LHN Hauptversammlung

LHN zieht Bilanz: Dürrezeit und Wutbürger

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Tingleff/Tinglev
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Rund 12 Millionen Landwirte gibt es in der EU - rund 80 von ihnen kamen am Dienstagabend zur Hauptversammlung des LHN. Foto: Friedrich Hartung

Das Jahr 2018 wird der Landwirtschaft in Nordschleswig aus vielerlei Gründen im Gedächtnis bleiben. Der Landwirtschaftliche Hauptverein für Nordschleswig hat am Dienstagabend Bilanz gezogen – und mit geladenen Experten in die Zukunft geblickt.

„Ein außergewöhnliches Jahr, das wir so noch nie hatten.“ So hat der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), Jørgen Popp Petersen, am Dienstagabend das Jahr 2018 zusammengefasst.

„Vor einem Jahr saßen wir noch im Matsch der enormen Niederschläge des Herbsts und Winters fest. Und dann haben wir den wärmsten, sonnenreichsten und trockensten Sommer seit mehr als 100 Jahren erlebt. Es hat Blut, Schweiß und harte Arbeit gekostet“, so der Vorsitzende am Abend im Tingleffer LHN-Gebäude. Rund 80 Mitglieder fanden den Weg in den Versammlungsraum.

Popp Petersen sprach von einer herausfordernden Zeit aufgrund der Dürre 2018. Der rekordwarme Sommer habe für viele Betriebe große und ernste Folgen gehabt.

Fast nebensächlich dabei: Auch die von NGO’s, Lobbyisten und Wutbürgern angefeuerte und manchmal fast religiöse Debatte über den Fleischverbrauch könne anstrengend sein.

Agrarpolitik Teil der Erfolgsgeschichte

Der LHN-Vorsitzende warb für EU-Freundlichkeit. „Wir haben jetzt seit mehr als 70 Jahren Dauerfrieden. Das haben wir der EU und der gemeinsamen Arbeit zu verdanken. Allgemein wird das meiner Meinung nach viel zu wenig geschätzt. Der Frieden und der Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit – und die gemeinsame Agrarpolitik ist einen wichtiger Teil dieser Erfolgsgeschichte.“

Grüne Energieprojekte, hält Popp Petersen fest, hätten es derzeit schwer realisiert zu werden; dies gelte für Wind, Biogas oder Photovoltaik. „Die Landwirtschaft könnte eine Schlüsselrolle einnehmen. Bürgerproteste bremsen die Projekte überwiegend aus“, so Popp Petersen.

Wenn er zwei Ereignisse des vergangenen Jahres hervorheben sollte, dann waren das zum einen die grenzüberschreitende EU Konferenz in Tondern, und zum anderen die Ernennung des LHN-Vorstandsmitgliedes Jan David zum Junglandwirt des Jahres in Dänemark.

Der Vorsitzende des LHN bei seinem Bericht Foto: Friedrich Hartung

„Finanzkrise, Konjunkturtiefs, Russland-Boykott und Handelssanktionen. Und letztlich die Dürre: Es ist ein harter Cocktail, wenn Arla und Danish Crown, im Vergleich, nicht in der Spitze liegen", so der Vorsitzende. Fast sämtliche Banken reduzierten ihre Kredite in der Landwirtschaft und die Gehälter fingen mit Lohnkosten bei 180 Kronen pro Stunde an. „Laut Seges sind es etwa 1.500 Betriebe mit einem Anteil von 20 Prozent der Produktion, die in schweren Probleme stecken. Umgekehrt gibt es etwa 7.000 Betriebe ohne Liquiditätsprobleme”, so Popp Petersen.

Der LHN-Vorsitzende Jørgen Popp Petersen Foto: Friedrich Hartung

LHN-Direktor Tage Hansen legte seinen Geschäftsbericht ab. „Die Herausforderungen mit der Liquidität sind lange noch nicht vorbei“, so Hansen. Man kämpfe weiter für jeden einzelnen Hof. 65 Prozent aller Betriebe im Land seien aber nicht speziell abhängig von finanzieller Unterstützung, es gebe also weitaus mehr positive Geschichten zu erzählen, von Höfen mit gesunder Wirtschaftsgrundlage.

Wie geht es dem LHN? Das Gebäude muss weiterhin und laufend renoviert werden – „manche Fenster sind je nach Windrichtung undicht“, nahm es der LHN-Direktor mit Humor. Und die Zahlen: Der LHN hat einen Überschuss erwirtschaftet, „das beste Resultat seit mehreren Jahren“, so Hansen. Die Betriebskosten sind insgesamt gefallen, der LHN beschäftigt derzeit 31 Vollzeitmitarbeiter.

Konservative Beratung werde vor dem Hintergrund einer auch weltweit unsicheren wirtschaftlichen und politischen Lage nie unmodern. Wird es eine Strukturentwicklung in der Beratungsstruktur innerhalb der Branche geben? Derzeit gibt es 23 Beratungseinheiten und rund 2.000 Mitarbeiter. Ja, hielt Tage Hansen fest. Und ja, es werde sicherlich Fusionen der vielen Beratungsunternehmen und Vereine geben, Zusammenschlüsse, die nicht immer positive Auswirkungen haben werden, so Hansens Prognose. Man setze aber vor allem auf eine starke Zusammenarbeit untereinander.

Als Referenten hatte der LHN Anne Lawaetz Arhnung, Direktorin von Landbrug & Fødevarer, eingeladen sowie den EU-Experten Hans Berend Feddersen.

Ein ausführlicher Bericht folgt.

Als Referenten hatte der LHN Anne Lawaetz Arhnung (l.), Direktorin von Landbrug & Fødevarer, eingeladen sowie den EU-Experten Hans Berend Feddersen (r.). Foto: Friedrich Hartung
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