Geschichte

Sommerangebot: Auf den Spuren der Gendarme wandern

Sommerangebot: Auf den Spuren der Gendarme wandern

Sommerangebot: Auf den Spuren der Gendarme wandern

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Krusau/Kruså
Zuletzt aktualisiert um:
In Kupfermühle sind die Spuren der einstigen Industriestadt noch zu sehen. Foto: jt

Der Tourismusverein bietet in den Sommermonaten verschiedene geführte Wanderungen in Nordschleswig an. „Der Nordschleswiger“ war bei einer dabei.

Mit Wanderschuhen, Rucksack und einer Flasche Wasser ist Kaj Mauritzen am Montagabend in Krusau am Start. Er führt den rund sechs Kilometer langen Rundgang durch den Kollunder Wald und Kupfermühle – und erzählt an zehn Stopps die Geschichte des Gendarmenpfades, der Gendarmen, die Entstehung der heutigen Grenze und von Kupfermühle als ein wichtiger dänischer Industriestandort. Zudem gibt er viele Informationen zur lokalen Flora und Fauna.

Rund zehn interessierte Personen haben sich am frühen Abend für die zweistündige Wanderung eingefunden – und das, obwohl die Wettervorhersage nicht gerade rosig ist. Die Wanderungen bringen Mauritzen viel Freude, erklärt er. Früher zählten für ihn die drei Gs (gerne, glad og gratis) – gerne, froh und kostenlos. „Doch das hat sich im Laufe der Zeit ein wenig verändert. Jetzt bekommen wir auch ein paar Groschen für unsere Arbeit“, schmunzelt er. Und läuft los, immer am Gendarmenpfad entlang, während er den Wachturnus der ehemaligen Grenzgendarmen erklärt. „Sie hatten vier Stunden Dienst und dann acht Stunden frei, und das ununterbrochen sechs Tage die Woche“, unterstreicht er.

Ungarischer Abschnitt

An einem kleinen Abschnitt macht er halt. Er nennt ihn den ungarischen Pfad. „Nachdem die Sowjetunion in den 50er Jahren Ungarn besetzt hatte, kamen viele ungarische Flüchtlinge nach Nordschleswig und hier an die Grenze. Sie wollten gerne arbeiten und verlängerten demnach den Gendarmenpfad um diesen Abschnitt“, so der Lokalgeschichts-Experte.

Zum Staunen einiger der Teilnehmer fährt ein Streifenwagen der Polizei in diesem abgelegenen Abschnitt vorbei. „Seitdem wir hier die Grenzkontrollen wieder eingeführt haben, sehe ich sie (die Polizei, Red.) hier im Wald immer öfter“, erklärt Mauritzen.

Kaj Mauritzen (l.) am Grenzübergang bei Schusterkarte Foto: jt

Tolle Aussichten sind bei diesem Rundgang gang und gäbe. Durch den Kollunder Wald gelangt man an die Flensburger Förde, ehe man bei Schusterkarte die Grenze zu Deutschland überquert und in Kupfermühle hineinspaziert. „Kupfermühle war mehrere Jahrhunderte lang eines der größten dänischen Industrieunternehmen.

Das Kupfer wurde aus Norwegen per Schiff hergebracht und dann verarbeitet. Selbst die Fregatten Jylland (Schiff) und die Dächer der Börse in Kopenhagen und des Fredensborger Schlosses sind mit Kupfer aus Kupfermühle versehen“, so Mauritzen, ehe er die Geschichte des Untergangs des einstigen Industriegiganten erzählt.

Die Wanderung führt unter anderem durch den Kollunder Wald Foto: jt

Ur-Großvater war Grenzgendarm

Beim Rundgang dabei ist auch Mette Birk mit ihren beiden Kindern Noah und Nanna. Sie kommen von Fünen und besuchen in den Sommerferien ihre Familie in Nordschleswig. „Mein Ur-großvater war Grenzgendarm. Für uns ist es eine tolle Gelegenheit, mehr über seinen Alltag hier auf dem Gendarmenpfad zu erfahren“, so Birk und ergänzt: „Ich finde so einen geführten Rundgang weitaus besser, als die Schilder entlang des Pfades zu lesen.“

Jørgen Christensen aus Rothenkrug sieht das ähnlich. Er ist zum ersten Mal bei solch einem Rundgang dabei. „Durch die Zeitung wurde ich auf dieses Angebot aufmerksam gemacht. Ich finde es sehr informativ. Und dann ist es ja auch eine schöne Wanderung. Alles in allem eine gelungene Aktivität“, so Christensen.

Nach zwei Stunden und zweimaliger Grenzüberquerung stehen die Teilnehmer dann wieder auf dem Parkplatz in Krusau – vielleicht nicht mit einem voll bepackten Rucksack wie Mauritzen, aber dennoch vollgepackt mit Wissen über die lokale Geschichte in und um Kupfermühle.

Die nächste Wanderung findet am kommenden Montag statt. Die Tickets kosten 50 Kronen und können unter www.visitaabenraa.dk gebucht werden.

Mehr lesen