Identität

„Emigration“ in die Kunst integriert

„Emigration“ in die Kunst integriert

„Emigration“ in die Kunst integriert

Nordschleswig
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Das Kunstwerk ist eine Zusammenarbeit der beiden Künstler Markus Herschbach und Søren Møller. Foto: Privat

Der frühere Leiter von Højskolen Østersøen, Peter Buhrmann, ist 2019 auf der Suche nach der Identität des deutsch-dänischen Grenzlandes.

In dieser kleinen Reihe über Bewusstsein und Identität im deutsch-dänischen Grenzland, die als Auftakt zum Jubiläumsjahr 2020 zu lesen und zu verstehen ist, spreche ich dieses Mal mit zwei Künstlern aus dem Landesteil. Markus Herschbach kommt zwar aus Trier, wohnt heute aber in Loit Schauby. Søren Møller ist ursprünglich aus Lolland und wohnt seit 40 Jahren in Sonderburg. Beide sind somit Zuzügler oder gar Emigranten, eine Tatsache, die sie beide in ihre Kunst integriert haben.

Seit einigen Jahren arbeiten sie zusammen, und in den Grenzlandausstellungen der vergangenen Jahre, die immer in der Sønderjyllandshalle stattfanden, konnten Werke von ihnen besichtigt werden. Die Gespräche entwickelten sich, wir kamen vom Hundertsten ins Tausendste und sprachen über den Schneider von Ulm, Joseph Beuys, Junkers, Stuka, Grenzen, „Schweinewerk“ und Fluxus.

MARKUS HERSCHBACH

Das Flugzeug scheint mir eine besondere Rolle in deiner Kunst zu spielen. Kannst du dich dazu äußern?
Das Ganze hat einen zunächst eher privaten Hintergrund. Mein Vater war während des Zweiten Weltkrieges Bomberpilot der Deutschen Luftwaffe und flog eine Junkers 88 über London. Er war Staffelführer von sechs Flugzeugen, wurde während eines Aufklärungsfluges angeschossen und musste sich mit einem Fallschirm retten. Das war ein Problem, weil er davor noch nie einen Fallschirmsprung durchgeführt und sich während der Ausbildung sogar davor gedrückt hatte. Er ist in einem Schrebergarten außerhalb Londons gelandet, den ich als junger Mann aufgesucht habe. Ich habe mit der Familie gesprochen, die sich gut an meinen Vater erinnern konnte. Später hat er sich als Übersetzer in London ernährt und ist dann als Kriegsgefangener nach Texas gegangen.

Eine schier unglaubliche Geschichte, die mich tief geprägt hat – auch als Künstler. Joseph Beuys, der namhafte Professor der Kunstakademie in Düsseldorf und Godfather der deutschen Nachkriegskunst, hat mich besonders in meiner Jugend sehr beeinflusst. Beuys ist während des Krieges eine Stuka 87 geflogen und ist über der russischen Tundra abgeschossen worden. Er hat also ähnliche Erlebnisse wie mein Vater gehabt. Mich fasziniert als Künstler die Doppeldeutigkeit des Fliegens: Es ist einerseits die uralte Lust, die Grenze der Schwerkraft zu überwinden, und andererseits werden zerstörerische und tödliche Kräfte freigesetzt. Das Gute und das Böse also, für mich ist das das visualisierte Menschheitsprinzip schlechthin. Schon der Schneider von Ulm (1770-1829) hat einen leider misslungenen Versuch unternommen, die Donau mit seinem Hängegleiter zu überqueren. Ich habe eine Werkgruppe mit dem Titel „wara neman“, der althochdeutschen Begriffe für „wahrnehmen“ oder „etwas für wahr nehmen“, geschaffen, welche aus aus Blech gefalteten Flugzeugen bestand, die mit Zeichnungen verbunden wurden.

Markus Herschbach Foto: Karin Riggelsen

Dazu hatte ich Asche, Rotwein, Salz und Federn gegeben. Dadurch sollte die Verbindung zu religiösen Themen hergestellt werden sowie der Bezug zu Ikaros, der zu hoch flog und wie der Schneider von Ulm abstürzte. Ein Flugzeug überschreitet die Grenze der Gravitation, aber es gibt ja auch andere Grenzen, zum Beispiel in Krusau.
Für mich ist der Begriff „Grenze“ eine anthropologische Grundbedingung. Also eine Grenze trennt mich vom anderen und gibt mir das Gefühl, im eigenen Raum Ordnung schaffen zu können. Ich habe selbst eine Mauer zum Nachbarn hin bauen lassen. Ich mag diese Mauer, sie gibt mir ein Gefühl der Integrität. Aber es ist ein Gefühl und ein Bewusstsein von Integrität, de facto macht die Mauer überhaupt nichts – man kann sie leicht umgehen oder hinüberklettern. Sie ist aber auch eine Grenze und schafft Identität.

Die Identität ist für mich in einem bestimmten Sinn das Entscheidende: Als Künstler und als Mensch bin ich auf der Suche nach Identitäten, und die Suche ist weitaus wichtiger als das Finden. Die Grenze ist ein Werkzeug in dieser Suche, aber ich überschreite sie schnell und immer wieder. Ich bin auch ein Freund von guten Fragen, die viel interessanter sind als Antworten. Deshalb ärgert es mich auch, dass die Kinder in der Schule mit Antworten beworfen werden, oftmals bevor sie überhaupt gefragt haben.

Wir sind ja hier in einer Region, die sich als Grenzland bezeichnet, eine Grenze, die nächstes Jahr gefeiert werden soll.
Ich bin kein Freund des Begriffs „Grenzland“ und schon gar nicht von Bezeichnungen wie „Ich bin Nordschleswiger“, die manchmal mit viel Pathos und Stolz an den Mann gebracht werden. Es gibt das Land „Grenz“ ja überhaupt nicht. Bezeichnet man sich als „Grenzländer“ oder „Nordschleswiger“, heißt das nur: „Ich gehöre zu dem Rudel, der die oder die Regeln und Normen hat.“ Wahrhaftiger ist, dass es hier (und anderswo auch) eine Vielfalt von Identitäten gibt, die sich ständig verwandeln. Und es gibt gar keine einheitliche Identität, sondern nur viele. Es ist auch deshalb, dass das Land „Grenz“ diesbezüglich unter einer Hybris leidet. Das 2020-Jubiläum ist nur unter ganz bestimmten Menschen hier in der Region auf der nördlichen Seite der Grenze von Wichtigkeit. Meine Studenten in Flensburg wissen gar nicht, dass es nächstes Jahr ein Jubiläum gibt.

Anlässlich des 150. Jubiläums der Schlacht von Düppel haben sich Søren Møller und du auf Düppel mit Kartoffeln, Gurken und Gewehren in deutschen und dänischen Uniformen ablichten lassen. Die Gestik war entspannt, gelassen und manchmal karikiert. Was hatte das auf sich?
Die Kartoffel ist ja der Emigrant schlechthin: Kommt aus Südamerika und hat ganz Europa eingenommen. Sie ist ein Alien. In dieser Verbindung haben wir 2015 eine Reihe, die „Ubi bene ubi patria“ gemacht – wo es mir gut geht, ist mein Vaterland. Also für mich: Der Mensch kann sich überall wohlfühlen und ist nicht an eine nationale Grenze gebunden. Wenn die Kartoffel auch in Europa gedeihen kann, wächst sie halt hier. Ich finde auch den dänischen Ausdruck „En heldig kartoffel“ reizvoll. Die Kartoffel ist auch Grundnahrungsmittel, verweist aber auch auf die Dumpfheit der Provinz. In den Fotos gehen Dänen (Markus Herschbach) und Deutsche (Søren Møller) freundschaftlich miteinander um. Ich habe gehört, dass sich die deutschen Soldaten eine weiße Binde um den rechten Arm gebunden haben, damit sie von den Dänen unterschieden werden konnten – wir waren damals schon ähnlicher, als wir denken.

Könntet ihr 2020 Ähnliches machen?
Ich finde, Markierungen müssen eigentlich nach vorne und nicht nach hinten gerichtet sein.

Wie sieht für dich die ideale Markierung von 2020 aus?
„In der Ruhrpottbienale habe ich erlebt, wie sich die Menschen auf der Autobahn getroffen haben, um gemeinsam zu essen. Die Autobahn wurde dafür sogar extra gesperrt. Man hat sich an Tische gesetzt, gegessen und getrunken. Es war alles sehr schön. Vielleicht sollten die Regionen Sønderjylland und Schleswig-Holstein zum grenzüberschreitenden Essen einladen. Die Tische müssten so aufgestellt werden, dass die eine Seite auf deutscher Seite, die andere auf dänischer Seite stehen sollte. Es würde auch interessant zu sehen sein, wie viele aufkreuzen würden. Aber der sogenannte Wildschweinzaun verhindert vermutlich ein solches Unterfangen.

Welcher ist für dich der schönste Ort in Nordschleswig?
An der Ostspitze der Halbinsel Loit gibt es einen kleinen Buchenwald, den finde ich ganz schön.

SØREN MØLLER

Kommst du ursprünglich aus Südjütland?
Nein, geboren bin ich in Nakskov auf Lolland. Nachdem ich in Kopenhagen an der Königlichen Dänischen Kunstakademie studiert habe, bin ich Ende der 70er Jahre nach Sonderburg gekommen. Zunächst wirkte ich als Kunstlehrer am hiesigen Gymnasium, weil ich von meiner Kunst nicht leben konnte. Das ist leider ein Problem, das viele professionelle Künstler auch heute haben. Die letzten 40 Jahre arbeite ich an der Kunstschule in Sonderburg. Seit einigen Jahren habe ich mich an einer engen künstlerischen Zusammenarbeit mit Markus Herschbach beteiligt, weil der deutsche Einschlag immer ein selbstverständlicher Teil meiner Kunst gewesen ist. Ich mag diese Verbindung über die deutsch-dänische Grenze. Auch schätze ich die Hauptstadt Berlin.

Søren Møller Foto: Karin Riggelsen

Du bist also so etwas wie ein Deutschlandfan?
Ja, das kann man wohl sagen. Als die Kunstschule in Sonderburg 1978 eröffnet wurde, habe ich meine Begeisterung für Deutschland und die deutsche Kunst lautstark an den Mann gebracht. Wir hatten das Glück, dass uns sogar Joseph Beuys in der Schule besuchte. Ein großes Erlebnis. Leider gab es Politiker im Stadtrat, die meine Freude nicht teilen konnten. Mir wurde deshalb mitgeteilt, dass wenn ich meine Begeisterung nicht zügele, sie den Laden dichtmachen würden. Was ich mit der Eröffnung der Kunstschule erlebte, war leider nur der Gipfel eines Eisberges, dessen Existenz ich gut kannte. Hier in der Region gab es immer große Vorbehalte gegenüber Deutschland und dem Deutschen. Ich habe sogar erlebt, Teil eines nationalen Kampfes geworden zu sein: Wo ich damals wohnte, gab es einen Fahnenmast. Eines Morgens war er verschwunden. Vom Nachbarn erfuhr ich, dass ich mit solchen Vorfällen zu rechnen habe. Wer sich nicht an alle dänischen Jahres- und Gedenktage halte und nicht die Fahne hissen würde, zähle zu den Deutschgesinnten. Auch wenn man wie ich aus Nakskov kam. Als ich Wehrdienstverweigerer wurde, musste ich die Frage beantworten, warum ich denn etwas dagegen hätte, Deutsche zu töten. Alle diese Dinge wirkten wie ein Schock auf mich. Umgekehrt habe ich an vielen grenzüberschreitenden Kooperationen teilgenommen. Die Region Südjütland hat z. B. gute Verbindungen zum BBK (Bundesverband Bildender Künstler) in Schleswig-Holstein. Momentan nehme ich an einer Ausstellung über das Thema Klima und Mensch teil. Deutsche Werke werden am 5. Mai im Multikulturhaus in Sonderburg ausgestellt, und am 20. Mai sind die dänischen Werke im Brunswicker Pavillon in Kiel dran.

Für eine Kunstschule ist die Lage hier am Hafen in Sonderburg doch ein Traum?
Ja, die Lage hier im Multikulturhaus ist sehr schön. Ein progressiver Schöngeist aus dem hiesigen Wirtschaftsleben hat veranlasst, dass der namhafte kanadisch-amerikanische Architekt Frank Gehry die gesamte Hafenfront mitgestaltet hat. Was noch in seinem Plan zu verwirklichen ist, ist ein großes Museum für elektronische Kunst, das von Gehry persönlich entworfen werden soll. Das wäre fantastisch, und damit wäre ein wirkliches Zeichen gesetzt, dass Sonderburg etwas erreichen will mit der modernen Kunst. Die Künstler haben sonst nicht die besten Bedingungen und ziehen von hier eher weg. Aber die Hafenfront ist schon ein Schritt in die richtige Richtung!

Auf der Akademie hattest du Addi Köpcke als Lehrer. Er lebte ja auch als Deutscher in Dänemark – was hast du von ihm lernen können?
Als junger Künstler war ich sehr vom Dadaismus inspiriert. Ich konnte mich mit der Haltung sehr gut identifizieren, dass wenn der Erste Weltkrieg und der tausendfache Tod junger Männer ein Ausdruck von Politik, Rationalität und Vernunft sein sollten, wir so viel Unvernunft treiben sollten wie überhaupt möglich. Das haben die Dadaisten dann auch getan. Addi Köpcke hatte viele Ideen des Dadas umgesetzt und war Teil der Fluxusbewegung gewesen, die er uns in Dänemark vorgestellt hatte. Die Fluxusleute haben Schlüssellöcher, den Klang einer Toilette oder Spiegeleier ausgestellt, sich gegenseitig mit Niveacreme eingeschmiert und Klaviere mit Äxten kaputtgehauen. Eine recht muntere Truppe. Addi Köpcke hatte viele wichtige Künstler nach Kopenhagen geholt, auch in eine Galerie, an der ich selbst beteiligt war. So inspirierend er auch war, seinen Alkoholkonsum hatte er nicht immer im Griff, und ich weigerte mich, an diesem Konsum teilhaft zu werden.

Du hast auch Ausstellungen mitgestaltet und gefördert.
Ja, ich erinnere mich, wie ich in Rackebüll, wo ich auch an einer Kunstschule beteiligt war, Claus Carstensen für eine Ausstellung gewonnen hatte. Er hat sechs Tonnen südjütländische Erde bestellt, die in der Sporthalle auf dem neuen Fußboden abgeliefert wurden. Er hat daraufhin die ganze Zeit damit verbracht, diese Erde mit einem Fön auszutrocknen, um zu zeigen, dass die südjütländische Erde überwiegend aus Sand bestehe.

Gemeinschaftswerk von Markus Herschbach und Søren Møller Foto: Privat

Wenn auch aus Nakskov, scheinst du eine klare Haltung zur Schleswigschen Frage zu haben.
Ja, ich habe mich damit auseinandergesetzt, und ich frage mich, warum diese Vorbehalte? Man hat ja generell Angst vor dem Fremden in Dänemark. DF hat starke Wurzeln hier und hat es vermocht, alle anderen Parteien mit diesen Vorbehalten anzustecken. Als damals Angela Merkel und Sigmar Gabriel sich dafür entschlossen haben, einen konstruktiven Zugang zur Flüchtlingskrise zu haben, schufen sie ein gesünderes Klima in Deutschland als in Dänemark. Es ist, als ob man südlich der Grenze freier atmen kann. Die dänische Haltung zeigt sich auch am Wildschweinzaun, oder „Schweinewerk“, wie ich dazu sage. Der Zaun wurde ja nicht deshalb errichtet, weil man die Schweine weghalten will, sondern um die Grenze zu schließen. Es ist klar, dass wenn morgen alle Grenzen weg wären und ganz Afrika hier stünde, es ein Problem wäre. Nichts destotrotz bin ich für die offene Grenze. Wir haben viel voneinander zu lernen und können auch einander viel geben. In der ehemaligen DDR habe ich wunderbare Erlebnisse gehabt. Die Spannungslage zwischen Ost und West in Deutschland hat sich meines Erachtens gelockert. Es wird nur noch auf soziale Unterschiede bestanden, weil so viel Geld an diese Unterschiede gebunden ist. In den neuen Bundesländern aber habe ich große Zuvorkommenheit erlebt. Weil man so viele Jahre aufeinander angewiesen war, hat man gelernt, sozial und freundlich miteinander umzugehen. Erst wenn man Richtung Dänemark die dänische Minderheit erreicht, muss man wieder die Uhren 50 Jahre zurückstellen. Wir müssen die Verhaltensweise, die man in Ostdeutschland erlebt, hier nach Südjütland importieren.

Nächstes Jahr kann die bestehende Grenze ihren 100. Geburtstag feiern. Wie sollten wir a dieses Jubiläum m besten feiern?
Erstens sollten wir an die Voraussetzungen für die Grenze denken: das Versailler Vertragswerk. Wir müssen dafür sorgen, dass sich sowas niemals wiederholt. Die Demütigung und Rachsucht der sogenanntn Siegermächte des Ersten Weltkrieges haben die Voraussetzungen mitgeschaffen für das, was in der Weimarer Republik geschah. Dummheit folgte auf Dummheit, und das Ende war das Dritte Reich. Diese Fehler dürfen nicht wiederholt werden. Davon abgesehen, sollten wir feiern, dass im deutsch-dänischen Grenzland trotz allem vieles gut funktioniert. Wir treiben in diesen Jahren weiter und weiter auseinander: Das Jubiläum ist die beste Gelegenheit, dieser Bewegung ein Ende zu setzen. Wir haben einander so viel zu geben.“

Søren Møller und Markus Herschbach haben jeweils einen dänischen und deutschen Hintergrund, den sie in ihrer Kunst verschiedentlich verarbeiten. Mit seiner doppelseitigen Tasse „There are no racists in Denmark“, und „Es gibt keine Nazis in Deutschland“, treibt Søren Møller das deutsch-dänische Verhältnis ironisch auf die Spitze – hier gibt es keine der gewöhnlich-typischen Verniedlichungen (die ja oftmals unerträglich sind), sondern nur diejenige radikale Kraft, von der jede gute Kunst zehren muss.

Hier sind die mitunter recht harten Erlebnisse ästhetisch umgesetzt, die er über seine vielen Jahre in Südjütland gehabt hat. Markus Herschbach lässt die Fliegergeschichte seines Vaters in seine Kunst einfließen und erarbeitet daraus eine Fragestellung über die Grenzen der Schwerkraft und der Identität. Das ist keine unbegabte Definition von Kunst als solche: das Private und Individuelle so zu verallgemeinern, dass der Betrachter über das Allgemeine etwas Entscheidendes und Neues lernt!

Schon Georg Büchner (1813-1837) wusste, dass die Kunst radikal und mutig sein muss. Sie darf zu keiner „hölzernen Kopie“ verkommen, die in „fünffüssigen Jamben kracht“ („Dantons Tod“ (1835), dann wird sie überflüssig und langweilig. „ – Ach, die Kunst!“ (ebd.) war immer ein Lieblingszitat von mir, weil es mich daran erinnert, dass die Kunst eine Aufgabe hat. Oder besser gesagt, drei Aufgaben: das Schöne, das Gute und das Wahre. In unserer modernen Zeit sind die drei Aufgaben auseinandergefallen. Eine Kunst, die schön und gut ist, kann nicht zugleich auch wahr sein. Für mich war es geradezu eine Ermutigung, zwei Künstler kennenzulernen, die auf die Wahrheit setzen.

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