderjylland großes Verständnis für Greifvögel in Bevölkerung und Jägerschaft. Der dänische Wildverwaltungsrat fordert Umwelt- und Justizministerium zu intensiverer Verfolgung von Faunakriminalität auf.

In diesem Jahr haben mehrere Fälle von vorsätzlich vergifteten Seeadlern und Rotmilanen in Dänemark für Schlagzeilen gesorgt. Nach Angaben des Biologen Knud Flensted im Vogelschutzverband Dansk Ornitologisk Forening (DOF) sind in den vergangenen zehn Jahren nicht weniger als 13 Seeadler, 12 Rotmilane, ein Steinadler sowie Bussarde und Habichte durch verbotene Gifte getötet worden. Allein in diesem Jahr wurden vier Seeadler entdeckt, die auf der Insel Taasinge durch Giftköder mit dem Nervengift Carbofuran umgebracht worden sind.

Klaus Sloth berichtet, dass Seeadler überweigend Fische fressen, sie stellen kaum Konkurrenz für Jäger dar. Foto: Naturstyrelsen

Der Wildkonsulent der Naturbehörde Naturstyrelsen Sønderjylland mit Sitz in Gravenstein, Klaus Sloth, berichtet dem „Nordschleswiger“, dass in Nordschleswig glücklicherweise keine Vergiftungen von Greifvögeln beobachtet worden sind. „Hier bei uns herrscht großes Verständnis für die Greifvögel wie Seeadler“, so Sloth und erinnert an die große Aufmerksamkeit, die es seit der Wiederansiedlung der Seeadler am Hostrupsee und am Bankelsee im Jahre 1996 für die stattlichen Vögel im Landesteil gibt. „Die Seeadler haben sich weiter ausgebreitet, ich habe gerade einen über Gravenstein fliegen sehen“, so der Jagdexperte, der berichtet, dass die Jäger in Nordschleswig seit langem Greifvögel nicht mehr als lästige Konkurrenten betrachten.

Auch im Wattenmeer wie auf dem Foto bei Hoyer sind Seeadler heimisch. Mittlerweile brüten sie entlang der Westküste wieder entlang der Westküste, wo Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein Paar im Wald bei Arrild gebrütet hatte. Foto: Volker Heesch

Seit 1967 stehen die Greifvögel landesweit unter Schutz. In einem Brief des Wildverwaltungsrates (Vildforvaltningsråd) an Umweltministerin Lea Wermelin und Justizminister Nick Hækkerup (beide Sozialdemokraten) klagen die in dem Gremium vertretenen Organisationen, Jägerverband, Naturschutzverband DN, der Tierschutzverein und die Verbände Dansk Skovforening, Landbrug & Fødevarer sowie Friluftsrådet, dass es immer wieder zu Fällen von Faunakriminalität kommt.

Ermittlungen intensivieren

Dazu zählten Vergiftungen von Greifvögeln, aber auch viele Fälle von Wilderei und Abschüsse geschützter Säugetiere. Der Wildverwaltungsrat kritisiert in seinem Brief, dass viele Fälle von Faunakriminalität nur zufällig entdeckt werden. Es gebe vermutlich auch eine hohe Dunkelziffer bei derartigen Straftaten. Außerdem hätten die Straftaten für die sehr selten ermittelten Täter meist nur geringe Konsequenzen. Im Brief heißt es, dass der Einsatz gegen diese Form der Kriminalität intensiviert werden müsste. Außerdem sollten solche Vergehen zum automatischen Verlust der Jagdberechtigung führen.

Klaus Sloth erklärt, dass es Nordschleswig durchweg keine Tradition gebe, Jagdwild wie Fasane auszusetzen. Im Umfeld solcher Aussetzungen sei es immer wieder zu illegalen Greifvogelvergiftungen gekommen. Der Wildkonsulent erklärt auch, dass ihm lange keine Fälle von Wilderei zu Ohren gekommen sind. Höchstens Fälle, die in die Kategorie Dumme-Jungen-Streiche fielen. Klaus Sloth ist bereits über 30 Jahre als Jagdexperte in Nordschleswig tätig, der auch Prüfungen von Nachwuchsjägerinnen und -jägern durchführt.

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