Beruf & Ausbildung

„In Achim sagt man auch Moin!“

„In Achim sagt man auch Moin!“

„In Achim sagt man auch Moin!“

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Sarah Doege Lassen (l.) und Thea Nord Jakobsen kommen regelmäßig nach Dänemark, um am Business College in Kolding den schulischen Ausbildungsteil zu absolvieren. Foto: Karin Riggelsen

Nach dem EUX-Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Hadersleben machen Thea Nord Jakobsen und Sarah Doege Lassen ihre Ausbildung in Glasgow und Achim.

Mit PIU ins Ausland

Das Wirtschaftsgymnasium in Hadersleben hat 2017 die beiden EUX-Abiturentinnen Thea Nord Jakobsen, Hadersleben, und Sarah Doege Lassen, Ladegård, mit dem „PIU“-Ausbildungsprogramm ins Ausland geschickt. PIU (Praktik i udlandet) ist ein dänisches Mobilitätsprogramm für Personen in grundlegenden Erwerbs-, Landwirtschafts-, Sozial- und Gesundheitsausbildungen. Mit PIU haben Praktikanten die Möglichkeit, den Anfang des geplanten Verlaufs ihrer Karriere in einem Land ihrer Wahl zu machen. Die PIU-Ordnung, die auf Zusammenarbeit dänischer Wirtschaftsschulen beruht, existiert seit knapp 30 Jahren.

Sarah Doege Lassen (19) und Thea Nord Jakobsen (20) haben im Spätsommer 2017 ihre Ausbildung im Ausland begonnen. Mit dem sogenannten PIU-Programm machen die jungen Frauen Auslandspraktika in Achim und in Glasgow. Die 19-jährige Sarah Doege Lassen aus Ladegård bei Woyens lebt seit August des Vorjahres in Achim bei Bremen. Ihre Freundin Thea Nord Jakobsen verschlug es fast zeitgleich nach Schottland. Die Auszubildenden sind ab und an im Landesteil. Während der zweijährigen Ausbildungszeit stehen mehrere Schulaufenthalte an und diese werden am Wirtschaftsgymnasium in Kolding, „IBC International Business College“, absolviert. Entsandt wurden die Auslands-Azubis nach ihrem Examen am Wirtschaftsgymnasium in Hadersleben.

Thea Nord Jakobsen fühlt sich wohl in der Millionenstadt Glasgow. Obwohl der Dialekt der Glasgower gewöhnungsbedürftig sei, so Thea Nord Jakobsen, habe sie fast den Code geknackt. „Meine Teamchefin verstehe ich nun. Aber wenn ihr Mann, der auch im Betrieb arbeitet, mit mir redet, dann gebe ich auf“, lacht die 20-Jährige. Thea Nord Jakobsen arbeitet in der Firma „Turner Access“. Der Betrieb beschäftigt sich mit dem Handel von Gerüsten und der Herstellung von Gerüstkonstruktionen. Die Branche ist der jungen Frau nicht fremd, denn ihr Vater, Per Mose Jakobsen, betreibt einen Gerüstbetrieb mit Hadersleben als Ausgangspunkt. „Ich bin schon auf Gerüsten herumgelaufen, als ich ganz klein war“, erinnerte sich die 20-Jährige.

Mehrfach in China

Thea Nord Jakobsen bereiste einen Großteil der Welt und war unter anderem mehrfach in China, besuchte die Vereinigten Staaten und Kanada und viele Länder in Europa. Die Leidenschaft fürs Reisen, die sie oft zusammen mit ihrer Familie unternimmt, hat sie offenbar von ihrer Mutter Mette Nord, die in jüngeren Jahren als Stewardess arbeitete und nun einen Friseursalon in der Haderslebener Altstadt hat. „Im Sommer 2019, wenn ich meine Ausbildung in Glasgow abgeschlossen habe, werde ich nach Dänemark zurückkommen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der dänische Arbeitsmarkt funktioniert. Später plane ich, für einige Jahre nach Neuseeland zu gehen“, sagt die junge Frau.

Durch die Ausbildung in Glasgow lernt die Haderslebenerin, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie erlebt die Schotten als hilfreich und freundlich. Thea Nord Jakobsen ist froh, dass sie sich eine Wohnung mit einer Ortsansässigen teilt. „Die Wohnungssuche lief zügig über die Bühne. Ich bin an einem Mittwoch nach Glasgow gekommen. Sonntag bin ich eingezogen, und am Montag hatte ich meinen ersten Arbeitstag.“

Arbeitszeiten

Während Thea Nord Jakobsen 42 Stunden die Woche arbeitet, „begnügt“ sich Sarah Doege Lassen mit einer 40-stündigen Betriebszeit. Doege Lassens Ausbildungsplatz liegt in Achim bei Bremen. Wie berichtet, entschloss sich die junge Ladegårderin den Sprung nach Deutschland zu machen, um ihren Horizont zu erweitern und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. „Mein Großvater ist begeistert. Ich telefoniere einmal die Woche mit ihm und meiner Großmutter, und sie finden, dass ich gute Fortschritte mache“, sagt Sarah Doege Lassen mit einem Schmunzeln. Die 19-Jährige brachte solide Deutschkenntnisse mit nach Achim, dank ihrer Großeltern Heide und Immo Doege. Die Eheleute haben als Lehrerin bzw. Studienrat an Einrichtungen der deutschen Minderheit in Nordschleswig gearbeitet.

Sarah Doege Lassen lebt seit August 2017 in einer 46-Quadratmeter-Wohnung in einem Hochhaus in Achim. Ihre Eltern, Nina Doege und Michael Lassen, sowie ihre jüngere Schwester Julie halfen ihr beim Umzug. Sarah Doege Lassen macht ihre Ausbildung im Achimer Standort der „Hoffmann Group“. Hoffmann ist eine Unternehmensgruppe, die sich mit dem Handel und der Herstellung von professionellen Qualitätswerkzeugen und Betriebseinrichtungen einen Namen machte. „Ich bin positiv überrascht“, äußert sich die 19-Jährige zu dem Ausbildungsbetrieb. Sarah Doege Lassen wird quasi von der Pike auf in den verschiedenen Abteilungen angelernt, wodurch sie solides Detailwissen und Know-how bekommt. „Hoffmann Group möchte, dass ihre Auszubildenden so viele Abteilungen wie möglich kennenlernen“, unterstreicht Doege Lassen.

In ihrem ersten Ausbildungsjahr arbeitete sie unter anderem in der Abteilung für Dänemark. Das Betriebsklima gefällt der 19-Jährigen. Sie freut sich darüber, dass alle Mitarbeiter sich duzen. Ein Stück Heimat wiedergefunden habe sie auch, sagt Sarah Doege Lassen: „In Achim sagt man auch Moin!“ Genau wie „Kollegin“ Thea hat Sarah auch das Gefühl, dass sich eine ganz neue Welt für sie aufgetan hat und der tägliche Umgang mit Fachbegriffen sie auf (noch bessere) Wellenlänge mit ihrem Vater bringt: „Plötzlich weiß ich, wovon er spricht, wenn wir uns über Handwerk und Werkzeuge unterhalten“, sagt Sarah Doege Lassen. Die junge Frau hält sich für die Zukunft alle beruflichen Möglichkeiten offen. Sie hat sich noch nicht entschieden, was sie nach Ausbildungsabschluss machen wird.

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